radioWOCHE-Logo

Digitalisierung meets Radio: So entwickelt sich das Radio der Zukunft

Leiden Radiosender unter der rasanten digitalen Entwicklung? Bisher ist das offensichtlich nicht der Fall und so wie es sich darstellt, wird sich das auch in Zukunft nicht ändern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Verantwortlichen die Zeichen der Zeit erkennen und ihre Angebote so anpassen, dass Radio grundsätzlich spannend bleibt. Wenn man etwas genauer hinsieht wird deutlich, dass clevere Radiomacher bereits sehr flexibel reagieren und nicht nur ihre Programme verändern, sondern sich an dem stetig verändernden Nutzungsverhalten orientieren.

Radiosender bekommen starke Konkurrenz aus dem Netz. User profitieren zudem von günstigen Handy-Flats und haben rund um die Uhr Zugriff auf attraktive digitale Alternativangebote. Foto: Andrzej Rembowski auf Pixabay (CC0 Creative Commons)

Internetzugang im Auto

Ein Internetzugang im Auto ist heute Alltag. Das Radio hat hier starke Konkurrenz bekommen, denn viele schalten um auf Streamingdienste, hören Podcasts oder Hörbücher. Auch die Konkurrenz um Werbekunden ist dadurch hart geworden. Das Radio muss sich grundlegend verändern und viele Sender stecken bereits mittendrin im Wandel.

Wie sieht die digitale Bedrohung für Radiosender aus?

Tageszeitungen stecken seit Jahren in einer tiefen Krise. Als einer der Hauptgründe wird in der „Talfahrt der Tagespresse“ das Internet ausgemacht. Unabhängig davon, welche Gründe verantwortlich sind, ist eine dramatisch fallende Absatzkurve feststellbar. Menschen kaufen schlicht viel weniger Zeitungen als früher. Zeitungsleute debattieren heftig über die Zukunft und wollen gemeinsam ein stimmiges Konzept für eine digitale Tageszeitung der Zukunft entwickeln. Eine solch leidenschaftliche Diskussion wie in der Druckbranche ist in der Radiobranche nicht zu sehen.

Offenbar ist diese Mediensparte relativ wenig von den Auswirkungen der Digitalisierung betroffen. Doch das ist nur scheinbar der Fall, denn die Konkurrenz schläft nicht. In den Startlöchern stehen zum Beispiel Spotify, Deezer, SoundCloud, Google Play Music oder Apple Music. Sie haben die Ressourcen, um dem Radio von morgen ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken und vielleicht sogar es ganz neu zu erfinden. Radiosender sollten diese Konkurrenz ernst nehmen, auch wenn die Daten der Media Analyse Radio, die alle sechs Monate aktuell aufgelegt wird, für viele Radiosender positiv aussehen.

Das Internet hat die Radiobranche bislang relativ wenig tangiert. Doch das Internet fährt jetzt auch im Auto mit und auf Smartphones ist es ohnehin seit langem verfügbar. User entdecken immer neue Nutzungsmöglichkeiten und finden attraktive Alternativen zum klassischen Radio. Was können Radiosender tun, um auch in Zukunft ihre Hörer zu halten? Einen Baum für jeden Hörer zu pflanzen ist zwar eine schöne Idee, wird aber sicher nicht reichen, um die Hörerschaft bei der Stange zu halten. Der Kampf um Einschaltquoten wird sich mit Sicherheit verschärfen und kleine Sender, die nicht kreativ oder nicht schnell oder nicht zielführend genug reagieren, können vermutlich schon bald die Türen schließen.

Hörer müssen Radiosender finden

Es reicht nicht, ein großartiges Radioprogramm zu haben, Hörer müssen Radiosender auch finden können. Klappern gehört zum Handwerk und es ist einleuchtend, dass Radiosender natürlich auch Werbung machen müssen. Allerdings ist es gar nicht so leicht, die angepeilte Zielgruppe zu erreichen. Einer der Gründe liegt darin, dass das Radiopublikum mit unterschiedlichen Medien vertraut ist. Die einen nutzen vorwiegend Tablets, andere lieben ihr Smart-TV und wieder andere legen ihr Smartphone nicht aus der Hand – und das hat gute Gründe. Die angebotenen Smartphone Tarife sind bereits für 4,99 € pro Monat zu haben. Usern steht damit eine mobile Internet Flat mit LTE von 1 GB zur Verfügung, für 5 Euro mehr sind es sogar 3 GB LTE. Damit haben User Zugriff auf zahlreiche Konkurrenzangebote im Internet, die sich perfekt in der digitalen Welt aufstellen und ihre internetaffinen User mit maßgeschneiderten Angeboten zielsicher erreichen und überzeugen.

