
In der tschechischen Hauptstadt ist ein harter Konkurrenzkampf um eine der letzten starken UKW-Frequenzen entbrannt. Gleich fünf Radioprojekte bewerben sich um die 99,3 Megahertz, die vom Prager Petřín-Hügel abgestrahlt wird und jahrzehntelang von Radio France International genutzt wurde.
Für Radiomacher im Nachbarland ist dies eine außergewöhnliche Gelegenheit. Das terrestrische UKW-Band in Tschechien gilt als komplett gesättigt. Wenn überhaupt neue Sender in Betrieb gehen, handelt es sich fast ausschließlich um leistungsschwache Füllsender mit wenigen hundert Watt. Die freie Frequenz bietet hingegen eine signifikante Abdeckung der Hauptstadt. Entsprechend hoch ist das Interesse der Senderfamilien, wie die tschechische Medienanstalt RRTV nun bestätigte.
Unter den Bewerbern finden sich sowohl etablierte Programme als auch völlig neue Konzepte. Die Gruppe Radio United Broadcasting schickt beispielsweise das Format Radio Praha News ins Rennen. Der Sender plant eine enge Verzahnung und redaktionelle Synergien mit dem Nachrichtensender CNN Prima News. Die Londa-Gruppe, die unter anderem das landesweite Rádio Impuls betreibt, hat sich nicht nur mit ihrem Ableger Český Impuls beworben, sondern auch mit dem neuen Format Pražská romantika.
Ein spannender Fall für die Branchentrends ist die Bewerbung von EDU Rádio. Der Sender mit Bildungsfokus ist erst vor wenigen Monaten als reines Digitalradio gestartet und landesweit über DAB Plus empfangbar. Nun versucht das Spartenradio, entgegen dem üblichen Trend, aus dem digitalen Raum in das klassische analoge UKW-Band zu expandieren. Komplettiert wird das Feld der kommerziellen Bewerber durch das bereits früher angemeldete Hitrádio 90.
Die Entscheidung der Medienanstalt dürfte äußerst komplex werden, da neben den privaten Akteuren auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk Český rozhlas Ansprüche anmeldet. Der öffentlich-rechtliche Sender möchte die leistungsstarke Frequenz für sein städtisches Programm Rádio Praha nutzen, da dessen aktuelle Frequenz nicht das gesamte Stadtgebiet zufriedenstellend abdeckt.
Branchenbeobachter rechnen aufgrund des enormen Interesses bereits jetzt mit langwierigen Rechtsstreitigkeiten der unterlegenen Bewerber. Die Situation in Prag wirft zudem ein interessantes Licht auf die unterschiedliche Handhabung von Analogfrequenzen in Europa. Während im benachbarten Deutschland freigewordene UKW-Kapazitäten oft nicht mehr neu ausgeschrieben werden, um die Migration zu DAB Plus zu fördern, bleibt eine prominente UKW-Frequenz in Tschechien trotz parallel laufender Digitalisierung ein äußerst begehrtes und hart umkämpftes Gut.