
Rudolf „Rudi“ Lösch, einer der prägenden Wegbereiter des regionalen Rundfunks im Südtiroler Vinschgau, hat kürzlich seinen 80. Geburtstag gefeiert. Für die heutige Generation von Radiomachern bietet seine Lebensgeschichte einen faszinierenden Blick zurück in eine Zeit, in der das Radio- und Fernsehnetz in den alpinen Tälern noch mit echtem Pioniergeist und erheblichem körperlichen Einsatz aufgebaut werden musste.
Als Lösch in den frühen 1960er-Anjahren seine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker in Deutschland abschloss und nach Morter im Vinschgau zurückkehrte, herrschte in der Region in Sachen deutschsprachigem Rundfunk weitgehend Funkstille. Das Tal bot dem jungen Techniker eine sprichwörtliche Spielwiese. Im Alter von nur 21 Jahren gründete er seinen eigenen Betrieb, reparierte und baute Röhrengeräte und begann eigenständig mit dem Errichten von Sendemasten. Seine Arbeiten in schwindelerregender Höhe an den Sendeanlagen im Tal machten ihn weit über die Grenzen seiner Heimatgemeinde hinaus bekannt.
Der entscheidende Schritt für die lokale Radiolandschaft folgte in den späten 1970er-Jahren. Gemeinsam mit Gleichgesinnten startete Lösch das private Medienprojekt „Radio Vinschgau“. Damit die Ausstrahlungen in dem zerklüfteten Tal überhaupt flächendeckend empfangen werden konnten, installierte er unter schwierigen Bedingungen mehrere Umsetzeranlagen in Eigenregie. Der Sender entwickelte sich schnell zu einem unverzichtbaren Begleiter für die lokale Bevölkerung, zu einem Sprachrohr für die Wirtschaft und zu einem wichtigen Fundament für den privaten Rundfunk in der Region. Bis zum Jahr 2018 blieb das von ihm mitgestaltete Teleradio Vinschgau auf Sendung, bevor die Ära aus gesundheitlichen Gründen und nach einem Verkauf ein Ende fand.
Die Leidenschaft für den Äther hat Lösch jedoch bis heute nicht losgelassen. Auch im Ruhestand bleibt er der Funktechnik treu. Unter dem Amateurfunk-Rufzeichen „IN3LWR“ hält er aus seinem Wohnzimmer heraus weiterhin weltweite Kontakte und tauscht sich regelmäßig mit alten Kollegen aus. Für die moderne Radiolandschaft bleibt sein Lebenswerk ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie viel Tatkraft und technisches Improvisationstalent nötig waren, um den Grundstein für die heutige Medienvielfalt zu legen.