
Sprachgesteuerte Endgeräte sind für Radiomacher Fluch und Segen zugleich. Einerseits bieten sie enorme Reichweitenchancen, andererseits entziehen sie den Sendern die Kontrolle über Daten und Einnahmen. Eine neue Studie der Goldmedia GmbH im Auftrag der Medienanstalten beleuchtet nun die potenziell gravierenden Folgen für den Audiomarkt und die Medienvielfalt.
Fast 30 Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen inzwischen einen Smart Speaker, und mehr als 20 Millionen Menschen nutzten diese Geräte im Jahr 2025 regelmäßig. Besonders häufig wird über die intelligenten Lautsprecher ganz klassisches Radio gehört. Sprachassistenten gehören damit zu den wichtigsten Zugangswegen für Audioinhalte überhaupt. Trotz dieser starken Nutzung können die Sender jedoch kaum wirtschaftlich davon profitieren. Die großen Smart-Speaker-Anbieter kontrollieren nicht nur, ob und wie ein Sender gefunden wird, sondern sichern sich auch die maßgeblichen Teile der Wertschöpfungskette.
Die Zahlen der Untersuchung belegen ein enormes Ungleichgewicht. Radiosender steuern mit ihren Programmen rund 21 Prozent zum Umsatz der jeweiligen Plattformen bei. Im Gegenzug fließen aber lediglich drei Prozent der Umsätze an die Sender zurück. Eine Worst-Case-Prognose der Studie ist alarmierend: Wenn die Marktdominanz der großen Big-Tech-Anbieter weiter wächst, könnte den Radioanbietern bis zum Jahr 2030 ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe entstehen.
Ein zentrales Problem ist die Hoheit über die Hörerdaten. Bislang werten die Plattformen sämtliche Nutzungsdaten vor allem für ihre eigenen Zwecke aus. Eva-Maria Sommer, Direktorin der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, fordert hier dringend fairere Wettbewerbsbedingungen. Radiosendern müssten die Nutzerdaten, die im direkten Zusammenhang mit ihren Inhalten erhoben werden, zwingend zur Verfügung gestellt werden. Nur so bestehe die Möglichkeit für die Sender, die generierte Reichweite durch Werbung zu refinanzieren und damit die wichtige Basis für lokale journalistische Strukturen langfristig zu sichern.
Neben der reinen Monetarisierung entscheidet zunehmend die von KI und Algorithmen gesteuerte Auffindbarkeit über die Zukunft der Programme. Wenn Hörer per Sprachbefehl beispielsweise nach Rockmusik verlangen, bestimmen allein die globalen Digitalkonzerne wie Amazon, Google oder Apple, ob der lokale Rocksender startet oder eine plattformeigene Playlist. Diese Assistenzsysteme können so zu einer echten Bedrohung für die etablierte Radiolandschaft werden.
Um zu verhindern, dass der deutsche Audiomarkt von internationalen Konzernen monopolisiert wird, zeigt die Studie konkrete Handlungsoptionen auf. So könnten Inhalte mit gesellschaftlichem Mehrwert künftig verpflichtend algorithmisch bevorzugt ausgespielt werden. Eine solche privilegierte Auffindbarkeit, insbesondere für lokale und regionale Radiosender, sichert den Zugang der Hörer zu in Deutschland produzierten Audioinhalten. Damit diese Vorgaben zur Auffindbarkeit künftig auch effektiv durchgesetzt werden können, müssen nun die entsprechenden Verfahrenshindernisse zügig abgebaut werden.