Handlicher SDR-Empfänger mit Wasserfalldiagramm: Der MLite-880 im Fokus

SDR ohne PC? Geht das? Sogar mit Wasserfalldiagramm? Mit dem MLite-880 präsentiert die Firma Elecevolve einen ebenso ungewöhnlichen wie leistungsfähigen Weltempfänger der ganz besonderen Art. Radio zum Anschauen! Was bisher vor allem auf dem Computerbildschirm möglich war, kann man nun auf dem kleinen, handlichen Radio aus Hongkong im Süden Chinas ganz ohne zusätzliche Hardware genießen – zudem mit wirklich bemerkenswerten Empfangseigenschaften.

Entworfen und entwickelt wurde der Malachit MLite-880 von den russischen Empfangsexperten und Amateurfunkern Georgy Yatsuk (RC9CIM) und Vadim Burlakov (R6DCY). Die Firma Elecevolve, die sich seit geraumer Zeit auf den Bau außergewöhnlicher Rundfunkgeräte spezialisiert hat, hat das Radio gebaut und ist auch mit für das besonders schöne Design verantwortlich.

Auf den ersten Blick ist der MLite-880 einfach ein kleiner, handlicher Weltempfänger. Umso überraschender ist allerdings, was sich hinter den 14,5 * 10 * 2 cm verbirgt. Neben einem durchgehenden AM-Frequenzbereich von 130 KHz bis 30 MHz und einem erweiterten UKW-Bereich von 65 MHz bis 108 MHz verfügt es auch über den gesamten Air-Band-Frequenzbereich (108 MHz – 136 MHz) und das 2-m-Band (144 MHz bis 148 MHz), das von den nordamerikanischen NOAA-Wetterstationen genutzt wird. Dass das Radio über die Modulationsarten LSB, USB und CW verfügt, dürfte insbesondere die Freunde des Amateurfunks begeistern. Hinzu kommen DSB, AM, SAM, NFM und WFM. All das ist zudem individuell einstellbar.

Die Rückseite

Praktisch ist die Ausklapp-Funktion auf der Rückseite des Geräts. Auf der kleinen Lasche, mit der sich das Radio in eine DXer-freundliche Schräglage versetzen lässt, sind zudem wichtige und zentrale Eigenschaften wie Frequenzspektrum Modulationsarten, Akku u.a. zusammengefasst.

RDS-Informationen werden außerordentlich schnell erkannt und angezeigt: Sowohl Sendernamen als auch Informationen über die gerade übertragenen Sendungen erscheinen im Display, falls diese verfügbar sind.

Auf der Oberseite des Geräts ist ein Einschubfach für eine Mini-SD-Karte. Auf bis zu maximal 16 GB kann man mit dem MLite-880 Musikstücke oder auch ganze Sendungen aufnehmen – und zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt wieder anhören. Die Aufnahmefunktion steht für alle Wellenbereiche und alle Empfangsmodi zur Verfügung, wodurch das Gerät nicht nur ein Radio und Weltempfänger, sondern zugleich ein vollwertiger Rekorder ist.

Das Display ist sehr übersichtlich und kontextsensitiv strukturiert – je nach dem also, in welchem Modus das Radio sich gerade befindet. Besonders auffällig und, wie ich finde, wirklich ansprechend ist die visuelle Darstellung der jeweils empfangenen Sender in einem dynamischen Wasserfall-Diagramm.

Der MLite mit Wasserfalldiagramm. Auf UKW auch mit RDS-Anzeige.

Der Anwender kann die gewünschte Frequenz jederzeit entweder direkt eingeben, oder nach Auswahl des selektierten Frequenzbereichs mit dem Drehknopf verändern. Auch die Schrittweite für die Sendersuche lässt sich individuell konfigurieren. Der Drehknopf rechts oben hat im Übrigen eine Doppelfunktion. Durch eimaliges Drücken kann der Anwender zwischen Sendersuche und Einstellung der Lautstärke wählen.

Auch einen Equalizer gibt es, mit dem das Klangbild angepasst werden kann. Ob Voice, Pop, Jazz und vieles mehr – so kann jeder das Radio nach seinem eigenen Geschmack konfigurieren.

Wenn man einen Kopfhörer an die dafür vorgesehene Buchse anschließt, lassen sich, entsprechend starkes Signal vorausgesetzt, die UKW-Sender in schönstem Stereo genießen. Möglich ist das auch mit passenden Bluetooth-Kopfhörern. Eine entsprechende Funktion ist implementiert. Bluetooth ist beim MLite-880 allerdings derzeit (noch) nicht kompatibel mit dem iPhone oder vergleichbaren Geräten.

