Zentralisierung gegen den Relevanzverlust: NRW-Lokalfunk beschließt „Systemreform 2026“

Der NRW-Lokalfunk steht vor dem größten Umbau seiner jüngeren Geschichte. Auf einer gemeinsamen Konferenz in Dortmund haben der Verband der Betriebsgesellschaften, der Verband Lokaler Rundfunk und der Mantelprogrammanbieter Radio NRW am vergangenen Samstag eine umfassende Strukturreform beschlossen. Unter dem Titel „Systemreform 2026“ soll das historisch gewachsene, aber extrem komplexe Zwei-Säulen-Modell effizienter aufgestellt werden, um die wirtschaftliche und digitale Zukunftsfähigkeit der 45 Lokalradios im Land zu sichern.

Das neue Leitbild bricht mit der bisherigen Praxis, nach der viele digitale und strategische Aufgaben in den einzelnen Betriebsgesellschaften parallel gelöst wurden. Künftig gilt der Grundsatz, dass alle Aufgaben mit direktem lokalem Bezug in den Redaktionen vor Ort verbleiben, während strategische Kernbereiche zentral gebündelt werden. Das betrifft vor allem die Programm- und Produktentwicklung, die Digital- und Sendetechnik, das Marketing sowie die überregionale Vermarktung. Ziel ist es, systemweite Standards zu setzen und Projekte schneller und verbindlicher umzusetzen.

Die Verantwortlichen reagieren damit auf den anhaltenden wirtschaftlichen Druck und die veränderten Nutzungsgewohnheiten im Audiomarkt. Laut Radio-NRW-Geschäftsführer Marco Morocutti ist die Reform keine Reaktion auf kurzfristige Probleme, sondern die Antwort auf eine langfristige strukturelle Marktveränderung, welche die Tragfähigkeit des bisherigen Systems gefährdet. Auch Uwe Peltzer vom BG-Verband und Thomas Kroemer vom VLR betonten, dass der Verbund an Geschwindigkeit und Relevanz verliere, wenn Programm, Technologie und Vermarktung nicht konsequent zusammengedacht werden. Lokale Vielfalt brauche im aktuellen Wettbewerbsumfeld ein stabileres gemeinsames Fundament.

Ein konkreter Schwerpunkt der ersten Phase liegt auf der Zusammenlegung der Studio- und Sendetechnik sowie der digitalen Infrastruktur unter einer einheitlichen fachlichen Führung. Diese technischen Vereinheitlichungen sollen bis spätestens Ende 2027 vollständig umgesetzt sein. Parallel dazu wurden in Zusammenarbeit mit den Chefredakteuren bereits neue, gemeinsame Programm-Leitlinien entwickelt. Bis zum Sommer wollen die beteiligten Verbände und Gremien die Details der neuen Struktur, die personellen Zuständigkeiten und die künftigen Vergütungsmodelle weiter ausarbeiten. Der Reformprozess knüpft an die Strukturdebatte an, die bereits 2022 von der Landesanstalt für Medien NRW angestoßen wurde.

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