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Was der Hörfunk von webbasierten Kleinstsendern lernen könnte – und was nicht

Radiosendungen und Podcasts von zuhause werden immer beliebter. Viele dahinterstehenden Gründe können auch professionellen Radiomachern als Inspiration dienen – allerdings auch als abschreckendes Beispiel. stock.adobe.com © Jacob Lund

Kommerzieller Hörfunk und private kleine Webradios – zwei Welten, zwischen denen eine nicht minder große Diskrepanz besteht als zwischen großen Nachrichtenmagazinen und kleinen Bloggern. Doch ebenso wie bei diesen Seiten der Nachrichtenlandschaft gibt es auch in der Radiowelt eine weitere vergleichbare Tatsache: Die kleinen und kleinsten Radiosender werden bei den Zuhörern immer beliebter. Die Gründe dafür sind vielfältig und es gibt darunter einiges, wovon sich die großen Sender inspirieren lassen können; allerdings auch Dinge, die besser vermieden werden sollten.

1. Hörfunk vs. Privates Webradio: Eine Sache der Definition
Wo endet regulärer (privatwirtschaftlicher) Hörfunk, wo beginnt privat betriebenes Webradio? Keine einfach zu beantwortende Frage, denn auch die kleinen privaten Anbieter nutzen häufig diverse Möglichkeiten zur Monetarisierung. Die echten Unterschiede bestehen in drei konkreten Punkten.

Erst- und Zweitverwerter
Der wichtigste Unterscheidungspunkt, um zwischen regulärem (kommerziellem) Hörfunk und privatem Webradio unterscheiden zu können, ist die Art der jeweiligen Verwertung:

  • Erstverwerter sind „echte“ Internetsender. Bei ihnen ist das Web der primäre und meist einzige Weg, über den Musik und andere Inhalte offeriert werden. Es gibt in aller Regel keinerlei weitere Verwertungswege. Wenn überhaupt, dann nur in Form von Content Syndication – primär mit dem Verkauf eigener Inhalte; teils aber auch auf dem umgekehrten Weg durch Ankauf.
  • Zweitverwerter sind reguläre Hörfunksender, die ihren Content „auch“ im Internet übertragen. Dies stellt allerdings nur ein zweites und mit höchstens gleicher Stringenz verfolgtes Standbein dar. Der Fokus liegt auf klassischem Broadcasting über Analogfunk bzw. DAB+.

Das bedeutet: Private Kleinstsendersind in jedem Fall Erstverwerter. Was hier gesendet wird, wird ausschließlich ins Internet eingespeist und hat keinen direkten Kontakt zum Rundfunk. 

Der konkrete monetäre Fokus
Die Erstverwertung ist zwar ein wichtiges Merkmal, aber auch innerhalb dieser Gruppe gibt es noch Unterschiede. Es geht vornehmlich um Geld. Konkret: Ein privater Kleinstsender im Internet arbeitet vornehmlich zum Vergnügen seiner Betreiber und seiner Zuhörer. Das heißt, das Projekt wird meist nicht mit einem Fokus auf Umsatz betrieben. Wenn überhaupt haben zurückfließende Gelder nur sehr geringen Stellenwert. Hier gibt es bereits besondere Richtlinien der GEMA, die für eine Webradio-Lizenz gelten:

  • Der Sender ist auf höchstens 100 Kanälen vertreten.
  • Die monatlichen Nettoeinnahmen überschreiten nicht die Summe von 430 Euro.
  • Pro Tag gibt es höchstens 796 unique User.
  • Diese Zuhörer haben keine Möglichkeit, den gesendeten Content zu personalisieren.

Das heißt, beim privaten Webradio nach korrekter Definition dienen die Einnahmen nur dazu, die Betriebskosten abzufedern. Sie reichen in aller Regel nicht aus, um aus dem Sender ein gewinnorientiertes Projekt zu machen. Tatsächlich muss es nicht einmal irgendwelche Einnahmen geben.

Kleine Webradios wurden vor allem deshalb so erfolgreich, weil so viele Menschen per Smartphone den Sendern in jeder Situation zuhören können. (stock.adobe.com © Syda Productions)
Kleine Webradios wurden vor allem deshalb so erfolgreich, weil so viele Menschen per Smartphone den Sendern in jeder Situation zuhören können. (stock.adobe.com © Syda Productions)

Die Personalstruktur
Ein profitorientierter Sender ist typischerweise auch ein mehr oder weniger bedeutender Arbeitgeber. Es gibt nicht nur den DJ, sondern auch Techniker, Redakteure, Programmdirektoren und anderes Personal. Sie alle arbeiten überdies für ein Gehalt.

