
Die bayerische Radiolandschaft trauert um eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Gerhard Prokscha, der Macher hinter dem Hofer Sender extra-radio, ist verstorben. Mit ihm verliert die Branche einen Pionier, der wie kaum ein anderer für die Vielfalt im privaten Rundfunk gekämpft und dabei Rechtsgeschichte geschrieben hat. Sein Wirken strahlte weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus und sicherte die Existenzgrundlage für unabhängige Stimmen im dualen Rundfunksystem.

Der Name Gerhard Prokscha ist untrennbar mit dem juristischen Triumph von extra-radio verbunden. Als der Sender im Jahr 1987 den Betrieb aufnahm, ahnte niemand, dass er zum Schauplatz einer verfassungsrechtlichen Grundsatzentscheidung werden würde. In den frühen 1990er-Jahren wehrte sich Prokscha gegen die Pläne der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, die den Sender zur Aufgabe seiner Eigenständigkeit und zur Eingliederung in ein Konkurrenzmodell zwingen wollte. Der langjährige Rechtsstreit gipfelte in einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts unter dem Vorsitz des späteren Bundespräsidenten Roman Herzog. Das Urteil in Karlsruhe rettete extra-radio vor dem erzwungenen Aus und wurde von Beobachtern mit dem berühmten Satz kommentiert, dass das Grundgesetz eben auch im Freistaat Bayern gelte.
Trotz der harten medienrechtlichen Auseinandersetzungen und Phasen, in denen der Sender ohne reguläre Lizenz, aber mit höchstrichterlicher Unterstützung betrieben wurde, blieb Prokscha seiner Linie treu. Er bewies, dass ein lokaler Anbieter durch journalistische Qualität und Beharrlichkeit selbst gegen den Widerstand der Aufsichtsbehörden bestehen kann. Dabei lag ihm die regionale Identität stets besonders am Herzen. Projekte wie die Wahl zum Oberfränkischen Wort des Jahres oder die Initiierung des Weltschafkopftages zeugten von seiner tiefen Verwurzelung in der Heimat. Für dieses Engagement wurde extra-radio im Jahr 2025 mit dem Bayerischen Heimatpreis ausgezeichnet.
Die Nachricht von seinem Tod fällt in eine Zeit, in der das Kapitel extra-radio durch ein laufendes Insolvenzverfahren und die Einstellung des Sendebetriebs vor einem Abschluss steht. Dennoch bleibt die Lebensleistung von Gerhard Prokscha ein Mahnmal für die Bedeutung von Meinungsvielfalt und unternehmerischem Mut im Radio.