Wer die Wahl hat, hat die Macht. Wie können Radiosender sicherstellen, dass ihre Zuhörerschaft ihnen treu bleibt?
Foto: Austin Distel auf unsplash (CC0 Creative Commons)

Die zentrale Frage, die sich Radiosender stellen müssen, lautet: Finden Hörer unsere Sendungen auf allen relevanten Internet-Plattformen einfach und schnell und sind die Sendungen gut empfangbar?

UKW-Empfänger werden in Smartphones nicht verbaut

Natürlich ist UKW ein wertvoller Verbreitungsweg, der noch eine lange Zeit zur Verfügung steht. Klassische UKW-Empfänger hingegen werden in Smartphones nicht mehr verbaut. Ein Blick auf die Luxus-Geräte von Apple zeigt, dass dort sogar noch nie UKW-Empfänger verbaut wurden. Die Kundenzufriedenheit ist allerdings gerade bei Kunden dieser Marke exorbitant hoch. Das wirft die Frage auf, ob Smartphone Besitzer die fehlende UK- Empfangsmöglichkeit – und damit den Zugriff auf zahlreiche Radioprogramme – gar nicht vermissen.

Radiosender müssen neue Verbreitungswege nutzen

Funken Radiosender vorwiegend über UKW, können Smartphones sie nicht empfangen und die Auffindbarkeit ist damit praktisch gleich Null. Radiohörer schalten eben nicht einfach ihr Radio an und stellen den Sender über UKW-Frequenz ein, sondern sie suchen online danach. Welche Suchbegriffe nutzen sie, um einen Radiosender oder eine Lieblings-Radiosendung zu finden? Welche Ergebnisse erhalten sie, wenn sie in der Suchmaschine, in Google Play oder in einem App Store den Sendernamen eingeben? Welche Antwort gibt ihnen ihr Smartphone auf die Frage: „Ok, Google. Schalte Antenne Niederrhein ein.“ Wenn als Antwort nicht kommt „Alles klar, gerne. Viel Vergnügen bei deinem Lieblingssender“ hat Antenne Niederrhein wahrscheinlich einen Hörer verloren.

Die Verfügbarkeit des Internets im Auto kann sich zu einem massiven Problem für Radiosender entwickeln, denn damit steht den Insassen die gesamte Hörwelt des Internets zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund dürfte es hilfreich sein zu erfahren, wie Autohersteller in Zukunft die neuen Modelle technisch ausstatten. Wird es zukünftig das klassische Radiogerät überhaupt noch geben? Oder werden andere Hörerlebnisse angeboten? Ein Blick über den großen Teich nach Amerika zeigt, dass dort in neuen Fahrzeugen keine Radios, sondern Konsolen eingebaut werden, in denen der Streamingdienst Pandora installiert wird. Pandora könnte für die Radiobranche vielleicht „die Büchse der Pandora“ sein, denn es ist ein personalisierbares Internetradio, das den Nutzern individuelle Musikvorschläge macht. Interaktiv und maßgeschneidert, wie Pandora ist, konnte es einen Marktzuwachs von rund 8 Prozent im letzten Jahr in den USA verzeichnen. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit bis dieser oder ein anderer Anbieter als Gamechanger den europäischen Markt revolutioniert.

Die Zukunft des Radios bleibt spannend

Neben den genannten Aspekten, die die Radiobranche beeinflussen und ihre Gestalt dauerhaft verändern, gibt es noch weitere Bereiche, die gleiches tun. Es stellt sich zum Beispiel die Frage nach den zukünftigen Mitarbeitern, ihren Qualifikationen und Ansprüchen. Wie können Radiosender zu attraktiven Arbeitgebern werden, die junge Talente anziehen, die wiederum zeitgemäßen Content produzieren? Auch sind Mediatheken und Content-Hubs auf den richtigen Plattformen unverzichtbar, um einen Sender im Gespräch zu halten. Radiosender, die keine zukunftsfähige Strategie entwickeln, werden mit großer Wahrscheinlichkeit sang- und klanglos in der digitalen Welt untergehen.

Bilder von Andrzej Rembowski auf Pixabay (CC0 Creative Commons)
Austin Distel auf unsplash (CC0 Creative Commons)

Das könnte dir auch gefallen...