Beim privaten Webradio hingegen ist die Personaldecke typischerweise ungleich dünner. Oft wird sogar die gesamte Station mit allen Arbeitsbereichen von einer Person allein betrieben. Sofern es Helfer gibt, basiert deren Arbeit weitestgehend auf Freiwilligkeit, ggf. nur ergänzt um eine Unkostenerstattung. Häufiger ist jedoch, dass es sich dabei um reine Spaßprojekte handelt, bei der die Teilnahme bzw. Arbeit ein Freizeitvergnügen darstellt.

2. Webradio: Was sich zum Nachmachen anbietet
Drei Freunde bauen sich im Keller ein kleines Studio, um im Internet Radio zu machen – vielleicht, weil das bestehende Angebot nicht ihrem Geschmack entspricht. Eine typische Motivation für den Start eines privaten Kleinstradiosenders. Darin finden sich auch bereits wichtige Grundlagen, die als Inspiration taugen.

Das KISS-Prinzip in technischer Hinsicht
Zugegeben, große Radiostationen müssen schon deshalb eine umfangreiche Technik besitzen, weil sie eine Notwendigkeit haben, die Funkwellensignale über eine möglichst große Distanz auszusenden. Ganz abgesehen davon, dass die weitere Technik dazu dient, einen unterbrechungs- und reibungslosen Programmablauf mit maximal hoher Klangqualität zu gewährleisten.

Dennoch eignet sich das KISS-Prinzip (sinngemäß: keep it simple and stupid) der kleinen Web-Stationen durchaus als Vorbild. Es beginnt bei der Art der Geldbeschaffung: Für die privaten Radiomacher genügt in der Regel eine überschaubare Investition, um die notwendige Technik anzuschaffen. Für viele technische Geräte stehen heute zudem günstige Finanzierungsmodelle zur Auswahl. Gerade bei kleinen Beträgen steht bei einem Onlinekredit die notwendige Summe in sehr kurzer Zeit zur Verfügung. Ein geringer vierstelliger Betrag genügt meist, um die minimal nötige Technik anzuschaffen:

  • Zwei Computer
  • Streaming-Software
  • Mikrofone
  • Mischpult

Dazu noch ein Server, um die Seite zu hosten oder alternativ die Anbindung über ein fertiges Streaming-Portal und der Sender steht.

Hier ist vor allem eine Tatsache die Inspiration: Es muss nicht immer die hochwertigste Ausstattung sein. Gerade weil für Privatanwender zugeschnittene Technik heute derart leistungsfähig geworden ist, gibt es für die Zuhörer oft keinerlei merkliche Qualitätseinbußen; wohl aber zahlt der Sender deutlich weniger. Auch mit einfacherer Technik lässt sich grundsolides, hochwertig klingendes Radio machen.

Kleinstsender können sich Themen und Musiksparten widmen, die extrem spezifisch sind. Das macht sie für viele Hörer besonders interessant. (stock.adobe.com © Семен Саливанчук)

Der starke thematische Fokus
Egal wie spezifisch die Ausrichtung eines regulären Senders auch ist, sie muss eine gewisse Diversität beibehalten. Anders beim Webradio.

Hier, wo es weit weniger um Geld geht, kann ein Sender sogar bis an ein monothematisches Maximum getrieben werden – nur Musik der „New Wave of British Heavy Metal“; ausschließlich Proto-Techno des „Sound of Frankfurt“, kompletter Fokus auf „Surf Music“ der frühen 1960er. Es gibt keine Grenze, wie spezifisch der Content im Internetradio sein darf.

Lässt sich dies nachmachen? Ja, durchaus – zumindest bei der Zweitverwertung im Internet. Hier können ähnlich spitz fokussierte Sendungen aufgebaut werden. Sie sind vielleicht nicht so interessant für die normalen Werbekunden; wohl aber können durch die Fokussierung ganz andere Zielgruppen akquiriert werden, für die das normale Programm zu unspezifisch wäre. Viele Sender gehen längst diesen Weg; etwa die Antenne Niedersachsen mit ihrem „Schützenfest Hits“ Webradio.

