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Polen: DAB+ Konzessionen am laufenden Band

Der polnische Landesrat für Rundfunk und Fernsehen (KRRiT) hat in vier Wochen 16 neue DAB+-Konzessionen erteilt und 32 vorhandene Konzessionen erweitert. In den nächsten Wochen ist mit sechs weiteren Entscheidungen zu rechnen. Noch in diesem Jahr ist die Ausschreibung von DAB+-Multiplexen in sieben weiteren Städten geplant, dann könnte auch in Warschau ein zweiter kommerzieller Multiplex zur Ausschreibung kommen. Bei der ersten Ausschreibung in Warschau bewarben sich elf Kandidaten um einen Platz, Acht haben am 5. November eine Konzession erhalten, die restlichen rechnen mit einer Entscheidung während der nächsten Sitzungen des Gremiums.

Die kleine Großstadt Tarnów zwischen Krakau und der polnisch-ukrainischen Grenzen wird in die Geschichte der Hörfunkdigitalisierung in Polen eingehen, denn am 16. Oktober erteilte die KRRiT den drei neuen Hörfunkprogrammen „Bezpieczna Podróż” (Sichere Reise), „Open FM“ und dem lokalen Anbieter „Trendy Radio“ die ersten Konzession für DAB+, die in Polen jemals an kommerzielle Anbieter vergeben wurden. Die Konzession der katholischen Radiostation „Radio Profeto“ wurde um dieses Verbreitungsgebiet erweitert.

8 Tage später
Um zehn Konzessionen ging es bei der folgenden Sitzung am 24. Oktober, allerdings für die Städte Posen und Rzeszów. Die Anbieter „Bezpieczna Podróż”, „Open FM“ und „Radio Profeto“ haben sich um Plätze in allen ausgeschriebenen Multiplexen beworben. Allerdings bewerben sich die erste Beiden für eine getrennte Konzession in jedem Multiplex, damit sie das Programm auseinanderschalten und lokale Inhalte anbieten könne. „Radio Profeto“ wird in allen Multiplexen das gleiche Programm anbieten.

In allen Multiplexen – außer in Tarnów – möchte auch „muzo.fm” senden. Der Anbieter ist bereits in Poznań auf UKW 93,90 MHz zu empfangen, sowie in acht weiteren Städten vertreten und möchte seine Reichweite über DAB+ steigern.

In Posen zieht auch „Wasze Radio FM“ aus Wągrowiec in den Multiplex ein. Das Programm ist bereits auf vier Frequenzen zu empfangen. Die Hörer reisen zur Arbeit, den Behörden und Hochschulen in die Großstadt Posen, auf dem Weg dahin bricht der Empfang allerdings ab. Mit DAB+ will „Wasze Radio FM“ den Hörern eine Alternative zum Internetradio bieten, denn auch der Mobilfunkempfang bricht in Polen stellenweise ab.

Auch im Multiplex in Rzeszów wird es einen lokalen Hörfunkanbieter geben, der sein Verbreitungsgebiet außerhalb der Großstadt hat. Radio Leliwa erweitert sein Verbreitungsgebiet und erreicht so viermal so viele potentielle Hörer als am Funkhausstandort in Tarnobrzeg im Osten Polens.

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21 Konzessionen in einer Sitzung
Die Geschwindigkeit mit der die KRRiT Konzessionen für DAB+ erteilt ist rekordverdächtig und könnte höchstens durch den französischen Marktregulierer „Conseil supérieur de l’audiovisuel“ (CSA) getoppt werden. Am 5. November erteilte die KRRiT vier neue Konzessionen und erweiterte 17 Konzessionen um DAB+.

„Bezpieczna Podróż” und „Open FM“ haben eine einzelne Konzession für Tschenstochau und Warschau erhalten.

„Radio Profeto”, „Mega Radio”, „Disco Radio” und „Radio Nuta” dürfen ihr Verbreitungsgebiet um Tschenstochau, Posen und Warschau erweitern. „muzo.fm” hatte schon eine Genehmigung für Posen erhalten und wird jetzt auch in Tschenstochau und Warschau in DAB+ einziehen dürfen, wo es schon auf 102,0 MHz zu empfangen ist.

