
Ein markantes Wahrzeichen der europäischen Rundfunkgeschichte verschwindet in absehbarer Zeit aus dem Landschaftsbild. Die RTL-Muttergesellschaft CLT-UFA plant, die drei Sendemasten der ehemaligen Sendeanlage Junglinster in Luxemburg noch in diesem Herbst endgültig zurückzubauen. Das Ende der imposanten Anlage markiert für viele Radiomacher und Technikinteressierte einen spürbaren Einschnitt in der Historie der klassischen Langwellenübertragung.
Die drei 215 Meter hohen Stahlmasten auf dem Lënsterbierg prägen seit dem Jahr 1932 die Region oberhalb der örtlichen Gemeindeverwaltung. In ihrer Anfangszeit galt die Anlage als der stärkste Langwellensender Europas und spielte eine zentrale Rolle in der Entwicklung des internationalen Rundfunks. Bis 1974 befand sich der Sender im Dauerbetrieb, danach fungierte er über Jahrzehnte als wichtige Reserve, bevor er im Jahr 2023 endgültig vom Netz genommen wurde. Bereits vor gut einem Jahr hatte RTL mitgeteilt, dass die Sendetürme nicht mehr benötigt werden und ein kompletter Abbau angestrebt wird.
Für den nun geplanten Rückbau gibt es zwar noch keinen exakten Termin, ein Unternehmenssprecher bestätigte jedoch kürzlich gegenüber der luxemburgischen Presse, dass die Arbeiten aus rechtlichen Gründen frühestens Anfang Oktober beginnen können. Derzeit stehen zudem noch einige letzte behördliche Genehmigungen aus. Da die gigantischen Konstruktionen nicht unter Denkmalschutz stehen, hat die Gemeinde Junglinster dem Vorhaben weitgehend zugestimmt. Geplant ist ein zweigleisiges Verfahren: Der obere Teil der Masten soll durch eine gezielte Sprengung zu Fall gebracht werden, während der untere Bereich, der mit schwerem Gerät gut erreichbar ist, auf klassische Weise maschinell abgerissen wird.
Neben der fehlenden funktechnischen Nutzung dürften auch handfeste Sicherheitsaspekte eine Rolle bei der endgültigen Entscheidung gespielt haben. Im April 2025 löste ein Jugendlicher, der ungesichert auf einen der Türme kletterte, einen massiven und gefährlichen Rettungseinsatz aus. Für die Senderbetreiber stellen stillgelegte Antennenanlagen zunehmend ein kaum kalkulierbares Sicherheitsrisiko dar. Auch ein weiterer historischer Standort ist offenbar vom Rückbau betroffen, denn für die RTL-Sendeanlage im nahegelegenen Beidweiler liegt Berichten zufolge ebenfalls bereits eine Abrissgenehmigung der Gemeinde vor.
Dort, wo heute noch massive Stahlgittermasten an die großen Zeiten des Langwellenfunks erinnern, soll in Zukunft vor allem Wohnraum entstehen. Auf dem Gelände rund um die jetzigen Sendemasten plant RTL den Bau eines großen Wohngebietes, das Platz für mehr als tausend neue Einwohner bieten soll.