Norwegen 2025: Nationale Stabilität im Radiomarkt trifft auf lokalen Umbruch

Die norwegische Medienbehörde Medietilsynet hat ihren aktuellen Bericht zur Medienvielfalt veröffentlicht. Die Analyse des Radiomarktes im Jahr 2025 zeigt ein zweigeteiltes Bild: Während sich die nationalen Platzhirsche Jahre nach der UKW-Abschaltung über stabile Marktanteile freuen, befindet sich der Lokalfunk in einer tiefgreifenden Transformation.

Der nationale Radiomarkt in Norwegen präsentiert sich nach dem vollständigen Übergang von UKW zu DAB im Jahr 2017 bemerkenswert gefestigt. Die Eigentümerstruktur ist konstant geblieben und wird von drei großen Akteuren dominiert: dem öffentlich-rechtlichen NRK, der P4-Gruppe sowie Bauer Media. Auffällig ist jedoch die strategische Ausweitung des Portfolios. Um verschiedene Musikgenres gezielter bedienen zu können, haben diese drei Anbieter ihr Angebot von ursprünglich fünf auf mittlerweile 32 Kanäle erweitert.

Trotz dieser massiven Ausdifferenzierung des Inhaltsangebots bleiben die Nutzungsmuster der Hörer erstaunlich konservativ. Die großen Linien im Hörerverhalten sind stabil, wobei mehr als 70 Prozent der gesamten Radionutzung auf die fünf größten Kanäle entfallen. Der NRK behauptet dabei seine dominante Stellung mit einem Marktanteil von 66 Prozent am täglichen Hören. Die P4-Gruppe folgt mit gut 22 Prozent, während Bauer Media knapp 12 Prozent der täglichen Hörer erreicht. Zu den „Big Five“, die den Markt seit 2020 anführen, gehören neben den drei NRK-Wellen (P1, P1+ und P2) die kommerziellen Flaggschiffe P4 Lyden av Norge und Radio Norge.

Konzentration im Lokalfunk nimmt zu
Ein gänzlich anderes Bild zeichnet der Bericht für den lokalen Sektor. Hier findet derzeit eine digitale Transformation statt, die die Eimerstrukturen nachhaltig verändert. Der Trend geht klar zur Konsolidierung: Immer mehr Sendelizenzen sammeln sich bei wenigen großen Eigentümern. Die drei größten Akteure im lokalen Markt – Lokalradioene Innlandet, die Jærradiogruppen und Polaris Media – halten inzwischen gemeinsam 41 Prozent aller Lizenzen für UKW und DAB.

Diese Konzentration führt dazu, dass sich das klassische Modell des Lokalradios wandelt. Neben Stationen mit echten lokalen Eigentümern und lokaler Präsenz etablieren sich zunehmend regionale oder semi-nationale Strukturen. Dabei werden identische Inhalte über mehrere Lizenzen hinweg ausgestrahlt, was das geografische Sendegebiet deutlich über die Grenzen eines einzelnen UKW- oder DAB-Bereichs hinaus erweitert. Einzig der NRK bietet als nationaler Akteur weiterhin echte Regionalfenster an.

Wirtschaftliche Sorgen bei den Kleinen
Die wirtschaftliche Situation im Lokalfunk beschreibt die Medienbehörde als herausfordernd. Die Branche kämpft mit sinkender Rentabilität und einem Rückgang an bezahlten Arbeitsplätzen. Sowohl größere professionelle Akteure als auch kleinere Stationen sind betroffen, wobei letztere in hohem Maße auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sind. Aufgrund dieser finanziellen Fragilität und der Abhängigkeit von Freiwilligenarbeit stuft Medietilsynet die Sendervielfalt im lokalen Markt als nicht besonders robust ein. Diese Einschätzung war bereits Teil der Untersuchung zur Medienförderung, die dem norwegischen Kulturministerium im November 2025 vorgelegt wurde.

Abschließend hebt der Bericht die unterschiedlichen Rollen der Marktteilnehmer hervor. Der NRK erfüllt als öffentlich finanzierter Sender einen klaren gesellschaftlichen Auftrag zur Förderung der Medienvielfalt. Im Gegensatz dazu stehen die P4-Gruppe, die zur Viaplay Group gehört, und Bauer Media. Beide sind rein kommerzielle Akteure im Besitz internationaler Medienkonzerne, auch wenn sie weiterhin Nachrichtensendungen als Teil ihres Programms anbieten.

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