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Frankreich: Medienrat kündigt DAB+-Ausbau an

Frankreich will den Ausbau von DAB+ intensivieren, das kündigte der Medienrat CSA auf der WorldDAB-Konferenz in Paris an. Der sich immer wieder verzögernde Start der Muxe in Lille, Straßburg und Lyon soll ab dem kommenden Frühjahr beginnen. Als erstes wird das nordfranzösische Lille versorgt werden.

Zusätzlich sollen bis 2020 30 weitere Städte in den Genuss von DAB+ kommen. Der CSA will in der 1. Jahreshälfte 2018 und 2019 jeweils Ausschreibungen für 15 neue Sendegebiete eröffnen. Für Nantes und Rouen laufen bereits Verfahren. Die Metropolen Bordeaux und Toulouse stehen weit oben auf der Prioritätenliste für 2018. Damit drücken die Medienwächter ordentlich aufs Tempo, bisher gibt es DAB+ in Frankreich nur in Paris, Nizza und Marseille. Die dortigen Muxe sollen zudem 2018 reorganisiert werden.

Frankreich hat auch schon länger Kapazitäten für zwei landesweite Netze reserviert, diese kommen aber erst, wenn die großen Privatsendergruppen sich für DAB+ begeistern. Der Medienrat kündigt an, 2018 solle wieder über das Thema geredet und eine Konsultation durchgeführt werden. Eine Lösung ist aber eher nicht in Sicht – RTL, NRJ, Lagardère und NextRadioTV setzen weiterhin auf webbasierte Lösungen als Zukunftsmodell. Für sie ist DAB+ eine unnötige Brückentechnologie. Auch das öffentlich-rechtliche Radio France sendet bisher nicht über DAB+, auch wenn dessen Position zur Digitalradio-Frage seit einiger Zeit ambivalenter ist. So wird sich Radio France mit seinen Spartenradios, die dort jeweils nicht über UKW zu hören sind, an den geplanten Muxen in Lille, Straßburg und Lyon beteiligen. Größte Befürworter von DAB+ sind weiterhin die kleineren Privatradiogruppen, die in der neuen Technologie eine Chance sehen mit den großen Platzhirschen in Sachen technischer Reichweite auf Augenhöhe zu kommen. Diese wiederum fürchten eine weitere Fragmentierung der Werbeeinnahmen, wenn mehr Spartenradios und Mitbewerber an Relevanz gewinnen. Das gefährde die Rentabilität des Privatradios in Frankreich.

Dass 2018 endlich die drei Muxe in Lille, Lyon und Straßburg on air gehen, ist auch aus einem anderen Grund wichtig. Denn liegt die technische Reichweite von DAB+ bei 20 Prozent der französischen Bevölkerung, sind die Gerätehersteller verpflichtet neue Modelle DAB+ fähig zu machen.

Große Ankündigungen und Roadmaps gab es allerdings in den letzten Jahren viele, von daher bleibt abzuwarten, ob der Ausbau jetzt wirklich beschleunigt wird oder ob es zu weiteren Verzögerungen und Winkelzügen kommt.

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