
Der tschechische Rundfunk Český rozhlas blickt in diesem Jahr auf eine neunzigjährige Geschichte seines Auslandsdienstes zurück. Was im Jahr 1936 als Kurzwellendienst begann, hat sich über Jahrzehnte hinweg zu einer modernen multimedialen Plattform entwickelt, die heute unter dem Namen Radio Prag International bekannt ist. Das Programm begleitete das Land durch prägende historische Phasen wie die Besatzungszeit, den Kalten Krieg sowie die politische Wende nach 1989 und fungiert bis heute als wichtiges Instrument der öffentlichen Diplomatie im internationalen Raum.
Anlässlich des Jubiläums strahlt der Sender Český rozhlas Plus ab dem 27. Februar 2026 eine achtteilige Dokumentarserie mit dem Titel „Prag ruft die Welt! 90 Jahre im Äther“ aus. Der Autor Jaromír Marek beleuchtet darin die technologischen Wandlungen von den ersten Kurzwellensendern bis hin zur heutigen digitalen Ära. Die Episoden befassen sich unter anderem mit dem Widerstand gegen nationalsozialistische Propaganda, der Berichterstattung während der Ereignisse im August 1968 sowie kuriosen Hörergeschichten. Neben Archivaufnahmen kommen in der Serie auch Zeitzeugen und aktuelle Redaktionsmitglieder zu Wort, um die besondere Entwicklung und Bedeutung des internationalen Austauschs hervorzuheben.
Parallel dazu findet vom 3. bis zum 15. März 2026 eine Sonderausstellung in der Galerie Vinohradská 12 in Prag statt. Die Schau präsentiert die Geschichte des Senders als lebendigen Organismus und zeigt Originalskripte, historische Fotografien der Studiotechnik sowie eine umfangreiche Sammlung von Hörerpost aus verschiedenen Kontinenten. Besonders für Radiomacher ist die Dokumentation der wechselseitigen Kommunikation interessant, die durch QSL-Karten und Briefe belegt wird. Diese Materialien verdeutlichen, dass der Auslandsdienst von Beginn an als Dialog konzipiert war und nicht nur als reine Einwegkommunikation funktionierte.
Heute erreicht Radio Prag International sein Publikum in sieben Sprachen über das Internet, Podcasts, Satellit und verschiedene Partnerstationen. Mit über acht Millionen Webseiten-Besuchern im vergangenen Jahr zeigt die Statistik ein ungebrochenes weltweites Interesse, wobei die meisten Zugriffe aus Deutschland, Frankreich und den USA verzeichnet wurden. Die Redaktion versteht sich dabei weiterhin als Brücke zwischen Tschechien und der Welt, die neben Nachrichten auch kulturelle und wirtschaftliche Kontexte liefert.