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Polen: DAB+-Konzessionen am laufenden Band

Der polnische Landesrat für Rundfunk und Fernsehen (KRRiT) hat in vier Wochen elf neue DAB+-Konzessionen erteilt und 24 vorhandene Konzessionen erweitert. In den nächsten Wochen ist mit 20 weiteren Entscheidungen zu rechnen. Noch in diesem Jahr ist die Ausschreibung von DAB+-Multiplexen in sieben weiteren Städten geplant, dann könnte auch in Warschau ein zweiter kommerzieller Multiplex zur Ausschreibung kommen. Bei der ersten Ausschreibung in Warschau bewarben sich elf Kandidaten um einen Platz, Acht haben am 5. November eine Konzession erhalten, die restlichen rechnen mit einer Entscheidung während der nächsten Sitzungen des Gremiums.

Tarnów macht den Anfang
Die kleine Großstadt Tarnów zwischen Krakau und der polnisch-ukrainischen Grenzen wird in die Geschichte der Hörfunkdigitalisierung in Polen eingehen, denn am 16. Oktober erteilte die KRRiT den drei neuen Hörfunkprogrammen „Bezpieczna Podróż” (Sichere Reise), „Open FM“ und dem lokalen Anbieter „Trendy Radio“ die ersten Konzession für DAB+, die in Polen jemals an kommerzielle Anbieter vergeben wurden. Die Konzession der katholischen Radiostation „Radio Profeto“ wurde um dieses Verbreitungsgebiet erweitert.

Konzessionen in Posen und Rzeszów vergeben
Um zehn Konzessionen ging es bei der folgenden Sitzung am 24. Oktober, allerdings für die Städte Poznań (Posen) und Rzeszów. Die Anbieter „Bezpieczna Podróż”, „Open FM“ und „Radio Profeto“ hatten sich um Plätze in allen ausgeschriebenen Multiplexen beworben. Allerdings bewarben sich die erste beiden für eine getrennte Konzession in jedem Multiplex, damit sie das Programm auseinanderschalten und lokale Inhalte anbieten können. „Radio Profeto“ wird in allen Multiplexen ein einheitliches Programm anbieten.
In allen Multiplexen – außer in Tarnów – möchte auch „muzo.fm” senden. Der Anbieter ist bereits in Poznań auf UKW 93,9 MHz zu empfangen sowie in acht weiteren Städten vertreten und möchte nun seine Reichweite mittels DAB+ steigern.

In Posen zieht auch „Wasze Radio FM“ aus Wągrowiec in den Multiplex ein. Das Programm ist dort bereits auf vier UKW-Frequenzen zu empfangen. Seine Hörer pendeln allerdings zur Arbeit in den Behörden und Hochschulen der  benachbarten Großstadt Poznań, auf dem Weg dorthin bricht der UKW-Empfang allerdings ab. Mit DAB+ will „Wasze Radio FM“ den Hörern eine Alternative zum Internetradio bieten, denn auch der Mobilfunkempfang in Polen ist oft lückenhaft.
Auch im Multiplex in Rzeszów wird es einen lokalen Hörfunkanbieter geben, der sein Verbreitungsgebiet außerhalb der Großstadt hat. Radio Leliwa erweitert sein Sendegebiet und erreicht so viermal so viele potentielle Hörer als am Funkhausstandort in Tarnobrzeg im Osten Polens.

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21 Konzessionen in einer Sitzung – DAB+ Muxe für Warschau und Tschenstochau
Die Geschwindigkeit mit der der KRRiT Konzessionen für DAB+ erteilt ist rekordverdächtig und könnte höchstens noch durch den französischen Marktregulierer „Conseil supérieur de l’audiovisuel“ (CSA) getoppt werden. Am 5. November erteilte der KRRiT vier neue Konzessionen und erweiterte 17 Konzessionen um DAB+.

