Bremisch, mutig, crossmedial – RB-Jugendangebot Bremen NEXT ist gestartet

Mit Bremen NEXT hat seit gestern also auch die kleinste ARD-Anstalt ihr eigenes junges Programmangebot und versucht damit die unter 25-Jährigen anzusprechen, die Bremen Vier schon länger nicht mehr erreichen konnte. Bereits seit 2010 gibt es „Bremen Vier Next“ als Webchannel, aus dem jetzt ein eigenständiges und vollwertiges Programm für alle zwischen 15 und 25 wird.

Um 14 Uhr startete das Radioprogramm auf der Bremer UKW-Frequenz 95,6 MHz. Bremen NEXT versteht sich als regionales Programm und will die Bremer Jugendkultur in all ihren Facetten abbilden. „Die Redaktion zeigt die besten Ecken, aber auch die größten Probleme der Region“, so Helge Haas, Leiter des Bereichs Junge Angebote bei Radio Bremen. „Vom Party machen in der Stadt bis zum politischen Weltgeschehen – bei Bremen NEXT gehen Spaß und Sinnsuche Hand in Hand“, sagt Felicia Reinstädt, Redaktionsleiterin Bremen NEXT: „Ziel ist es, die User zu unterhalten, zu informieren und für sie verlässliche Orientierungsangebote zu schaffen und das alles auf Augenhöhe.“ Dabei ist Bremen NEXT als crossmediales Angebot konzipiert, das die Zielgruppe auf unterschiedlichen Wegen erreichen wird. Das Team wird bewusst Videoinhalte auf YouTube, Snapchat, Facebook und Instagram platzieren. „Ziel ist es auf die Smartphones zu kommen“, erklärt Radio Bremen-Programmdirektor Jan Weyrauch. Also dorthin, wo der größte Teil der Zielgruppe Inhalte bevorzugt konsumiert. „Das Team von Bremen NEXT entwickelt alle Inhalte so, dass sie in sozialen Medien funktionieren, aber auch im Radio, wo die visuelle Komponente zwangsweise wegfallen muss“, führt Weyrauch aus. Mit diesen neuen redaktionellen und technischen Arbeits- und Denkweisen sieht er Bremen NEXT auch als Vorreiter für andere Programme.

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Der Sendestart im neuen Studio – Moderatorin June und die NEXT-Crew, Bild: Radio Bremen/Pascal Mühlhausen

Bitches, Hater, der derbste Hurensohn…die Sprache on air und im Auftritt von Bremen NEXT ist definitiv jung.“Wir reden anders, aber wir verstellen uns nicht“, erklärt Felicia Reinstädt, die 34-jährige Redaktionsleiterin von Bremen NEXT, den Ansatz. Man wisse, dass die Ausdrucksweise für Erwachsene provokativ wirken könne, kommentiert Programmdirektor Jan Weyrauch.

Radio Bremen wird mit Bremen NEXT eine Lücke in seinem Programmangebot schließen. Das einstige Jugendradio Bremen Vier, mit einem aktuellen Altersschnitt um die 40 ausgestattet, ist über die Jahre mit seinen Hörern mitgealtert. Bei Radio Bremen stand man also vor der zentralen Frage, Bremen Vier verjüngen oder ein neues zusätzliches Angebot aufbauen? Ein solcher radikaler Umbau der erfolgreichen Marke Bremen Vier wäre mit einigen Risiken behaftet gewesen: „Wir müssten Bremen Vier, so wie es jetzt ist, einstellen und komplett neu aufbauen“, erläutert Programmdirektor Jan Weyrauch. Am Ende des Prozesses wären die Hörer zwischen 30 und 50 Jahren ohne Heimat im Radio Bremen-Programmangebot gewesen. Also fiel die Entscheidung Bremen Vier erwachsen werden zu lassen und für den Neustart von Bremen NEXT.

Felicia Reinstädt, Programmleiterin Bremen NEXT

Felicia Reinstädt, Programmleiterin Bremen NEXT, Bild: Radio Bremen/Pascal Mühlhausen

Warum das notorisch klamme Radio Bremen gerade jetzt diesen Schritt geht, verdeutlicht RB-Intendant Jan Metzger: „Wir wollen uns das leisten, und wir müssen uns das leisten können.“ Ohne ein Angebot für junge Hörer, würde Radio Bremen „mit der Zeit aussterben und ins Museum gehören“. Der neue ARD-Finanzausgleich hilft Radio Bremen dabei und verschafft der Sendeanstalt wieder mehr Spielräume, man sei aber nicht „über Nacht reich geworden“, so Metzger weiter. Doch der neue ARD-Finanzausgleich hat die Einnahmen von Radio Bremen in den letzten Jahren immerhin um gut 10 Prozent verbessert. Damit konnte der Sender die allgemeinen Kostensteigerungen bei Gehältern, Honoraren und Sachkosten abfangen. Radio Bremen schichtet für das neue Angebot nun Mittel intern um und investiert rund eine Million Euro ins Programm. Eine vergleichsweise überschaubare Summe.

Zu Anfang wird Bremen Next unter der Woche morgens (6-10 Uhr) und nachmittags (14-18 Uhr) sowie am Wochenende zwischen 10 und 14 Uhr moderierte Sendungen im Programm haben. Abends zwischen 20 und 22 Uhr kommen von Mittwoch bis Samstag Musiksendungen hinzu – Hip Hop, Urban, Elektro oder Drum’n’Bass mit lokalen MCs, DJs und Rappern. Auf YouTube sollen eigenproduzierte Videoreportagen veröffentlicht werden.

Das bunt zusammengewürfelte Team ist so jung wie seine Zielgruppe – man wolle kein Programm für junge Leute, sondern mit jungen Leuten machen. Rund ein Drittel der 14-25-Jährigen in Bremen haben einen Migrationshintergrund, Team und Programm sollen das abbilden. Bremen NEXT solle bewusst kein Programm nur „für weiße protestantische Gymnasiasten“ werden, so Intendant Metzger.

Bremen NEXT wird dabei auch die Funktion eines Experimentierfelds für Radio Bremen haben – einen „Bolzplatz“ nennt es Intendant Metzger. Bei aller Hervorhebung von Authentizität, Mut, Frische und neuem Denken, will man professionelle Inhalte abliefern.“Wir machen kein Studentenradio“, betont Redaktionsleiterin Felicia Reinstädt. Verwackelte Kamerabilder werde es nicht geben.

Besonders die private Konkurrenz könnte interessieren, dass es im Programm von Bremen NEXT Werbung gibt.

Das RB-Jugendangebot ist natürlich von Beginn an auch per App verfügbar. Neben der UKW-Verbreitung bleibt das Jugendradio auch im Bremer Digitalradio-Mux weiterhin vertreten.

Bild: Radio Bremen, Pascal Mühlhausen

Pit moderierte gemeinsam mit Kollegin June die erste Sendung, Bildrechte: Radio Bremen/Pascal Mühlhausen

 

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