Das Programm dicht am Hörer
Die Zuhörerschaft duzen, das ist im klassischen Radio längst Usus. Der Grund dafür ist der Wunsch, dass sich der Hörer auf Augenhöhe mit dem Sender fühlt, was wiederum die Bindung erhöht. Doch auch wenn viele Sender darüber hinaus noch Möglichkeiten bieten, die Musikauswahl durch Abstimmungen oder ähnliches zu personalisieren, so haben die Kleinstsender hier doch noch ganz andere Möglichkeiten.

Sie können weite Teile des Programms durch die Zuhörer bestimmen lassen, persönlich und regelmäßig mit einzelnen Personen interagieren, sie sogar mitmachen lassen. Tatsächlich findet sich in diesem Punkt sogar einer der wichtigsten Gründe, warum dieses Radioformat seit einigen Jahren so stark an Bedeutung gewonnen hat:

Die gesamte Ausgestaltung des Internets hat dazu geführt, dass Privatmenschen es immer mehr gewohnt sind, auch mit großen Unternehmen auf Augenhöhe sprechen können.

Bei den klassischen Nachrichtenmedien führte dies unter anderem über die Kommentarfunktion streckenweise sogar dazu, dass aus dem ehemals linearen Kontakt ein Kreis wurde – Leser wurden immer stärker selbst zu „Autoren“, wurden zu unabhängigen Proto-Journalisten. Und dass viele große Nachrichtenportale längst bekannten Bloggern eigenen Raum geschaffen haben, ist ebenfalls eine Ausprägung dieses Grundgedankens.

Kann das Radio hier etwas lernen? Absolut. Abermals vor allem für die Zweitverwertung im Netz: Dort herrschen alle Möglichkeiten, ebenfalls den linearen Kontakt zum Kreis zu machen. Radio zum echten Mitmachen. Zuhörer als Programmdirektoren, als Co‑Moderatoren, als Mitgestalter – tiefgreifend; nicht nur über Umfragen und klickbare Abstimmungen. 

Die örtliche Schulband live? Eine nur von Stadtratsmitgliedern zusammengestellte Playlist? Eine große Stärke von Kleinstsendern ist es, dass sie mit solchen Aktionen sehr regional und somit emotional sein können. (stock.adobe.com © cherryandbees)

Der oft emotional-regionale Charakter
Privates Webradio kennt in der Regel weder Werbekunden noch Marketing. Eine der wenigen Möglichkeiten, sich einen Zuhörerstamm aufzubauen, ist deshalb ein Charakter, der stark regional geprägt ist. Denn für viele Menschen, eben auch Zuhörer, ist ihre unmittelbare Wohnregion der wichtigste Fokuspunkt ihres Lebens – Kiez und Dorf sind den meisten auch in Sachen Interesse wesentlich näher als die gesamte Stadt, Landkreis, Bundesland oder noch größere Räume.

Die Folge: Viele Kleinstsender haben einen sehr treuen Zuhörerkern, der sich nicht nur sprichwörtlich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet – und der beim normalen Radio kaum so persönlich angesprochen wird.  

Auch das bietet eine Vorlage: Stärker regional ausgerichtete Programme; gegebenenfalls sogar über vielfältigere, dafür mit geringerer Reichweite versehene Stationen. Der kleinteilige Aufbau des SWR mit seinen regionalen Studios und vor allem den Regionalbüros ist ein gutes Beispiel dafür. Auch hier bietet das Internet die größten Möglichkeiten, jedem Hörer ein sehr gezielt regionales Programm anzubieten; mitunter sogar unter Einbeziehung von Musikern, die nur lokal bekannt sind und vielleicht sogar mit Moderatoren, die regionalen Dialekt sprechen.

Die Fähigkeit, miteinander, statt gegeneinander zu arbeiten
Würde ein normaler Radiosender in seinem Programm auch nur erwähnen, dass es andere Sender gibt, geschweige denn diese namentlich nennen? Ausgeschlossen, dabei handelt es sich ja um Konkurrenten.

Kleinstsender sind in dieser Hinsicht ungleich „entspannter“. Co-Produktionen, Co-Moderationen, namentliche Erwähnungen sind dort Regel statt Ausnahme.

Das bedeutet zwar nicht, dass große Stationen ebenso verfahren sollten – aber sie können durchaus einen Mittelweg finden. Etwa gemeinsame Aktionen, beispielsweise Spendensammlungen.

