Niederlande: Reform des Lokalfunks setzt Sender unter Zeitdruck

In den Niederlanden steht die Struktur der lokalen Medienlandschaft vor einem massiven Umbruch. Die geplante Umwandlung von kleinteiligen Lokalsendern in größere Regionalsender nimmt deutlich schneller Fahrt auf, als viele Beteiligte bisher vermutet hatten. Eric Horvath, Direktor des Branchenverbands NLPO, betonte auf aktuellen Informationsveranstaltungen, dass die Auswirkungen der Reform bereits weit vor dem offiziellen Startjahr 2028 spürbar sein werden. Da der entsprechende Gesetzentwurf dem Parlament bereits zur dringenden Behandlung vorliegt, müssten Radiomacher schon jetzt aktiv werden.

Ein Kernelement des neuen Modells ist die Einführung eines sogenannten offenen Systems. Dies bedeutet, dass bestehende Lokalsender künftig keinen gesetzlichen Vorrang mehr bei der Vergabe der öffentlichen Sendeaufträge haben. Auch andere Akteure, wie beispielsweise Zeitungsverlage, können sich um den Versorgungsauftrag in einer Region bewerben. Dieser neue Wettbewerb zwingt die aktuellen Betreiber dazu, ihre Position frühzeitig zu festigen und professionelle Strukturen nachzuweisen, um im Auswahlverfahren bestehen zu können.

Gleichzeitig wird die Finanzierung grundlegend reformiert. Bisher erhielten Lokalsender ihre Mittel über die jeweiligen Kommunen, wobei das Geld oft nicht in vollem Umfang bei den Sendern ankam. Künftig soll es einen zentralen nationalen Topf geben, aus dem die zugelassenen Regionalsender ein festes Budget für fünf Jahre erhalten. Dies soll zwar für finanzielle Planungssicherheit sorgen, doch die Höhe der Mittel sorgt bereits für Diskussionen. Von den geplanten 27 Millionen Euro bleiben nach Abzug von Organisations- und Aufsichtskosten lediglich etwa 17,5 Millionen Euro für die eigentliche Arbeit vor Ort übrig. Branchenvertreter kritisieren diese Summe als absolutes Minimumszenario, das für eine qualitativ hochwertige Berichterstattung kaum ausreiche.

Die Verteilung der Gelder erfolgt künftig nach einem festen Schlüssel. Ein Teil wird gleichmäßig auf alle Regionen verteilt, während der Rest von Faktoren wie der Einwohnerzahl und dem Grad der Urbanisierung abhängt. Damit soll sichergestellt werden, dass auch dünn besiedelte Gebiete eine Grundversorgung erhalten, auch wenn städtische Regionen dadurch verhältnismäßig weniger Mittel bekommen könnten. Zwar haben Kommunen weiterhin die Möglichkeit, freiwillig zusätzliche Gelder beizusteuern, doch die Basisabsicherung wird national geregelt.

Für die niederländischen Radiomacher bedeutet diese Entwicklung eine Phase der Unsicherheit und des Umbruchs. Da zusätzliche staatliche Mittel aufgrund der allgemeinen Haushaltslage ungewiss sind, wird die Zusammenarbeit und der Zusammenschluss kleinerer Einheiten zu größeren, schlagkräftigen Regionalsendern zur Notwendigkeit. Die kommenden Monate werden zeigen, wie viele der bisherigen Anbieter den Sprung in das neue System erfolgreich bewältigen können.

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