Stiller Held des deutschen Widerstands: „Elser“ als Hörspiel

Vom schwäbischen Möbelschreiner zum mutigen NS-Widerstandskämpfer: Georg Elser. Am Karfreitag, 3. April, sendet SWR2 die Hörspielproduktion „Elser“, die auf den 1964 entdeckten Verhörprotokollen des gescheiterten Hitler-Attentäters beruht. In den Hauptrollen zu erleben sind die Schauspieler Christian Friedel (Georg Elser), Burghart Klaußner (Kripochef Nebe), Johann von Bülow (Gestapo-Chef Müller) und Katharina Schüttler (Elsers Geliebte Elsa).

Bild: SWR/Alexander Kluge

Bild: SWR/Alexander Kluge; von links nach rechts: Arthur Nebe (Burghart Klaußner), Georg Elser (Christian Friedel) und Heinrich Müller (Johann von Bülow)

Aus der Innenperspektive des Attentäters
Das Hörspiel „Elser“ ist parallel zum gleichnamigen Kinofilm von Oliver Hirschbiegel entstanden, der am 9. April in den Kinos startet. Drehbuchautor Fred Breinersdorfer schrieb für das Hörspiel ein neues, eigenständiges Manuskript. Im Unterschied zum Film erzählt das Hörspiel die Geschichte des Schreiners Georg Elser aus dem schwäbischen Königsbronn vor allem aus dessen Innenperspektive. Breinersdorfer setzt (fiktive) innere Monologe und subjektive Erinnerungsfragmente ein, um Elsers feste Überzeugungen, aber auch seine Zweifel zu spiegeln. Nach seiner Festnahme an der Grenze zur Schweiz wurde Elser der Gestapo übergeben, nach Berlin geschafft und im Reichssicherheitshauptamt Arthur Nebe, dem Chef der Kripo, und Gestapo-Chef Heinrich Müller überstellt. Tagelang wird Elser durch Nebe und Müller verhört – bis er schließlich gesteht.

„Das Hörspiel ‚Elser‘, von Beginn an nicht als Audio-Dublette des Films gedacht, ist ein völlig eigenständiges Werk geworden. Man kann es dennoch auch als ergänzende Komplementärfarbe zum Film verstehen. Der Film zeigt die Hauptfigur Elser überwiegend in Szenen und Handlungen, also eher ‚von außen‘, wie es das Bildmedium Film auch erfordert, während das Hörspiel weit stärker die Möglichkeit nutzt, in seine Gedankenwelt einzutauchen. Das Hörspiel wählt vor allem die Innenperspektive des Widerstandskämpfers, um seine Geschichte und die Hintergründe zu erzählen. Wie sagt eine frühe Definition des Hörspiels? Das Hörspiel zeigt nicht den Menschen in Bewegung, sondern die Bewegung im Menschen. Autor Fred Breinersdorfer hat diesen Ansatz genutzt, um die möglichen Motive Elsers, über den eigentlich nicht sehr viel bekannt ist, zu kennzeichnen: seine Freiheitsidee, seine Furcht vor und seine Verachtung für den Krieg, den er als Katastrophe für Deutschland und Europa heraufziehen sah.Was der Film in seinen besten Momenten (und davon gibt es viele) durch die Mimik seiner Figuren zeigt, kann im Hörspiel zum Wort werden und ganz eigene Qualität gewinnen. Nicht zuletzt die Geschichte seiner Liebe zu Elsa erhält in Elsers Erinnerungen einen eigenen Resonanzraum, den der Film so nicht zeigt.“
Ekkehard Skoruppa, SWR2-Hörspielchef und Dramaturg bei „Elser“

Stab und Sendetermin
Autor: Fred Breinersdorfer, Regie: Iris Drögekamp, Dramaturgie: Ekkehard Skoruppa, Ton: Burkhard Pitzer-Landeck, Schnitt: Claudia Peycke. Produktion: SWR/NDR 2015. Mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow u. a.

Sendetermin in SWR2: Karfreitag, 3. April 2015, 20.03 Uhr, ca. 90 Min. (Ursendung)

„Das Hörspiel arbeitet sehr mit Atmosphären, Klängen und der Stimme. Dadurch schafft es eine ganz eigene Sicht auf die Geschichte. Es wagt sich auch mit einer noch deutlicheren Interpretation vor und lässt dennoch noch Spielraum für Geheimnisse oder „Nichterzähltes“. Der Film besticht durch seine Bilder, seine große Intensität der handelnden Figuren und die Unterschiedlichkeit der Zeiten und Orte. Das Hörspiel verschwimmt fast wie in einem „Elserfiebertraum“, was ebenso faszinierend ist und als eine Art Kommentar zum Film verstanden werden kann. Zuerst den Film sehen und dann das Hörspiel hören, gibt dem Zuschauer und Zuhörer auf jeden Fall eine sehr intensive Beschäftigung mit dem Leben und Handeln von Georg Elser.“ Christian Friedel, Schauspieler (Elser)

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