
Die französische Radiobranche erhöht den Druck auf die europäische Politik, um die Zukunft des Mediums im Auto langfristig zu sichern. In einer gemeinsamen Initiative fordern der öffentlich-rechtliche Rundfunk Radio France und der Privatradioverband Alliance de la Radio die EU-Entscheidungsträger dazu auf, den Einbau von UKW- und DAB+-Empfängern in allen neuen Fahrzeugen gesetzlich vorzuschreiben. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund des geplanten Digital Networks Act und der laufenden Überarbeitung des europäischen Kodex für elektronische Kommunikation.
Die Forderung zielt darauf ab, den universellen und kostenlosen Zugang zum Radio für alle Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union zu garantieren. Da das Auto nach wie vor der wichtigste Ort für die Radionutzung ist, sehen die Sender den freien Zugang zu Informationen und kultureller Vielfalt gefährdet. Die Branchenvertreter warnen vor einer Entwicklung, bei der Fahrzeughersteller vermehrt auf rein internetbasierte Lösungen setzen. Dies würde die Hörer in eine Abhängigkeit von großen globalen Digitalplattformen führen und den anonymen, direkten Zugang zu Programmen erschweren.
Ein wesentlicher Aspekt des Appells ist die Rolle des Radios als Krisenmedium. Die terrestrische Infrastruktur gilt als besonders robust und zuverlässig, da sie über gesicherte Sendernetze mit oft autarker Stromversorgung verfügt. Im Falle von Naturkatastrophen oder technischen Krisen ermöglicht die Radioverbreitung eine gleichzeitige Information der gesamten Bevölkerung, ohne das Risiko einer Netzüberlastung, wie sie beim Mobilfunk auftreten kann. Damit erfülle das Radio eine wesentliche Funktion für die öffentliche Sicherheit und das Gemeinwohl.
Die Alliance de la Radio und Radio France betonen zudem, dass eine solche Verpflichtung für die Automobilindustrie eine verhältnismäßige und vorhersehbare Maßnahme darstelle. Eine EU-weite Harmonisierung würde den Herstellern und Zulieferern einen stabilen Rahmen bieten, während digitale Zusatzdienste im Cockpit weiterhin ergänzend bestehen könnten. Ziel sei es, ein gemeinsames Fundament für Information und Pluralismus in Europa zu bewahren, ohne technische Innovationen zu behindern.