
Der tschechische öffentliche Rundfunk Český rozhlas blickt in diesem Jahr auf eine bewegte Geschichte zurück. Unter dem Titel „Prag ruft die Welt! 90 Jahre im Äther“ wurde in der vergangenen Woche eine Ausstellung eröffnet, die den Werdegang des tschechischen Auslandsdienstes von den Anfängen auf Kurzwelle bis zur heutigen multimedialen Plattform Radio Prague International beleuchtet. Die Schau in der Galerie Vinohradská 12 am Stammsitz des Senders in Prag ist bis zum 26. März 2026 für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die feierliche Vernissage unterstrich die Bedeutung des Senders für die öffentliche Diplomatie des Landes. Zahlreiche Diplomaten, darunter die Botschafter aus Frankreich, Kanada und Brasilien, nahmen an der Eröffnung teil. René Zavoral, der Generaldirektor von Český rozhlas, betonte in seiner Rede, dass der Auslandsdienst ein unverzichtbares Instrument sei, um die tschechische Kultur, Wissenschaft und Politik weltweit zu vermitteln. Er verwies darauf, dass vergleichbare Dienste in fast allen europäischen Nachbarstaaten eine feste Säule der Rundfunklandschaft bilden.
Die Ausstellung selbst dokumentiert die technische und inhaltliche Transformation des Senders. Besucher können originale Skripte, historische Fotografien der Studiotechnik und Porträts von Redakteuren sehen, die in entscheidenden Momenten der Weltgeschichte am Mikrofon standen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Interaktion mit dem Publikum. Gezeigt werden Briefe und Postkarten von allen Kontinenten sowie die bei Sammlern begehrten QSL-Karten, mit denen früher der Empfang von Kurzwellensignalen bestätigt wurde.
Klára Stejskalová, Chefredakteurin von Radio Prague International, wies darauf hin, dass sich der Sender längst von einer klassischen Radiostation zu einem digitalen Medienhaus entwickelt habe. Die Statistiken belegen diesen Wandel: Im vergangenen Jahr verzeichnete das Webportal über acht Millionen Zugriffe aus nahezu allen Ländern der Erde. Besonders groß ist das Interesse in Deutschland, das nach wie vor zu den wichtigsten Zielmärkten des tschechischen Auslandsangebots gehört. Neben Englisch ist Deutsch die meistgenutzte Fremdsprache des Dienstes.
Ergänzend zur physischen Ausstellung im Funkhaus bietet Český rozhlas auch ein umfangreiches Programm für die Hörer an. Seit Ende Februar wird auf dem Sender Český rozhlas Plus eine achtteilige Dokumentarserie ausgestrahlt, die tief in die Archive eintaucht. Die Folgen behandeln unter anderem den Widerstand gegen die NS-Propaganda, die Rolle des Senders während des Prager Frühlings 1968 und kuriose Hörergeschichten. Alle Episoden der Reihe sind zudem über das Online-Portal mujRozhlas dauerhaft abrufbar.