
Nach jahrelanger Testphase steht der digitale Radiostandard DAB+ in der Slowakei vor dem endgültigen Durchbruch. Wie die dortige Regulierungsbehörde bestätigt, gibt es erstmals konkretes Interesse von Betreibern an den ersten regulären Sendenetzen. Damit könnte der jahrelange Stillstand auf dem slowakischen Radiomarkt schon bald enden und völlig neue Kapazitäten für Hörfunkveranstalter schaffen.
Bislang ist die Situation im Nachbarland für Programmanbieter extrem angespannt. Der UKW-Frequenzbereich gilt als komplett überfüllt, neue Plätze gibt es praktisch nicht mehr. Selbst etablierte Sender kämpfen mit Versorgungslücken, da Frequenzen regional oft fehlen. Zwar betreibt der Sendernetzbetreiber Towercom seit Jahren ein DAB+-Testnetz, das rund drei Viertel der Bevölkerung erreicht, doch fehlende Rechtssicherheit und begrenzte Verträge verhinderten bisher verlässliche Geschäftsmodelle für Radioanbieter.
Nun hat die Behörde nach intensiven Verhandlungen mit den Nachbarstaaten zwei flächendeckende DAB+-Multiplexe international koordiniert und betriebsbereit gemacht. Insgesamt stehen damit acht Multiplexe mit Kapazitäten für über 100 Radioprogramme theoretisch zur Verfügung. Für die beiden bundesweiten Netze sind jeweils rund 30 Senderstandorte mit Sendeleistungen von bis zu 20 Kilowatt vorgesehen. Ziel der Regulierung ist eine Netzabdeckung von 90 bis 95 Prozent der Bevölkerung, wobei der Fokus besonders auf der Versorgung der Hauptverkehrswege liegt.
Die Vergabe der Frequenzen soll nicht über klassische Aktionen mit Höchstpreisen laufen. Geplant ist ein sogenannter Beauty Contest. Bei diesem Auswahlverfahren erhalten diejenigen Bewerber den Zuschlag, die das schlüssigste Konzept für den Netz-Aufbau, den Zeitplan und faire Bedingungen für die Radioveranstalter vorlegen. Die behördlichen Konsultationen starten im Laufe des Sommers. Läuft alles nach Plan, könnten die ersten Lizenzen bereits am Jahreswechsel vergeben werden, womit der kommerzielle Regelbetrieb von DAB+ in der Slowakei in greifbare Nähe rückt.