„EXPRESS FM” kommt aus Bielsko-Biała und sendet für Schlesien. Das Programm ist bereits im Rahmen einer technischen Versuchsausstrahlung in der Region über DAB+ zu empfangen und darf sein Verbreitungsgebiet bis nach Tschenstochau erweitern. Im Portfolio des Anbieters sind auch „Disco Radio“, „Mega Radio“ und „Radio Nuta“, die ebenfalls in Warschau und Posen einziehen dürfen.

In Tschenstochau dürfen in den Multiplex auch zwei religiöse Sender einziehen, die bereits auf UKW in der Stadt zu empfangen sind: das zum katholischen Orden der Pauliner gehörende „Radio Jasna Góra” und zur Erzdiözese Tschenstochau gehörende katholische Radio FIAT.

In Warschau hat der Lokalsender „KOLOR 103 FM“ eine Konzession für DAB+ erhalten.

13 Konzessionen nur zwei Tage später
Während seiner nächsten Sitzung zwei Tage später am 7. November erteilte der Rat 13 Konzessionen für die digitale Verbreitung der Hörfunkprogramme in Kattowitz und Thorn. In beiden Städten ziehen „Bezpieczna Podróż“, „Open FM“, „Radio Profeto“ und „muzo.fm“ in den Multiplex ein, in Kattowitz sind es zusätzlich „Mega Radio“, „Disco Radio“, „Radio Nuta“, „EXPRESS FM“ und das lokale Radio Imperium von Czesław Chlewicki, der als Kabelanschlussbetreiber mit der Firma Imperium Telecom in Gleiwitz (Schlesien) bereits den Fernsehsender TV Imperium in seinem Kabelnetz verbreitet. Sein Internetradio war während unserer Versuche es zu empfangen gerade offline.

DAB+ in weiteren Städten
Noch in diesem Jahr ist die Veröffentlichung von acht Ausschreibungen für weiterer DAB+-Multiplexe geplant. Diese würde es in Bydgoszcz, Kielce, Kraków (Krakau), Łowicz, Łódź, Radom, Opole (Oppeln) und Warszawa (Warschau) geben. Für das Jahr 2020 sind weitere zwei Ausschreibungen geplant.

Von der Konzession zum Sendebetrieb
Ing. Konrad Bródka, Leiter der Unterabteilung Rundfunkverbreitung in der Abteilung „Frequenzen“ der polnischen Behörde für elektronische Kommunikation UKE, dämpft die Vorfreude auf eine schnelle Erweiterung der Programmvielfalt in Polen. Noch sein kein einziger Antrag eines Netzbetreibers bei UKE bei eingegangen. Die Behörde vermerkt auf ihrer Homepage den Eingang jedes Antrags auf Frequenzzuteilung. In der öffentlichen Liste ist noch kein Antrag auf einen Frequenzblock für DAB+ vermerkt. Die Programmanbieter müssen sich auf einen Netzbetreiber einigen. Das ist die einfachste Variante, die sehr viel Zeit verkürzt, dann muss UKE nur eine Stellungnahme der KRRiT abgeben, was in der Regel nicht länger als zwei Wochen dauert. Der Antrag kehrt zurück zu KRRiT und diese erteilt dem Sendernetzbetreiber ihre Erlaubnis.

Kommt keine Einigung zustande, können mehreren Netzbetreiber einen Antrag stellen, dann wird es eine öffentliche Ausschreibung geben, die von UKE vorbereitet werden muss und für die Fristen einzuhalten sind, erklärte der Radiowoche Ing. Bródka.

Auf eine Anfrage von Polskie Radio zur Erweiterung des DAB+-Netzes des öffentlich-rechtlichen Radios nannten mehrere Netzbetreiber ihre Fristen, dabei rechneten sie vier Monaten für den Einkauf und Beschaffung von Sendern und Antennen und zwei Monate für den Aufbau. Diese Zeiträume gelten erst ab der Erteilung einer Konzession an einem Netzbetreiber, die bis heute noch kein einziger Netzbetreiber erhalten hat. Die ersten DAB+-Konzessionen wurden an Programmanbieter im südenosten Polens vergeben, wo das Gelände bergiger und die Winter strenger sind. Dort wird kein Techniker im Winter auf hohe Türme klettern, gibt Bródka zu bedenken. Bis die ersten kommerzielle Programme im DAB+-Regelbetrieb in Polen auf Sendung gehen werden, wird viel Wasser die Weichsel herunterfließen.

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