Radio France strukturiert UKW-Netz um: Sparkurs und digitale Verbreitungswege forcieren Wandel

In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2026 setzt Radio France eine weitreichende Umstrukturierung seiner UKW-Frequenzen um. Der französische öffentlich-rechtliche Rundfunk reagiert mit diesem Schritt auf veränderte Nutzungsgewohnheiten und strikte wirtschaftliche Vorgaben. Für die Radiobranche zeigt das Vorhaben eine deutliche strategische Verlagerung: Musikwellen wandern verstärkt in den digitalen Raum, während die UKW-Abdeckung für nachrichtengetriebene Programme und den Katastrophenschutz ausgebaut wird.

Einsparungen durch Abbau des historischen UKW-Netzes

Hintergrund der Maßnahme ist das beschlossene Budget für 2026, das Radio France zu weiteren Einsparungen in Höhe von 4,1 Millionen Euro zwingt. Durch die Reduzierung des historischen UKW-Netzes um 12 Prozent will die Sendeanstalt nun jährlich 3,9 Millionen Euro einsparen. Diese Verkleinerung der analogen Verbreitung wird durch den fortschreitenden Ausbau von DAB+ legitimiert, das in Frankreich mittlerweile mehr als 80 Prozent der Bevölkerung erreicht.

Jugendradio Mouv‘ wird rein digital

Die Änderungen betreffen vor allem die Musikprogramme, da in Frankreich inzwischen mehr als die Hälfte der Musiknutzung über digitale Kanäle stattfindet. Wie bereits im Vorjahr angekündigt, wird das Jugendradio Mouv‘ künftig als rein digitales Angebot positioniert. Das Programm ist dann ausschließlich via IP über Websites, Apps und Smart Speaker verfügbar. Durch diesen Schritt gibt Radio France 31 UKW-Frequenzen auf.

Die Klassikwelle France Musique wechselt in ein hybrides Verbreitungsmodell aus UKW, DAB+ und IP. Durch die Kombination von UKW und DAB+ wird weiterhin eine terrestrische Reichweite von 87 Prozent der Bevölkerung sichergestellt. Bei der dritten Musikwelle Fip, die ohnehin nur über ein sehr begrenztes Netz von zehn UKW-Frequenzen verfügt, ändert sich an der analogen Verbreitung nichts. Hier liegt der Fokus auf dem weiteren Ausbau des Webradio-Angebots.

Informationssender profitieren von Frequenz-Umverteilung

Während die UKW-Verbreitung für Musik abnimmt, nutzt Radio France freiwerdende Frequenzen, um die Reichweite seiner Informations- und Lokalprogramme zu stärken. Die UKW-Abdeckung des Nachrichtenkanals franceinfo steigt ab dem 22. Juli von 80 auf 93 Prozent. Das Regionalnetzwerk ICI erreicht künftig 90 Prozent der Bevölkerung.

Radio France begründet diese Priorisierung mit der zentralen Rolle der UKW-Verbreitung in Krisensituationen. Bei extremen Wetterereignissen oder großflächigen Stromausfällen bleibe das analoge Radio oft der einzige verlässliche Weg, um die Bevölkerung mit lebenswichtigen Informationen und Sicherheitsanweisungen zu versorgen. Eine flächendeckende UKW-Versorgung der Informationsprogramme sei daher unerlässlich.

DAB+ Ausbau und Hörerbindung

Die DAB+ Technologie dient Radio France nicht nur als Ersatz für abgeschaltete UKW-Frequenzen, sondern auch zur Schaffung neuer Angebote. Der Sender plant, den Engpass auf UKW zu umgehen und ein neues lineares Kinderradio unter dem Namen Mon Petit France Inter über DAB+ zu starten. Familien soll so ein bildschirmfreies und sicheres Audioangebot zur Verfügung gestellt werden. Die Umsetzung hängt derzeit noch von laufenden Verhandlungen ab.

Um die Hörerschaft bei dieser technologischen Umstellung nicht zu verlieren, hat Radio France eine umfangreiche Begleitkampagne gestartet. Auf der Website des Senders können Nutzer über eine spezielle Suchmaschine ihren Standort eingeben und prüfen, welche Empfangswege ihnen zur Verfügung stehen. Zudem wurde eine telefonische Hotline eingerichtet, die Hörern bei technischen Fragen zum Empfangswechsel beratend zur Seite steht.

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