eifel.radio schaltet UKW-Sender in Prüm auf: Cloud-Automation und Blackout-Resilienz im Praxistest

Die Milling Broadcast Services GmbH hat das UKW-Sendernetz für das Regionalprogramm eifel.radio weiter ausgebaut. Seit Mittwoch, 7. Oktober 2026, ist das Programm im Stadtgebiet von Prüm über die Frequenz 91,9 MHz zu empfangen. Nach den bisherigen Aufschaltungen am Nürburgring (87,7 MHz mit 50 W ERP) und in Daun (92,2 MHz mit 200 W ERP) markiert Prüm mit einer Strahlungsleistung von 50 W ERP den dritten terrestrischen Standort des Programms. Das Antennensystem wurde auf einem Mast der Eifelstolz Grundbesitz GmbH an der Prümer Stadtwaldsiedlung errichtet.

Hinter der Aufschaltung steht ein bis Ende Dezember 2029 befristeter Rundfunkversuch der Medienanstalt Rheinland-Pfalz mit dem Titel „Alternative technische Ansätze zur kosteneffizienten Produktion und Verbreitung von Hörfunkprogrammen“. Gegenstand der Erprobung in den Landkreisen Bitburg-Prüm, Vulkaneifel und Ahrweiler ist ein dezentral organisiertes Funkhausmodell. Sendeablauf, Werbe- und Musikdisposition laufen softwarebasiert auf einem Cloud-Server, an den auch die UKW-Sendeanlagen unmittelbar gekoppelt sind. Mobile Audio-Arbeitsplätze ermöglichen gleichzeitige Zugriffe standortunabhängiger Teams. Über diese Infrastruktur sollen sich die regulären Betriebskosten eines Senders um bis zu 75 Prozent reduzieren lassen, um Lokalradio in strukturschwachen Regionen wirtschaftlich tragfähig zu machen.

Im laufenden Betrieb setzt das Team um Geschäftsführer Christian Milling auf eine klare Trennung zwischen Automatisierung und redaktioneller Eigenleistung. Standardformate wie Wetter-, Verkehrs- und Gefahrendurchsagen werden vollautomatisiert über Text-to-Speech-Module generiert und vertont, während Musikredaktion, journalistische Recherche, Berichterstattung und lokale Präsenz vollständig von Redakteuren verantwortet werden.

Ein Schwerpunkt des Standorts Prüm liegt zudem auf der Krisen- und Ausfallsicherheit. Mit einer Erweiterung der Versuchsgenehmigung durch die Landesmedienanstalt werden dort ab 2027 Verfahren zur autarken Energieversorgung der Sendeanlage mittels Solarstrom sowie redundante, netzunabhängige Signalzuführungen erprobt. Das Betreiberteam greift dabei auf Erfahrungen aus dem Katastropheneinsatz des damaligen Ahrtalradios nach der Flut 2021 zurück. Die Erkenntnisse des Prümer Versuchsbetriebs sollen später auch auf digitale Übertragungswege wie DAB+ übertragen werden können.

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