Blogger tun es, Vlogger tun es und Influencer tun es. Kein Wunder, dass auch private Radiomacher gerne miteinander arbeiten, um sich gegenseitig zu supporten. (stock.adobe.com © WavebreakMediaMicro)

Die hohe Flexibilität
„Was spielen wir als nächstes?“ Es dürfte zwischen den beiden Radioformaten keine größere Diskrepanz geben als die Beantwortung dieser Frage:

  • Kleinstsender sind im höchsten Maß spontan. In der Regel erfolgt die Programmplanung sehr kurzfristig, oft sogar tagesspezifisch. Fast immer entscheidet nur der Betreiber, ggf. in Zusammenarbeit mit den Zuhörern, was gesendet wird. Abweichungen sind jederzeit möglich.
  • Normale Radiosender erstellen ihre Programme und deren Inhalte Wochen und Monate im Voraus. Innerhalb der Programme erfolgt die Musikauswahl meistens vollautomatisiert, wobei es in der Rotation oft nur eine niedrige dreistellige Anzahl von Stücken gibt – speziell in Adult-Contemporary- sowie davon abgewandelten Formaten.

Dabei muss klar sein, dass schon die vorzuplanenden Blöcke für die Werbung hier keine zu große Spontaneität zulassen. Allerdings gäbe es durchaus die Möglichkeit, das Programm um einzelne Sendungen zu ergänzen, die zumindest in Sachen Rotation breiter gefasst sind; wo also Stücke zu hören sind, die im normalen Programm nicht vorkommen. Ein Beispiel dafür ist die Reihe „Konzertkracher XXL“ des jüngst 20 gewordenen Senders ROCKLAND. Im Rahmen dieses Programms werden wöchentlich Live-Mitschnitte von Konzerten einzelner Künstler gesendet.

3. Webradio: Welche Schwächen vermieden werden sollten
Das kleine, private Webradio hat definitiv seine Stärken, die als Inspiration und Vorbild für die „Großen“ dienen können. Allerdings bedeutet das nicht, dass Kleinstsender in jeglicher Hinsicht das „bessere“ Radio machen würden. Tatsächlich gibt es genug, was professionelle Stationen besser vermeiden sollten.

Die vielfache Einseitigkeit
Im professionellen, privaten Hörfunk sorgen die Veranstaltergemeinschaften sowie die Landesmedienanstalten dafür, dass die gesendeten Inhalte ausgewogen sind und dass journalistische Mindeststandards eingehalten werden.

Kleinstsender hingegen unterliegen kaum einer Kontrolle. Die Grenzen des Sagbaren werden nur durch die landesüblichen Gesetze definiert. Das führt dazu, dass es bei manchen Vertretern im hohen Maß einseitige Ansichten gibt. Teils werden darüber sogar regelrechte Fake News verbreitet – und je nachdem, worüber das Programm gestreamt wird, gibt es auch keine Plattform als übergeordnete Instanz, die über ihre AGBs Einhalt gebieten könnte – wie beispielsweise YouTube regelmäßig fragwürdige Inhalte markiert oder gänzlich löscht.

Ohne Kontrollinstanzen ist es für Kleinstsender ein Leichtes, einseitig zu sein oder sogar ungestraft Falschmeldungen zu verbreiten – gerade heute ein großes Problem. (stock.adobe.com © easyclickshop)

Das häufig unreflektierte Übernehmen
Aus dem gleichen Grund und verstärkt durch den oftmals engen Kontakt zwischen einzelnen Sendern bzw. deren Machern können derartige Einseitigkeiten durchaus über mehrere Stationen verbreitet werden. Die Macher übernehmen Aussagen, leiten sie ungeprüft im eigenen Programm an die Zuhörer weiter.

So können trotz der geringen Zuhörerreichweite Multiplikationseffekte entstehen. Ähnlich wie es im Internet auch bei einigen Bloggern zu beobachten ist.

Doch es gibt auch noch eine zweite, weniger kritische Form des unreflektierten Übernehmens: Wo es sich um ein reines Privatvergnügen handelt, ist es ein Leichtes, einen Kleinstsender 1:1 zu kopieren, ihm somit seine Einzigartigkeit und mitunter sogar Zuhörer zu rauben.

