
Der Westdeutsche Rundfunk setzt bei seinem Kinderradio künftig verstärkt auf Live-Inhalte und treibt gleichzeitig die digitale Transformation des Angebots voran. Pünktlich zum Schulstart in Nordrhein-Westfalen am 2. September 2026 führt das MausRadio eine neue, tägliche Live-Morgenstrecke ein. Die zweistündige Frühsendung wird werktags von 6 bis 8 Uhr ausgestrahlt und soll Familien beim Aufstehen und auf dem Schulweg begleiten. Neben festen Ritualen und Unterhaltungselementen bilden kindgerecht aufbereitete Nachrichten einen Schwerpunkt des neuen Formats. WDR-Intendantin Katrin Vernau betont in diesem Zusammenhang den Auftrag, ein verlässliches und werbefreies Orientierungsangebot im Alltag von Grundschulkindern zu schaffen. Der WDR-Rundfunkrat hat der dafür notwendigen Änderung des Programmschemas bereits zugestimmt.
Die programmliche Expansion im Tagesprogramm ist Teil einer langfristigen Strategie, die auch eine deutliche Veränderung der Verbreitungswege vorsieht. Für das Jahr 2027 plant das Kölner Funkhaus bereits eine zusätzliche Live-Strecke am Nachmittag, bei der der interaktive Austausch mit der Zielgruppe im Fokus stehen soll. Parallel dazu bereitet der Sender den Abschied von der terrestrischen Verbreitung vor. Ab Anfang 2027 will der WDR das MausRadio ausschließlich als reines Online-Angebot über die ARD Audiothek, die MausApp und die eigene Website verbreiten. Die bisherige Ausstrahlung via DAB+ würde damit eingestellt. Voraussetzung für diesen reinen Digital-Schritt ist allerdings noch die formelle Genehmigung des WDR-Rundfunkrates, der das Vorhaben derzeit im Rahmen eines Dreistufentests prüft.
Aus Sicht des Sendermanagements und der Media-Analyse greift die Neuausrichtung eine bestehende Dynamik im Nutzerverhalten auf. Seit Anfang dieses Jahres ist der Livestream direkt in die hauseigene App integriert. Laut den Daten der aktuellen ma ipAudio konnte das Angebot seine Reichweite im ersten Quartal 2026 mehr als verdreifachen und steigerte die Abrufe von knapp 222.000 im Vorquartal auf rund 728.000. Der geplante Schwenk zum reinen Online-Radio spiegelt damit eine Entwicklung wider, bei der die Zielgruppe die terrestrischen Frequenzen bereits weitgehend verlassen hat.