Ende einer Ära in Tschechien: Mittelwellen-Sendemasten in Liblice gesprengt

Am traditionsreichen tschechischen Senderstandort Liblice ist ein bedeutendes Kapitel europäischer Rundfunktechnik zu Ende gegangen. Die beiden weithin sichtbaren, 355 Meter hohen Sendemasten wurden durch eine gezielte Sprengung eines Fachunternehmens kontrolliert zu Fall gebracht. Vor dem Abriss hatten die Techniker des Sendernetzbetreibers České Radiokomunikace die Hindernisbefeuerung der Anlagen demontiert, um zu verhindern, dass herabfallende Glassplitter die umliegenden Flächen und Wege verunreinigen. Während der Arbeiten war der Bereich rund um das Areal aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt.

Die Doppelmasten in Liblice galten als die höchsten Bauwerke Tschechiens und prägten über viele Jahrzehnte die AM-Verbreitung in Mitteleuropa. Mit dem fortschreitenden Rückzug der Programmanbieter von der Mittelwelle und dem wachsenden Fokus auf moderne digitale Verbreitungswege verloren die gigantischen Konstruktionen jedoch vollständig ihre technische Notwendigkeit. Zuletzt gab es weder Anfragen von Rundfunksendern für eine weitere Ausstrahlung noch Kaufinteressenten, die das Gelände hätten übernehmen wollen.

Ein dauerhafter Erhalt der Masten ohne Sendebetrieb erwies sich als wirtschaftlich nicht tragbar. Die Kosten für eine zwingend fällige Generalsanierung sowie die laufende Instandhaltung hätten nach Betreiberangaben Hunderte Millionen Kronen verschlungen. Wie České Radiokomunikace im Vorfeld erklärte, war der Schritt für viele Branchenkenner zwar schmerzhaft, aus Sicht der kaufmännischen Verantwortung für die verbleibende Infrastruktur aber unvermeidlich. Mit dem Fall der Masten verschwindet ein markantes technisches Denkmal, das Radiomachern weit über die Grenzen des Landes hinaus über Generationen hinweg ein Begriff war.

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