„Bezpieczna Podróż” und „Open FM“ haben eine einzelne Konzession für Częstochowa (Tschenstochau) und Warszawa (Warschau) erhalten. „Radio Profeto”, „Mega Radio”, „Disco Radio” und „Radio Nuta” dürfen ihr Verbreitungsgebiet um Częstochowa, Poznań und Warszawa erweitern. „muzo.fm” hatte schon eine Genehmigung für Poznań erhalten und wird jetzt auch in Częstochowa und Warschau in DAB+ einziehen dürfen, wo es schon auf 102,0 MHz zu empfangen ist.

„EXPRESS FM” kommt aus Bielsko-Biała und sendet für Schlesien. Das Programm ist bereits im Rahmen einer technischen Versuchsausstrahlung in der Region über DAB+ zu empfangen und darf sein Verbreitungsgebiet bis nach Częstochowa erweitern. Im Portfolio des Anbieters sind auch „Disco Radio“, „Mega Radio“ und „Radio Nuta“, die ebenfalls in Warschau und Poznań einziehen dürfen.

In Częstochowa dürfen in den Multiplex auch zwei religiöse Sender einziehen, die bereits auf UKW in der Stadt zu empfangen sind: das zum katholischen Orden der Pauliner gehörende „Radio Jasna Góra” und das zur Erzdiözese Tschenstochau gehörende katholische Radio FIAT.

In Warschau hat der UKW-Lokalsender „KOLOR 103 FM“ eine Konzession für DAB+ erhalten.

Weiterer Ausbau geplant
Noch in diesem Jahr ist die Veröffentlichung von acht Ausschreibungen für weitere DAB+-Multiplexe geplant – in Bydgoszcz, Kielce, Kraków (Krakau), Łowicz, Łódź, Radom, Opole (Oppeln) und Warszawa (Warschau). Für das Jahr 2020 sind zwei weitere Ausschreibungen in Vorbereitung.

Der Weg von der Konzession bis zum Sendebetrieb
Die Vorfreude auf mehr Programmvielfalt im Polen dämpft Ing. Konrad Bródka, Leiter der Unterabteilung Rundfunkverbreitung in der Abteilung „Frequenzen“ der polnischen Behörde für elektronische Kommunikation UKE. Noch sei kein einziger Antrag eines Netzbetreibers bei der UKE eingegangen.

Die Behörde vermerkt auf ihrer Homepage den Eingang jedes Antrags auf Frequenzzuteilung. In der öffentlichen Liste ist allerdings noch kein Antrag auf einen Frequenzblock für DAB+ eingetragen. Die Programmanbieter müssen sich auf einen Netzbetreiber einigen. Das ist die einfachste Variante, die sehr viel Zeit spart, dann muss die UKE nur eine Stellungnahme beim KRRiT abgeben, was in der Regel nicht länger als zwei Wochen dauert. Der Antrag kehrt zurück zum KRRiT und dieser erteilt dem Sendernetzbetreiber die Erlaubnis.

Kommt keine Einigung zu Stande, können mehreren Netzbetreiber einen konkurrierenden Antrag stellen und es wird eine öffentliche Ausschreibung durchgeführt, die von UKE vorbereitet werden muss und für die Fristen einzuhalten sind, erklärte Bródka gegenüber der RadioWoche.

Auf eine Anfrage des öffentlich-rechtlichen Polskie Radio hin, nannten mehrere Netzbetreiber die Fristen, die sie für den Aufbau von DAB+ -Infrastruktur benötigen. Dabei rechneten diese mit vier Monaten Vorlauf für den Einkauf und die Beschaffung von Sendern und Antennen und weiteren zwei Monaten für den Aufbau. Diese Zeiträume gelten erst ab der Erteilung einer Konzession an einem Netzbetreiber, die bis heute noch kein einziger Netzbetreiber erhalten hat. Die ersten DAB+-Konzessionen wurden an Programmanbieter im Südosten Polens vergeben, wo das Gelände bergiger ist und die Winter strenger sind. Dort wird kein Techniker zu dieser Jahreszeit auf hohe Türme klettern, gibt Bródka zu bedenken. Bis die ersten kommerzielle Programme im DAB+-Regelbetrieb in Polen auf Sendung gehen werden, wird noch viel Wasser die Weichsel herunterfließen.

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