
Der MDR steht vor seiner bisher größten strukturellen Veränderung und hat nun die entscheidende Personalie für diesen Prozess geklärt. Boris Lochthofen wird neuer Programmdirektor der künftigen Gemeinschaftsdirektion in Halle und Leipzig. Der Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunks stimmte dem Vorschlag von Intendant Ralf Ludwig am Montag mit großer Mehrheit zu. Damit kehrt ein bekanntes Gesicht zum öffentlich-rechtlichen Sender zurück, nachdem Lochthofen den MDR erst Ende 2023 auf eigenen Wunsch verlassen hatte. Seine neue, fünfjährige Amtszeit soll im April 2026 beginnen.
Die Berufung gilt in der Branche als Signal für eine konsequente digitale Transformation. Lochthofen bringt eine vielseitige Vita mit, die sowohl Erfahrungen im öffentlich-rechtlichen Sektor als auch im kommerziellen Radiomarkt umfasst. Vor seinem ersten Wechsel zum MDR im Jahr 2016, wo er das Landesfunkhaus Thüringen leitete, war er jahrelang in Führungspositionen bei der Regiocast tätig, unter anderem als Geschäftsführer von Radio PSR und R.SA. Zuletzt arbeitete er als geschäftsführender Gesellschafter für die Teutocast GmbH. Diese Mischung aus privater Management-Expertise und Kenntnis der ARD-Strukturen soll nun dabei helfen, die Zusammenführung der beiden bisher getrennten Programmdirektionen Halle und Leipzig erfolgreich umzusetzen.
In seiner neuen Rolle wird Lochthofen vor allem die Entwicklung einer nonlinearen Inhalte-Strategie verantworten. Laut dem Rundfunkratsvorsitzenden Michael Ziche gehören auch die Optimierung organisatorischer Prozesse und die stärkere Sichtbarkeit mitteldeutscher Themen im nationalen ARD-Kontext zu seinen Kernaufgaben. Lochthofen selbst betonte nach seiner Wahl, dass er den Fokus auf die regionale Nähe und verlässliche Berichterstattung für die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen legen wolle. Gleichzeitig kündigte er an, die Mitarbeitenden aktiv in den Veränderungsprozess einzubinden und Kooperationen mit kommerziellen Medienunternehmen auszubauen.
Ein besonderes Augenmerk lag im Vorfeld auf möglichen Interessenkonflikten aufgrund von Lochthofens unternehmerischen Beteiligungen. Der MDR und seine Compliance-Beauftragten kamen nach einer Prüfung jedoch zu dem Ergebnis, dass kein Risiko besteht. Lochthofen wird seine operativen Organstellungen bei anderen Unternehmen bis zum Dienstantritt abgeben. Seine verbleibenden reinen Kapitalbeteiligungen an der Teutocast GmbH und einem Softwareanbieter wurden als wettbewerbsneutral eingestuft. Während seiner Zeit als Programmdirektor wird er seine Gesellschafterrechte zudem ruhen lassen. Formell steht die Berufung noch unter dem Vorbehalt der vertraglichen Fixierung durch den Verwaltungsrat, was jedoch als reine Formsache gilt.