Antenne Pulheim 97.2 auf Sendung gegangen

Antenne Pulheim ist heute, dem 2. März 2017, um 12 Uhr auf Sendung gegangen. Gehört werden kann das kleine Lokalradio auf 97,2 MHz. In den letzten Wochen wurde bereits eifrig auf der Frequenz getestet. Erreicht werden rund 18.600 Einwohner in dem Städtchen vor den Toren Kölns. Die Antenne im Walzwerk in der Rommerskirchener Straße strahlt das Programm mit 20 Watt Sendeleistung in der Pulheimer Innenstadt aus. In den Vororten ist der neue Sender bedingt zu hören, zum Sendestart wurde auch ein Livestream im Internet auf www.antennepulheim.de freigeschaltet. Die Sendeanlage wurde komplett eigenständig installiert.

Hinter Antenne Pulheim 97.2 steckt die Central FM Media GmbH. Die Gesellschafter Jan Lüghausen und Moritz Grosse sind beide gebürtige Pulheimer und bringen umfangreiche Radioerfahrung ein. Sie haben den neuen Sender geplant und finanziert. Eine UKW-Frequenz konnten die beiden Radiomacher zuvor bereits im Saarland ergattern. Unter dem Namen 106.1 Radio Saarschleifenland sendet seit April 2016 in der Region Merzig, Mettlach und Losheim ein lokales Hörfunkprogramm. „Es dauerte in Pulheim fast ein Jahrzehnt von der Idee bis zur Umsetzung“ erläutert der technische Leiter Moritz Grosse.

Hits der 70er, 80er, 90er und von heute plus rheinische Musik
Das Sendestudio entsteht derzeit im Brauweiler Gewerbegebiet in der Donatusstraße. Zielgruppe für den neuen Sender sind Hörerinnen und Hörer ab 25 Jahren, die in Pulheim leben oder arbeiten. Antenne Pulheim 97.2 spielt Hits der 70er, 80er und 90er sowie aktuelle Charts. Außerdem wird als Besonderheit immer mal wieder ein rheinischer Musiktitel „von hier“ laufen. Neben viel Musik werden Stadtnachrichten, Wetterinfos, Veranstaltungstipps, Interviews und Berichte aus Pulheim und der Region ausgestrahlt. Informationen und Serviceberichte sind die Grundlage der Sendelizenz für das neue Programmangebot. Als Stationvoice wird Sportjournalist Ulli Potofski eingesetzt. Jan Lüghausen und Ludwig Schieffer sind die Nachrichtenredakteure vor Ort und die Moderatoren Ralf Hohn, Metin Gemril, Sarah Peitz, Jörg Schroeder, Michael Daub, Alex Groß und Manuel Zeh gestalten das Tagesprogramm im Wechsel. Finanziert wird Antenne Pulheim nur über Werbung und Sponsoring.

„Wir befinden uns im Jahr 2017 nach Christus. Das UKW-Rundfunkband von Nordrhein-Westfalen ist überwiegend vom WDR und den NRW-Lokalradios belegt…Ganz Nordrhein-Westfalen? Nein! Eine von unbeugsamen Rheinländern bevölkerte Mittelstadt am Randkanal hört nicht auf, den einstrahlenden Sendern Abwechslung zu bieten…die spinnen, die Pulheimer!“

Es war ein wahrlich langer Weg bis zur Lizenzerteilung in Pulheim.  Von 1996 bis 2009 gab es mit Radio Central, Radio RTC und Central FM mehrfach im Jahr zeitlich begrenzten Veranstaltungsrundfunk zum Stadtfest, Barbaramarkt und weiteren Großveranstaltungen. Zuerst sendeten die Radiomacher auf der Frequenz 92,0 MHz, die dann 2008 für eine dauerhafte Nutzung ausgeschrieben wurde. Sie ging 2009 allerdings nicht an Central FM, sondern an das domradio. Das Radioprogramm der Kölner Erzdiözese ist bis heute auf der Frequenz in Pulheim zu hören.

Die Central FM Media GmbH bemüht sich seit 2008 um eine dauerhafte UKW-Frequenz in Pulheim. Im November 2009 testeten die Central FM Media GmbH und die Bundesnetzagentur erstmals die UKW-Frequenz 97,2 MHz mit 20 Watt Strahlungsleistung, die ab diesem Zeitpunkt für die Veranstaltungsfunkstrecken zum Einsatz kam. Diese Frequenz geht auf eine Bedarfsmeldung des Unternehmens aus dem Juni 2009 zurück, nachdem Central FM bei der vorangegangenen Ausschreibung gegen das domradio unterlegen war. Im Juli 2014 hat die Central FM Media GmbH schließlich als erster privater Hörfunkveranstalter in NRW eine medienrechtliche Zulassung als sublokales Spartenprogramm erhalten. Anfang 2016 wurde die 97,2 MHz ausgeschrieben und im September 2016 an Antenne Pulheim 97,2 vergeben. Die Central FM Media GmbH war der einzige Bewerber.

Die Lizenzerteilung 2014 war durchaus eine Überraschung. Handelte es sich doch um eine bis dato nicht genutzte Möglichkeit, welche die Medienregularien in NRW allerdings grundsätzlich eröffnen. „Wir schreiben ein Stück Rundfunkgeschichte, denn ein sublokales Radio hat es in unserem Bundesland noch nicht gegeben“ sagt Programmleiter Jan Lüghausen.

Jan Lüghausen, Antenne Pulheim 97.2

Der NRW-Sonderweg
Das ganz spezielle NRW-Privatfunkmodell sieht eigentlich keine kommerziellen Programmen außerhalb der NRW-Lokalradios vor. Diese Lokalradios beziehen alle ein gemeinsames Mantelprogramm aus Oberhausen. Sie arbeiten nach dem sogenannten Zwei-Säulen-Modell. Das komplizierte Konstrukt funktioniert wie folgt: Die Veranstaltergemeinschaft (VG) ist ein eingetragener, nichtkommerzieller Verein. In ihm sind „alle maßgeblichen gesellschaftlichen Gruppen am Ort“ mit je einem Sitz vertreten sind. Also Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Kirchen oder Sozial- und Sportverbände. Vergleichbar den Aufsichtsgremium der öffentlich-rechtlichen Sender oder den Versammlungen von Landesmedienanstalten. Die VG hält die Lizenz für das Lokalradio und ist verantwortlich für das Programm, deshalb ist sich auch der Arbeitgeber der Redakteurinnen und Redakteure. Die Betriebsgesellschaft (BG) bildet die zweite Säule. Sie muss sich um die Finanzierung des Programms kümmern – durch Einlagen der Gesellschafter und Werbeerlöse. Hinter ihr stehen die örtlichen Zeitungsverleger, also die Verlage, die im Sendegebiet mit Tageszeitungen aktiv sind. Sie halten zusammen in der Regel 75 Prozent. Die restlichen 25 Prozent liegen bei den Kommunen. Die Lokalsender genießen also in ihren jeweiligen Sendegebieten eine Monopolstellung im Bereich des kommerziellen Rundfunks und auch Vorrang bei der Frequenzvergabe. Ausnahmen gab es bisher nur für die landesweite Kette, die an Metropol FM vergeben wurde, aber bis heute noch nicht sendet und das katholische domradio mit seinen Frequenzen in Köln und eben Pulheim.

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