Verband der NRW-Lokalradios sieht Geschäftsmodelle privater Radioanbieter durch DAB+ gefährdet

Vor einer Woche endete der Call of Interest für Digitalradio in Nordrhein-Westfalen. Die Landesanstalt für Medien (LfM) wollte damit die Nachfrage nach Interessenten für Sendeplätze im Digitalradio ausloten. Auf Nachfrage der radioWOCHE bestätigte die Aufsichtsbehörde auch den Eingang von Interessensbekundungen.

Dem Vernehmen nach werden die Interessenbekundungen aktuell ausgewertet und dann Eingang in ein NRW-spezifisches Bedarfskonzept finden, das mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und der Landesregierung abgestimmt wird. Was aber noch nicht heißt, dass es dann auch eine Ausschreibung geben wird.

Ein Knackpunkt seien die NRW-Lokalradios, wie es heißt. „Die LfM hat ein Interesse daran, dass auch der private Lokalfunk in NRW den Weg ins Digitalradio findet“, so ein Sprecher der LfM. Doch die Lokalradios haben Bedenken und diese auch der Landesanstalt für Medien (LfM) mitgeteilt, wie Timo Naumann, Geschäftsführer des Verbands Lokaler Rundfunk in Nordrhein-Westfalen e.V., gegenüber der radioWOCHE sagte. „Die LfM kann die Kosten für lokale Multiplexe in NRW derzeit nicht beziffern, weder für einen einzelnen lokalen Multiplex, noch für 46 lokale Multiplexe. Dabei haben wir uns weder endgültig gegen DAB+ in NRW, noch für DAB+ ausgesprochen, da bisher noch zu viele Fragen unbeantwortet sind. Wir haben der LfM empfohlen, zunächst in einem ergebnisoffenen Test die Machbarkeit und die Kosten des Schweizer Modells (lokale DAB+ Multiplexe) in NRW zu testen. Diese Überlegungen sind unabhängig von der Art des Programms, das per DAB+ verbreitet werden könnte“, so Naumann.

Kein ausreichendes Erlöspotenzial für Digitalradio in NRW
Der Geschäftsführer des VLR, Timo Naumann, sieht im Moment noch keinen ausreichenden Erfolg von Digtalradio: „Aus rein programmlicher Sicht freut sich der Lokalfunk über jeden Hörer (mehr), den er über UKW, Online oder auch DAB+ erreichen kann. Gleichzeitig muss aber auch jede Form der Verbreitung finanziert werden. Bisher geschieht das erfolgreich bei UKW und Online. Für DAB+ sehen wir derzeit jedoch kein ausreichendes Erlöspotenzial in NRW. Ganz im Gegenteil, wir sehen es genau wie bundesweite Verbände, wie zum Beispiel der VPRT, dass die Geschäftsmodelle privater Radioanbieter durch DAB+ gefährdet werden können“.

Ergebnis des Call for Interest bekannt gegeben
Beim Jahresempfang der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) informierte LfM-Direktor Dr. Jürgen Brautmeier heute (30. September) über die Ergebnisse des Call for Interest für DAB+. 16 Veranstalter, Verbände und Firmen haben danach Interesse an digitalem Radio bekundet, die überwiegende Mehrheit ist dabei an einer landesweiten Versorgung interessiert, zum Teil über ein Plattformmodell. Für regionale und lokale Abdeckungen war das Interesse deutlich geringer.

„Nach den Bedarfsmeldungen erscheint mir eine Ausschreibung für einen landesweiten Multiplex für DAB+ sinnvoll. Wenn aus dem lokalen Raum kaum ernsthaftes Interesse signalisiert wird, sollten wir über ein Stufenmodell nachdenken, also zunächst eine landesweite Bedeckung beantragen, und prüfen, ob lokale und regionale Möglichkeiten offen gehalten werden können. Ob der private Lokalfunk nach 25 Jahren in der zukünftigen digitalen Welt eine wichtige Rolle spielen kann, hängt nach seinen Worten von der Möglichkeit der Refinanzierung ab. Deshalb plädierte Brautmeier dafür, bereits jetzt die WDR-Werbung im Hörfunk analog zum NDR-Modell deutlich zu reduzieren. „Das kann der Gesetzgeber am einfachsten bei der anstehenden Novellierung des WDR-Gesetzes regeln. Man muss nicht auf den Staatsvertrag warten.“

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