
Die Berliner Radiolandschaft ist seit heute Mittag um eine analoge Stimme reicher. Pünktlich um 12:00 Uhr startete der Sender pure fm den Betrieb auf der UKW-Frequenz 106,8 MHz. Damit kehrt ein Programm, das sich über 13 Jahre lang ausschließlich auf digitale Verbreitungswege wie DAB+, Kabel und das Internet konzentriert hat, zurück auf den klassischen Ausspielweg. Die Ausstrahlung erfolgt mit einer Leistung von 2.000 Watt vom Sender Scholzplatz in Berlin-Westend, womit das Programm neben der Hauptstadt auch weite Teile Brandenburgs von Gransee bis Luckenwalde erreicht.
Für die Macher des Senders markiert dieser Schritt ein neues Kapitel in der Sendergeschichte. Geschäftsführer Matthias Kayales betont, dass die Zuweisung durch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg ein wichtiges Signal für die musikalische Vielfalt in der Region darstelle. Der Fokus des Programms liegt auf elektronischer Musik, die durch die Aufnahme der Berliner Technokultur in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO im vergangenen Jahr eine zusätzliche gesellschaftliche Aufwertung erfahren hat. Das Musikspektrum umfasst dabei diverse Spielarten von Deep House und Melodic Techno bis hin zu Indie Dance und Chill Out.
Neben der rein musikalischen Ausrichtung setzt pure fm auf ein journalistisches Profil, das tief in der Berliner Klub- und Kreativszene verwurzelt ist. Das Wortprogramm widmet sich Themen des Nachtlebens, der queeren Community sowie der Kreativwirtschaft und bietet Akteuren der Szene eine Plattform. Auch personell rüstet der Sender für den UKW-Start auf. Mit der DJ und Moderatorin Anja Schneider kehrt eine bekannte Stimme der Berliner Radiolandschaft zurück ans Mikrofon. Sie wird ab Mitte Januar wöchentlich das Format Club Room präsentieren.
Interessant für die Branche ist zudem die strategische Ausrichtung des Senders. Die Verantwortlichen sehen die neue UKW-Frequenz nicht als Konkurrenz zur digitalen Verbreitung, sondern als Ergänzung. Ziel ist es, die über UKW gewonnene Reichweite zu nutzen, um neue Hörerschichten zu erschließen und diese langfristig auch für die digitalen Angebote und DAB+ zu begeistern. Mit wöchentlichen Labelshows und Live-Übertragungen aus Berliner Klubs will der Sender seine Position als Spartenprogramm für elektronische Kultur im hart umkämpften Berliner Markt festigen.