
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ordnet sein Klassikangebot umfassend neu. Im Zuge des aktuellen Reformstaatsvertrags wird die eigenständige DAB+-Verbreitung von MDR Klassik im Oktober 2026 beendet. Die Frequenz übernimmt BR Klassik, während die redaktionellen Inhalte des MDR verstärkt ins Digitale und zu MDR Kultur wandern.
Reaktionen auf den Reformstaatsvertrag
Hintergrund der Umstrukturierung ist der seit dem 1. Dezember 2025 geltende Reformstaatsvertrag. Dieser verpflichtet die ARD-Anstalten, ihre Radiowellen bis zum Jahr 2027 auf maximal 53 Programme zu begrenzen. Auch der MDR muss in diesem Rahmen seine Hörfunkangebote reduzieren. Der Sender nutzt diese strikte Vorgabe nun, um sein Klassikportfolio an veränderte Radionutzungsgewohnheiten anzupassen.
Der Fokus verschiebt sich dabei strategisch von der linearen Verbreitung als eigene Welle hin zu digitalen Ausspielwegen. Klassische Musikformate sollen künftig vermehrt über Streams, Podcasts sowie auf den gemeinschaftlichen Plattformen wie ARD Sounds und der ARD Mediathek stattfinden, um die Reichweite in diesem Segment weiter auszubauen.
Frequenzwechsel und Format-Integration
Konkret bedeutet dies für die Distributionswege einen Stichtag: Ab dem 12. Oktober 2026 wird MDR Klassik nicht mehr über DAB+ ausgestrahlt. Auf dem dann frei werdenden Sendeplatz wird stattdessen das Programm von BR Klassik aufgeschaltet.
Die redaktionellen Inhalte der Klassikredaktion des MDR sollen jedoch erhalten bleiben und breiter gestreut werden. Die regionale Berichterstattung über die Musiklandschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird künftig als wesentlicher Bestandteil bei MDR Kultur gebündelt. Bekannte Formate wie Konzertübertragungen aus dem Gewandhaus Leipzig, das Orgelmagazin oder die Podcastreihe „Bach-Kanal mit Michael Maul und Bernhard Schrammek“ bleiben bestehen und finden dort neue programmliche Umfelder.
Gleichzeitig partizipieren die mitteldeutschen Formate an der ausgeweiteten ARD-Kooperation: Ausgewählte und kuratierte Inhalte des MDR werden künftig in das Programm von BR Klassik integriert und erreichen so über die Frequenz ein bundesweites Klassik-Publikum.
Kulturauftrag unter neuen Rahmenbedingungen
Trotz der Einstellung der eigenständigen Welle auf DAB+ betont der Sender, dass die redaktionelle Expertise im Haus erhalten bleibe.
„Mit der strategischen Weiterentwicklung seiner Klassikangebote stärkt der MDR die digitale Verfügbarkeit, baut Kooperationen innerhalb der ARD aus und sichert zugleich die Präsenz der mitteldeutschen Kulturlandschaft“, ordnet Annette Josef, Hauptabteilungsleiterin MDR Klassik, den Schritt ein.
Die Neuausrichtung sei laut Josef kein Rückzug vom Kulturauftrag, sondern eine notwendige Weiterentwicklung unter den veränderten medienpolitischen Bedingungen. Durch eine stärkere digitale Präsenz erhofft man sich zudem, neue Zielgruppen an klassische Musik heranzuführen. Für die Kulturveranstalter und Akteure in der Region Mitteldeutschland soll der MDR damit in der Berichterstattung auch weiterhin ein präsenter Partner bleiben.