Die teils unprofessionelle Attitüde
Zugegeben, ein großer Sender zu sein, schützt nicht davor, dass Pannen passieren. Dennoch kommen hier deutlich seltener unschöne Probleme vor. Umgekehrt bei Kleinstsendern. Dafür ist nicht einmal so sehr die Technik der Grund, sondern eher, dass die Macher meist keinen professionellen Hörfunk-Background besitzen oder kein Konzept verfolgen, um ihren Sender professionell wirken zu lassen:

  • keine festgelegten Start- und Endpunkte von Programmen
  • Verzögerungen, Überziehen und dergleichen
  • kein hörfunkgerechtes Sprechen, oft in Verbindung mit zahlreichen Versprechern, Husten und anderen Geräuschen
  • keine Pläne für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes passiert
  • Störungen im Sendebetrieb zwischen klingelndem Handy des Moderators bis zum in die Sendung hineinplatzenden „Gast“

Dies nur als eine kleine Liste von Beispielen. Immer sorgen sie dafür, dass Kleinstradio auf den Zuhörer auch nur wie Kleinstradio wirkt – amateurhaft oder gar unprofessionell. Das kann für einen gewissen Charme sorgen. Häufiger sorgt es jedoch für Ablehnung.

Das Anderssein um des Andersseins Willen
Die Möglichkeiten, im Internet eigenes Radio zu machen, sind schier grenzenlos. Der wichtigste Grund dafür, warum dieses Format in den vergangenen Jahren einen global so großen Zuspruch erfahren hat und immer weiterwächst.

Allerdings hat reines Webradio ein großes Problem: die globale Natur. Was in einem Kellerstudio irgendwo im ländlichen Sauerland produziert wird, kann im Nachbarhaus ebenso empfangen werden wie in einem Vorort von Shanghai. Das führt dazu, dass sämtliche Kleinstradiomacher in (theoretischer) Konkurrenz zueinanderstehen.

Dadurch, dass es immer mehr werden, fühlen sich auch immer mehr Macher in Zugzwang gebracht, sich von dieser Konkurrenz abzuheben – oft ignorierend, dass es zwar theoretisch noch andere Sender gibt, die ein gleiches Programmkonzept verfolgen, dass aber praktisch keine echte Konkurrenzsituation besteht. Beispielsweise, weil die Stationen in anderen Regionen, Ländern oder gar Kontinenten residieren.

Dieser angenommene Zugzwang wird noch verschärft dadurch, dass hier meist keinerlei Zielgruppenanalyse erfolgt. So sorgt er dafür, dass viele kleine Radiomacher glauben, sie müssten sich von ihren „Konkurrenten“ abheben; ganz gleich wie. Das führt zu einem oft konfusen Vorgehen, zum Verzetteln in Nischen innerhalb von Nischen. Das reduziert immer stärker den potenziellen Zuhörerkreis und schreckt auch Stammhörer ab. Nicht selten schalten bestenfalls noch eine Handvoll Zuhörer ein – oder auch gar keine.

Wenn man statt „80s Metal“ nur noch „südamerikanischen Unplugged-Death-Thrash-Metal“ spielt: Viele kleine Radiomacher wähnen sich in Konkurrenz mit der ganzen Welt und werden deshalb zu spezifisch. (stock.adobe.com © Andrey Kiselev)

Das Konkurrenzgebaren untereinander
Im Kleinstradio hingegen kann es durchaus passieren, dass sich Moderatoren negativ über andere Sender äußern. Der Grund dafür ist, dass sie vielfach die einzigen Macher sind. Kein Vorgesetzter, keine andere Kontrolle.

Teilweise führt das zu Situationen, die ebenfalls aus dem Blogger-Metier unrühmlich bekannt sind: Regelrechte „Schlammschlachten“, die miteinander geführt und in den laufenden Sendungen ausgetragen werden. Anfangs wirkt dies auf manche Zuhörer noch interessant; irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem die Macher ihren Kleinstsender nur noch als Sprachrohr für diese Streits nutzen, worüber das eigentliche Konzept in den Hintergrund tritt.

Fazit
Sehr viele klassische Radiosender üben sich heute auch in einer Zweiverwertung ihres Contents über das Netz. Dennoch gibt es hier nach wie vor eine breite Lücke zu jenen rein netzbasierten Klein- und Kleinstsendern, die oftmals von nicht mehr betrieben werden als wenigen Personen und viel Leidenschaft. Natürlich sind solche Sender nicht perfekt, bloß weil sie klein und persönlich wirken. Aber ihre Stärken sind unzweifelhaft vorhanden und können mit Kreativität und Geschick auch von großen Stationen angepasst und genutzt werden.

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