Die Vielfalt an möglichen Einstellungen des MLite-880 sind in der beiliegenden Anwenderbeschreibung dokumentiert. Da diese allerdings nur in englischer Sprache verfügbar ist, habe ich eine deutschsprachige Dokumentation erstellt. Sie ist auf meiner Internetseite abrufbar.

Im Folgenden möchte ich auf die vielfältigen Eigenschaften im Detail eingehen.

UKW / FM
Das Frequenzspektrum für UKW reicht von 64 MHz bis zu 108 MHz. Sowohl das OIRT-Band (65.9 MHz – 74 MHz, als auch das normale UKW-Band (87.5 MHz – 108 MHz) können empfangen werden – aber auch alle Frequenzen zwischen 74 MHz und 87.5 MHz.

Schon beim ersten Einschalten im vordefinierten Standard-Modus klingt das kleine Gerät voll und rein. Mehr noch beeindruckt eine ausgezeichnete Empfangsleistung, bei der im direkten Vergleich ein Grundig Satellit 700 oder ein Sony ICF 7600GR nicht mithalten können. Vergleichbare Empfangsleistung bieten allenfalls neuere Geräte wie z.B. der Choyong LC90, der Qodosen DX-286 oder der Deepelec DP-666.

Sowohl auf UKW wie auch bei allen anderen Frequenzbereichen gibt es die manuelle Suche als auch einen automatischen Suchlauf. Auf UKW funktionieren beide Methoden sehr gut, bei der Kurzwelle würde ich insbesondere bei schwächeren Signalen die manuelle Suche empfehlen, weil schwächere Sender bei einem Auto-Suchlauf durchaus übersprungen werden können. Immer und überall ist selbstverständlich auch die direkte Frequenzeingabe möglich.

Sender, die man besonders gern und häufig hört, kann man im Memo-Bereich abspeichern – wiederum unabhängig vom Frequenzbereich. Bis zu 500 Sender lassen sich auf diese Weise definieren.

Der Modus „WFM“ (Wide FM) ist der Standard beim Hören von UKW-Sendern. Bei sehr schwachen Signalen kann aber auch auf „NFM“ (Narrow FM) umgeschaltet werden. Beide Bereiche lassen sich im Audio-Menü individuell einstellen. Auch die Bandbreite lässt sich frei konfigurieren, bei meinen Tests hat sich aber auch der „Auto“-Modus ausgezeichnet bewährt, so dass ich die manuellen Möglichkeiten bisher auch bei schwächeren Stationen nicht oft gebraucht habe.

Zusätzlich zur eingebauten Teleskopantenne lässt sich beim MLite-880 auch eine Außenantenne anschließen. Zu diesem Zweck gibt es eine einbaute Klinken-Buchse. Auch ein Klinken-SMA-Adapter gehört mit zum Lieferumfang, so dass man für UKW durchaus eine Yagi- oder sonstige Antenne anschließen kann. Besonders nützlich ist diese Möglichkeit im AM-Bereich, wo sich meine drehbare Wellbrook Loop-Dachantenne gut bewährt und zu verblüffenden Ergebnissen geführt hat.

Langwelle / Mittelwelle / Kurzwelle
Der Empfang auf der Langwelle ist besonders stark abhängig von äußeren Einflüssen. Wirklich störungsfreie Räume sind immer seltener zu finden. Ist dies jedoch der Fall, dann ist der Empfang mit den eingebauten Antennen relativ gut – auch im Vergleich mit anderen Weltempfängern. Hier hat sich ganz besonders der Einsatz einer externen Loopantenne bewährt. Heute früh konnte ich mit angeschlossener Dachantenne auf 6185 KHz den Sender XEPPM aus Mexico empfangen. Mit der eingebauten Teleskopantenne war der Sender allerdings nicht zu hören. Auf der Langwelle war hier im Südwesten Deutschlands beispielsweise das Signal der BBC auf 198 KHz sehr gut zu hören. Bemerkenswert ist, dass die Langwelle beim MLite-880 bereits bei 130 KHz beginnt, so dass auch problemlos die Wettersignale des DWD empfangen werden können.

Rauschunterdrückung beim MLite-880

Wirklich beeindruckend ist beim MLite-880 die Rauschunterdrückung. Das Volumen der Anti-Rausch-Funktion lässt sich individuell einstellen, aber bereits mit der Voreinstellung des Geräts kann man auch sehr stark verrauschte AM-Signale nahezu störungsfrei hören. Auch das übliche Klirren und Zwitschern, wie man es von früheren Geräten kennt, gehört weitgehend der Vergangenheit an. So war heute beispielsweise der Channel 292 auf 6070 KHz relativ schwach mit SINPO 35333 zu empfangen. Nach Drücken der Taste „NR“ (Noise Reduction = Rauschreduktion) war von dem ganzen Rauschen so gut wie nichts mehr zu hören.

