
Spezialisierte Radioprogramme in der Schweiz verzeichnen ein deutliches Wachstum. Die zweite Messung der Branchenerhebung radio-data für das Jahr 2026 zeigt, dass sowohl die Gesamthördauer als auch die Anzahl der Kontakte bei den erfassten Nischen-, DAB+- und Webradios spürbar gestiegen sind. Damit positioniert sich dieses Segment zunehmend als eigenständiger Wachstumsmarkt, während klassische Vollprogramme im digitalen Audiomarkt eher Marktanteile abgeben müssen.
Intensivere Nutzung und längere Hördauer
Konkret stiegen die monatlichen Bruttokontakte der 23 publizierten Radioangebote im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 10,8 Prozent auf 3,90 Millionen an. Parallel dazu wuchs die rechnerische Gesamthördauer um 6,0 Prozent auf 3,79 Millionen Stunden pro Monat. Der Median der durchschnittlichen Verweildauer kletterte von 54 auf 57 Minuten.
Für Radiomacher und die Werbebranche sind diese Kennzahlen besonders relevant. Die Gesamthördauer macht sichtbar, dass auch Programme mit geringerer Flächenreichweite eine sehr intensive und kontinuierliche Nutzung aufweisen können. Zudem ermöglicht diese Metrik einen echten und transparenten Marktvergleich abseits reiner Einschaltimpulse.
Neuer Spitzenreiter und hohe Einschaltquoten
An der Spitze der Auswertung gab es im zweiten Quartal einen Wechsel. Das neu als vollständiges Netzwerk erfasste Angebot my105 löste Radio Tell ab und führt nun sowohl bei den Kontakten mit rund 1,08 Millionen als auch bei der Gesamthördauer mit 1,30 Millionen Stunden pro Monat. Auf dem dritten Rang folgt GDS.FM. Die Konzentration in diesem Marktsegment bleibt damit hoch, da diese drei grössten Anbieter zusammen 64,0 Prozent aller publizierten Bruttokontakte auf sich vereinen. Insgesamt konnten zwölf Sender Kontakte hinzugewinnen, während elf Stationen Einbussen verzeichneten.
Spannend für Programmverantwortliche ist der Blick auf die Verweildauer bei den kleineren Stationen. Hier führt Radio 2Go mit einer beeindruckenden durchschnittlichen Hördauer von 2 Stunden und 54 Minuten pro Nutzung das Feld an. Darauf folgen Hope Radio mit 1 Stunde 38 Minuten sowie Radio LoRa, Magic Radio und Radio Sense mit jeweils 1 Stunde 28 Minuten.
Die stärksten prozentualen Zuwächse bei der Gesamthördauer verbuchten diis Radio mit einem Plus von 163 Prozent, gefolgt von Radio LoRa und IP Music. Auch Powerup Radio konnte deutlich zulegen. Dem gegenüber stehen deutliche Rückgänge bei GVFM und Airzen Radio.
Transparenz durch hybride Messmethode
Die Datengrundlage für diese Auswertung liefert die von der UNIKOM gemeinsam mit Sotomo und UPLINK Digital entwickelte Methodik von radio-data. Dabei handelt es sich um die erste einheitliche, IP-basierte Reichweitenmessung in der Schweiz, die als Total-Audio-Werte hochgerechnet wird. Das Modell verknüpft vollständige Streaming-Logfiles der Server mit repräsentativen Umfragen. So kann die Nutzung über sämtliche Verbreitungswege wie UKW, DAB+, Streaming und TV realistisch abgebildet werden.
Da aktuell erst zwei Messwellen vorliegen, weisen die Initiatoren darauf hin, dass sich noch kein saisonbereinigter Trend ableiten lässt. Die detaillierten Resultate können von Brancheninteressierten auf der Website von radio-data eingesehen werden.