
Die drei öffentlich-rechtlichen Regionalsender im Norden der Niederlande blicken auf ihre gemeinsamen Anfänge zurück. Omrop Fryslân, RTV Noord und RTV Drenthe begehen das runde Jubiläum mit einer ganzjährigen Kooperationsinitiative unter dem Titel „Samen 80“. Vor acht Jahrzehnten begann die gemeinsame Rundfunkgeschichte der drei Provinzen, aus der die heutigen eigenständigen Rundfunkanstalten hervorgegangen sind.
Der offizielle Auftakt des Jubiläumsjahres fand mit einer fünfstündigen Visual-Radio-Sondersendung statt, die simultan im Hörfunk, im Fernsehen sowie über die digitalen Plattformen aller drei Sender ausgestrahlt wurde. Produziert wurde das Format historisch passend im Prinsenhof in Groningen, dem früheren Studiostandort der einstigen Ursprungsstation. Neben Musik aus allen drei Regionen lieferten gemeinsame Reporterteams Berichte aus dem Sendegebiet, während die Senderarchive für Hörerinnen und Zuschauer geöffnet wurden.
Die Zusammenarbeit der Sender erstreckt sich über das gesamte Jahr hinweg über verschiedene redaktionelle und programmliche Projekte. So realisierten die Stationen unter anderem eine gemeinsame Außenübertragung bei der traditionellen Wandertour der drei Provinzen in Bakkeveen. Im Herbst folgt eine zweiteilige Dokumentationsreihe, die sich redaktionell mit der Entwicklung und Relevanz des Regionaljournalismus von den Nachkriegsjahren bis heute auseinandersetzt und Fragen nach Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit thematisiert. Den musikalischen Abschluss bildet ein Gemeinschaftskonzert mit dem Noord-Nederlands Orkest in Drachten, bei dem typische Melodien und bekannte Sendertunes der drei Anstalten für ein großes Orchester neu arrangiert werden.
Die Verantwortlichen der Sender sehen in dem Jubiläum eine Bestätigung für die Bedeutung vernetzter Regionalberichterstattung. Für Marc Visch, Chefredakteur und Direktor von RTV Drenthe, zeigt das gemeinsame Vorgehen, wie stark regionale Medien sein können, wenn sie Kräfte bündeln. Ingrid Spijkers, Chefredakteurin von Omrop Fryslân, verweist auf die vielen gemeinsamen Themen der ländlich geprägten Nachbarregionen, während RTV-Noord-Chefredakteur Marcel Gelauff das Projekt als Gelegenheit begreift, das über Jahrzehnte Gewachsene sichtbar zu machen.
Historisch reicht die Entstehung des regionalen Rundfunks im Norden der Niederlande bis in das Jahr 1945 zurück. Nach der Befreiung bauten Groninger Studenten einen Sender für das örtliche Militärkommissariat auf. Daraus entstand am 19. Januar 1946 die Regionale Omroep Noord (RON), die von Groningen aus Sendungen in friesischer, groningischer und drentischer Sprache ausstrahlte. Nach Zwischenschritten als RONO und einer langen Phase unter dem Dach der nationalen Dachgesellschaft NOS erlangten die Sender mit der Reform des niederländischen Mediengesetzes ab 1989 ihre heutige, vollständig unabhängige Struktur.