
Der Plattformbetreiber SwissMediaCast hat seine DAB-Konzession für das Tessin zum 31. März gekündigt. Das Unternehmen reagiert damit auf die wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre. Ursprünglich hatte SwissMediaCast den Betrieb im Südkanton Ende 2020 auf Wunsch deutschschweizerischer Radioveranstalter aufgenommen. Ziel war es, eine lückenlose Versorgung auf den wichtigen Transitrouten über den Gotthard und den San Bernardino bis nach Chiasso zu gewährleisten.
Zum Start des Tessiner Layers waren 15 der insgesamt 18 verfügbaren Sendeplätze belegt. In der Folgezeit verschlechterte sich die Buchungslage jedoch kontinuierlich. Einzelne Radiostationen zogen sich zurück, da die angestrebten Reichweiten und Kommerzialisierungsziele nicht erreicht wurden. Zudem führten Insolvenzen dazu, dass weitere Kapazitäten ungenutzt blieben. Angesichts dieser Rahmenbedingungen sah sich der Betreiber nun zur Rückgabe der Konzession gezwungen.
Die digitale Radioversorgung im Tessin bleibt trotz dieses Rückzugs bestehen. Die Netze der SRG sowie des Anbieters Digris stellen die Abdeckung in der Region weiterhin sicher. Für jene Radioveranstalter, die bis zuletzt auf dem Netz von SwissMediaCast gesendet haben, wird derzeit an einer effizienten Lösung gearbeitet. Damit soll eine nahtlose Weiterverbreitung ihrer Programme im Tessin ermöglicht werden.
Bernhard Schmid, CEO von SwissMediaCast, ordnet den Rückzug in das aktuelle medienpolitische Umfeld ein. Die Schweizer Radiolandschaft befinde sich durch die UKW-Abschaltung der SRG und die damit verbundenen Diskussionen in einer Phase des Umbruchs. Zwar gebe es derzeit politische Gegenbewegungen und vorübergehende Einbußen bei der Reichweite, dennoch bleibe DAB+ das Fundament für die digitale Medieninfrastruktur. Laut Schmid ist die Technologie eine stabile und energieeffiziente Basis, um die Vielfalt der Schweizer Radios gegenüber internationalen Streamingdiensten langfristig zu sichern.