Erwähnenswert ist sicherlich auch die Unterscheidung zwischen Amateur-Bändern und Broadcasting-Bändern. Wird ein entsprechendes Band gewählt, dann ist auch der jeweilige Empfangsmodus (LSB, USB, AM usw.) bereits voreingestellt. Natürlich lassen sich die Frequenzen und Modi auch manuell ändern [1] – ebenso auch jeweils die Schrittweite [2].

AIR-Band / NOAA
Auch die Frequenzen oberhalb des UKW-Bereichs können empfangen werden. Allerdings gibt es den NOAA-Wetterdienst nur in Amerika. Insgesamt stehen die Frequenzen von 108 MHz bis 165 MHz lückenlos zur Verfügung, so dass auch der Flugfunk abgehört werden kann, sofern man sich in der Reichweite bzw. im Empfangsbereich eines Flughafens befindet.

Rekorder / Aufnahmen

Eine bis zu 16 GB große Micro-SD-Karte kann in dem dafür vorgesehenen Einschubfach verwendet werden. Auf so eine Karte lässt sich schon recht viel aufnehmen. Die Dateien werden im wav-Format abgespeichert und können dann entweder mit dem MLite-800 selbst, oder aber auch mit einen anderen Gerät, z.B. einem PC abgespielt werden. So kann man komplette Sendungen aufnehmen – oder auch einzelne Stücke. Mit Tools wie z.B. „Audacity“ lassen sich die Aufnahmen problemlos schneiden, bearbeiten und konvertieren. Leider ist ein zeitlich gesteuertes Vorprogrammieren der Aufnahme derzeit noch nicht möglich – jedenfalls habe ich bisher keine entsprechende Funktion entdeckt. Es ist zu hoffen, dass das mit einem künftigen Firmware-Update realisiert werden kann. Solche Updates findet man übrigens auf der Website der Firma Elecevolve unter dem Menüpunkt „Downloads“. Mit dem Windows Updater (ebenfalls dort erhältlich) ist das Ändern der Firmware ganz einfach.

Firmware aktualisieren
Auch daran hat man also gedacht: In unregelmäßigen Abständen stellt die Firma Elecevolve seinen Kunden Firmware-Updates zur Verfügung, mit denen mögliche Schwachstellen beseitigt und neue Funktionen bereitgestellt werden. Diese sind kostenlos erhältlich unter https://www.elecevolve.com/download/ Für die Aktualisierung der Firmware wird der Windows Helper benötigt, den man dort ebenfalls findet. Über die Suchfunktion findet der „Helper“ automatisch die jeweils neueste Version. Man sollte allerdings darauf achten, dass noch ausreichend Batteriekapazität auf dem Gerät vorhanden ist, bevor man aktualisiert. Möglicherweise kommt es bei der Erstinstallation des „Windows Helper“ auf dem PC zu einem Warnhinweis oder zu einer Fehlermeldung. Wenn man den Download über die offizielle Website bezogen hat, kann man diesen jedoch ignorieren und das Programm getrost installieren.

Fazit
Optisch ein Genuss und technisch ausgereift. So würde ich den MLite-880 der Hongkonger Firma Elecevolve in wenigen Worten beschreiben. Sicherlich lässt sich das eine oder andere noch optimieren. Ich gehe davon aus, dass es auch in Zukunft Firmware-Updates, Erweiterungen und Verbesserungen geben wird. Bereits jetzt würde ich das Radio, zum Kauf empfehlen. Es macht viel Freude und ich habe bisher noch kein Radio bzw. keinen Weltempfänger gefunden, bei dem AM so viel Spaß macht. Die Vielfalt an Möglichkeiten bei Einstellung und Empfang ist überwältigend. Besonders die Geräuschreduzierung ist meines Erachtens ein ganz großer Wurf und dazu noch das schöne Wasserfalldiagramm.

Tipps
Die sehr leistungsfähige 21700-Batterie wird beim Kauf eines MLite-880 kostenlos mitgeliefert. Mittlerweile kann sie auch im Online-Handel und in Fachgeschäften bestellt werden. Ein Ladekabel und ein Antennenadapter sind ebenfalls mit im Lieferumfang enthalten.

Die derzeit günstigste Bezugsmöglichkeit für den MLite-880 ist die Bestellung direkt beim Hersteller. Elecevolve hat auf seiner Website auch einen Download-Bereich eingerichtet, wo alle wichtigen Handbücher, Firmware und Hilfsprogramme kostenlos heruntergeladen werden können.

Hier geht es zum Hersteller:
https://www.elecevolve.com/

Alle Fotos: Helmut Matt

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