
Die ARD stellt ihre Schlager-Strategie im Hörfunk grundlegend um und zieht damit die Konsequenzen aus dem Reformstaatsvertrag. Während die bisherigen terrestrischen Digitalwellen BR Schlager, NDR Schlager und MDR Schlagerwelt auf DAB+ im Zuge des Einsparauftrags spätestens zum 1. Januar 2027 eingestellt werden, bündeln die Landesrundfunkanstalten ihre Kräfte künftig im Netz. Unter der Federführung des Mitteldeutschen Rundfunks soll auf der Audioplattform ARD Sounds eine zentrale digitale Marke aufgebaut werden, zu der ein eigener linearer Webchannel gehört. Ein entsprechendes Telemedienkonzept für den 24-Stunden-Stream, der unter dem Arbeitstitel „ARD Schlagerwelt“ läuft, befindet sich derzeit im Verfahren zum Dreistufentest.
Für Radiomacher bietet die technische und redaktionelle Abwicklung des geplanten Webchannels spannende Einblicke in moderne, ressourcenschonende Produktionsabläufe. Der 24-Stunden-Stream wird weitgehend automatisiert betrieben und setzt auf vorproduzierte Moderationen mit Live-Anmutung. Den Löwenanteil der Tagesstrecke übernimmt der MDR aus dem Landesfunkhaus Thüringen. Von Montag bis Freitag werden zwischen 6.00 und 18.00 Uhr moderierte Strecken gefahren, die ausschließlich deutschsprachige Schlager spielen. An den Wochenenden bringt sich der NDR mit einer eigenen Tagesstrecke ein. Für die Abend- und Nachtstunden sowie für Teile des Wochenendes setzt die ARD auf Synergien und übernimmt direkt das Programm sowie die Nachrichten von hr4.
Inhaltlich soll das Vorhaben mehr sein als eine reine Musik-Playlist. Der MDR veranschlagt für die Musikprogrammierung, Redaktion und Vorproduktion wöchentlich 3,5 Schichten von freien Mitarbeitenden sowie eine halbe Stelle für die Koordination im Funkhaus. Neben stündlichen Nachrichten der ARD-Infowellen sind redaktionelle Zulieferungen aus den beteiligten Sendegebieten vorgesehen, um dem Stream ein öffentlich-rechtliches Profil mit regionalem Einschlag zu verleihen. Spezialsendungen wie die ARD-Schlagerhitparade vom BR oder Nachwuchs-Specials sollen nach der linearen Ausstrahlung zudem als Sendeschleifen und Themen-Loops in der App bereitstehen.
Die finanzielle Kalkulation für das Vorhaben beläuft sich ab dem Jahr 2027 auf rund 909.000 Euro jährlich. Darin enthalten sind sämtliche Personal-, Programm- und Verbreitungskosten der Kooperationspartner MDR, NDR und BR. Durch die Verlegung des Genres ins Internet und die Einbindung in ARD Sounds wollen die Anstalten die treue Zielgruppe der bisherigen DAB+-Sender halten und gleichzeitig neue Hörerschichten im Stream erschließen. Das Telemedienkonzept muss nach der Ermittlung der publizistischen Wettbewerbssituation durch die zuständigen Gremien bestätigt werden, bevor der Webchannel wie geplant an den Start gehen kann.