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Digitalradio in Frankreich – eine Zwischenbilanz

Am 20. Juni 2014 startete das Digitalradio offiziell in Paris, Marseille und Nizza. Nicht mit von der Partie sind der öffentlich-rechtliche Rundfunk Radio France, der keine Fördermittel für eine Beteiligung erhielt. Auch die vier großen französischen Privatradiogruppen RTL, NRJ, Lagardère und NextradioTV lehnen das Digitalradio grundweg ab. Wie ist der Stand der Dinge rund vier Monate später?

DAB+ setzt sich durch
In den drei Städten des Startszenarios senden mittlerweile insgesamt 99 Programme. In Paris sind 46 Programme zu hören, davon 42 im Übertragungsstandard DAB+ und vier in T-DMB. Frankreich hatte es den Anbietern offen gelassen, welchen Standard sie nutzen wollen. Es zeigt sich, dass das in Deutschland eingesetzte DAB+ Verfahren von den meisten Sendern bevorzugt wird.

Das erste der ingesamt sieben lizenzierten Pariser Multiplexe ist mit seinen neun Programmen immer noch nicht on air gegangen. Im Mux 1 sollten eigentlich Jazz Radio, MFM, Radio Nova, Ouï FM, Radio FG, Radio Notre-Dame, Skyrock, Sud Radio + und TSF Jazz senden. Die Anbieter konnten sich nicht auf den Aufbau eines gemeinsamen Sendernetzbetreibers für den Mux verständigen, seitdem ist nichts Neues zu hören.

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Bild: Novapress

Novapress und Skyrock warten ab
Radio Nova hat seine Digitalradiopläne wegen fehlender Planungssicherheit über einen weiteren Netzausbau erst einmal auf Eis gelegt. Die Programme Radio Nova und TSF sind auch in Marseille und Nizza nicht auf Sendung gegangen, wo es keine Probleme gibt. Das gilt auch für das geplante dritte Programm “Paname”, das im Pariser Mux 6 senden sollte. Unabhängig davon sucht die Gesellschaft hinter Radio Nova und dem Jazzsender TSF schon länger einen Investor, der bei der Sendergruppe einsteigen will. In französischen Medien war sogar spekuliert worden, die Stationen ständen komplett zum Verkauf. Auch der Privatsender Skyrock hat sich vom Digitalradio zurückgezogen und sendet sein Jugendradio vorerst nicht über DAB+.

Libéradio vor Sendestart

Bild: Libération

Bild: Libération

Als Nachzügler startete am 20. Oktober Radio Mandarin d’Europe im Mux 4. Ein nicht-kommerzielles Radio, das von 6 bis 15 Uhr auf Französisch und den restlichen Tag auf Mandarin-Chinesisch senden will.

Angekündigt ist der Start von Libéradio im Mux 7. Es handelt sich um ein Projekt der bekannten linksliberalen Tageszeitung Libération. Seit dem Sommer produziert sie in Kooperation mit dem Webanbieter Goom Radio ein 20-minütiges Newsbulletin und eine Audio-Version der Tageszeitung. Libéradio wird den eigentlich für “Positive Radio” von Goom Radio vorgesehenen Sendeplatz übernehmen. Der Medienrat CSA hat dem Wechsel bereits zugestimmt, ein genauer Starttermin ist aber noch nicht bekannt. Goom Radio hält zwei weitere Lizenzen für das Hauptprogramm und den Channel “Just Hits”, die ebenfalls noch nicht auf Sendung gegangen sind.

Bild: Zebradio

Bild: Zebradio

O’n’R, das im Pariser Mux 7 sendet, hat sich in Zebradio umbenannt. Man fährt ein unmoderiertes Relax-Musikformat. Onde Numérique, der Betreiber von Zebradio, verfolgt eigentlich ein größes Ziel. Man plant schon länger den Aufbau eines Payradios über Satellit mit unterstützenden terrestrischen Repeatern im L-Band. Es ist ein Programmbouquet mit 50 werbefreien Programmen vorgesehen.

Im Marseille sind 31, in Nizza 22 Programme aufgeschaltet worden. Aber auch in den beiden südfranzösischen Städten schweigen jeweils zwei Multiplexe komplett, da sich die lizenzierten Sender nicht über den Sendernetzbetrieb einig werden konnten.

Bild: SIRTI

Bild: SIRTI

Die Vertretungen der kleineren Privatradios (SIRTI), der freien Radios (SNRL) und WorldDMB haben unterdessen die “Alliance pour la RNT” (Allianz für das Digitalradio) ins Leben gerufen, um ihre Interessen besser vertreten zu können. Sie fordern von der Politik, dass das Digitalradio auch in anderen französischen Städten wie Lille, Strasbourg, Nantes oder Lyon an den Start gehen kann und ein klarer Ausbauplan vorgelegt wird.

Momentan sind keine konkreten Schritte in eine solche Richtung erkennbar.

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