Tschechien: Radio Q startet Web-Testbetrieb mit DAB+-Ambitionen

In Tschechien ist mit Radio Q ein neues Spartenprogramm an den Start gegangen, das sich gezielt an die LGBTQ+-Community richtet. Der Sender aus Prag befindet sich derzeit in einem internetbasierten Testbetrieb. Verläuft diese Testphase erfolgreich, soll das Programm im Jahr 2027 den Schritt in die landesweite digitale terrestrische Verbreitung über DAB+ wagen.

Hinter dem Vorhaben steht die Vereinigung European People & Media, die im tschechischen DAB+-Markt bereits das Format WorldRadio betreibt. Inhaltlich wird Radio Q von René Kekely verantwortet. Der Sender überträgt ein 24-Stunden-Programm, das sich musikalisch an aktueller Popmusik orientiert und im Tagesablauf auf feste Programmschienen setzt. Dazu zählen die Morgensendung Morning Pride ab 6:00 Uhr, die abendliche Talk- und Themensendung Queer Life ab 18:00 Uhr sowie die Musikstrecke Deep Good ab 19:00 Uhr. Inhaltlich widmet sich die Abendschiene Schwerpunkten wie Coming-out, Gesundheitsvorsorge, Transgender-Themen und dem Abbau gesellschaftlicher Vorurteile.

Aus medienökonomischer Sicht verfolgt Radio Q einen bemerkenswerten Ansatz: Das Programm verzichtet auf klassische Werbeunterbrechungen zwischen den Musiktiteln. Die übliche Refinanzierung über standardisierte Werbezeitenblöcke auf Reichweitenbasis entfällt somit. Stattdessen setzt das Projekt auf alternative Erlösquellen wie das Sponsoring einzelner Formate, thematische Kooperationen, Fördermittel und direkte Unterstützung aus der Hörerschaft.

Die aktuelle Webphase dient den Betreibern vor allem als Praxistest für das inhaltliche Konzept und den Aufbau einer loyalen Hörerschaft. Eine spätere Aufschaltung im DAB+-Standard bedeutet im Vergleich zum Webradiobetrieb einen erheblichen Anstieg der fixen Distributionskosten, die unabhängig von den realen Abrufzahlen anfallen. Die Resonanz der kommenden Monate im Netz wird somit darüber entscheiden, ob das werbefreie Modell wirtschaftlich tragfähig genug ist, um den geplanten Schritt in die terrestrische Vollversorgung tatsächlich zu gehen.

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