
Für die Macherinnen und Macher des nichtkommerziellen lokalen Hörfunks (NKL) in Hessen zeichnet sich eine signifikante Veränderung der Verbreitungswege ab. Die Medienanstalt Hessen hat die Weichen für eine rein digitale Zukunft der Bürgersender und freien Radios gestellt und verabschiedet sich perspektivisch von der analogen UKW-Verbreitung.
In der 18. Sitzung der Versammlung am 15. Dezember 2025 fiel eine einstimmige Entscheidung, die die technischen Rahmenbedingungen grundlegend neu ordnet. Die Versammlung ermächtigte den Direktor der Medienanstalt dazu, die bestehenden Verträge über den UKW-Sendernetzbetrieb zu beenden. Dies betrifft sowohl den ursprünglichen Vertrag vom 6. September 2021 als auch den erst Anfang 2024 geschlossenen Nachtrag.
Wie ein Sprecher der Medienanstalt Hessen gegenüber der radioWOCHE sagte, ist die Kündigung zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgt und wird damit zum 30. Juni 2026 wirksam. Damit endet das aktuelle Vertragsverhältnis für die analoge terrestrische Verbreitung der freien Radios in Hessen zur Jahresmitte 2026.
Die Gründe für diesen Schritt sind vielschichtig, liegen aber vor allem in der Wirtschaftlichkeit und dem veränderten Nutzungsverhalten begründet. Bislang werden die drei Verbreitungswege UKW, DAB+ und Streaming im Rahmen der Förderung vollständig von der hessischen Landesmedienanstalt finanziert. Diese Parallelstrukturen verursachen jedoch hohe Kosten. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Haushaltssituation und der unsicheren Entwicklung des Rundfunkbeitrags sah sich die Anstalt zu einer Überprüfung der Ausgabensituation gezwungen. Zudem tragen die Verantwortlichen der Entwicklung Rechnung, dass Hörerinnen und Hörer Radioprogramme zunehmend über DAB+ und das Internet empfangen.
Radiomacher, die auf eine Neuausschreibung des UKW-Betriebs zu günstigeren Konditionen gehofft hatten, müssen sich umorientieren. Eine Neuausschreibung zum UKW-Sendernetzbetrieb für den nichtkommerziellen Rundfunk ist laut der Medienanstalt nicht geplant.
Die terrestrische Versorgungssicherheit soll dennoch gewährleistet bleiben, allerdings über einen Systemwechsel. Ab dem 1. Juli 2026 wird die Verbreitung sämtlicher nichtkommerzieller hessischer Lokalradios terrestrisch über DAB+ sichergestellt sein. Ergänzend bleiben die Programme weiterhin als Livestream im Internet verfügbar. Für die betroffenen Sender bedeutet dies, dass sie ihre Hörer in dem kommenden halben Jahr aktiv auf den Technologiewechsel vorbereiten müssen.