
Das Freie Radio für Stuttgart feiert an diesem Wochenende sein 30-jähriges Bestehen. Am 28. September 1996 ging der nichtkommerzielle Sender zum ersten Mal über den Äther. Während klassische Redaktionen stark hierarchisch aufgebaut sind und finale Sendeentscheidungen bei Chefs vom Dienst liegen, setzt die Stuttgarter Welle auf radikale Selbstverwaltung. Rund 50 eigenständige Themenredaktionen bestimmen ihr Programm weitgehend selbst, flankiert von wenigen Grundregeln gegen Diskriminierung und Falschinformationen.
Inhaltlich füllt das FRS seit drei Jahrzehnten Nischen, die im öffentlich-rechtlichen oder privaten Rundfunk selten vorkommen. Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte der Sender bereits 2012, als die Tagesschau über den Stotterfunk berichtete – ein Format, in dem stotternde Menschen live moderieren. Neben Angeboten von Jugendlichen mit und ohne Behinderung prägen vor allem internationale Community-Sendungen das Profil. Formate auf Rumänisch, Italienisch, Spanisch oder Amharisch sowie Sendungen von Exilgruppen wie Woman Life Freedom bilden einen festen Pfeiler im Programmschema.
Auf technischer Ebene sendet das FRS mit einer Leistung von 300 Watt auf der UKW-Frequenz 99,2 MHz von einem Antennenstandort auf der Müllverbrennungsanlage in Stuttgart-Münster. Aufgrund der topografischen Lage ist der terrestrische Empfang in manchen Stadtteilen eingeschränkt, digital wird das Programm durchgehend über den Livestream verbreitet. Getragen wird der Sender von mehr als 200 Ehrenamtlichen, die von lediglich 1,5 festen Stellen unterstützt werden.
Die Frage nach der Zukunft dieses Rundfunkmodells steht Ende Oktober im Mittelpunkt einer bundesweiten Fachveranstaltung. Vom 29. Oktober bis zum 1. November 2026 richtet der Bundesverband Freier Radios in Stuttgart die diesjährige Zukunftswerkstatt Community Media aus, unterstützt von mehreren Landesmedienanstalten. Unter dem Schwerpunkt Freie Medien als Teil der Demokratiebildung diskutieren Fachleute aus Wissenschaft, Medienanstalten und Redaktionen über die langfristige Absicherung nichtkommerzieller Stationen angesichts knapper Fördermittel und veränderter politischer Rahmenbedingungen.