
Hinter den Kulissen des größten privaten Radioanbieters in Südtirol zeichnet sich eine weitreichende Veränderung ab. Die Gesellschafter der Funkhaus Südtirol GmbH, zu der die reichweitenstarken Sender Südtirol 1 und Radio Tirol gehören, stehen vor einer Entscheidung über die künftige Eigentümerstruktur. Da die im Gesellschaftsstatut festgeschriebene Laufzeit des Unternehmens ursprünglich Ende 2025 auslief, wurde die Fortführung vorerst nur provisorisch bis Ende März 2026 verlängert. Bis zu diesem Zeitpunkt soll nun geklärt werden, ob der Athesia-Konzern seine Anteile ausbaut oder sich gänzlich aus dem Unternehmen zurückzieht.
Die Funkhaus GmbH ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Südtiroler Medienlandschaft. Gegründet von Heiner Feuer und Karl Kleinrubatscher, entwickelte sich das Unternehmen mit Sitz in Bozen zu einem modernen Medienzentrum. Während die operative Führung und die redaktionelle Unabhängigkeit durch ein langjähriges Abkommen gesichert waren, hält die Athesia Druck GmbH seit rund zehn Jahren offiziell die Hälfte der Anteile. Das wirtschaftliche Fundament gilt als solide, was der Jahresgewinn von über 700.000 Euro aus dem Geschäftsjahr 2024 unterstreicht.
Innerhalb der Eigentümerfamilie Ebner, die den Athesia-Konzern steuert, scheint es jedoch unterschiedliche Ansichten über das weitere Engagement im Rundfunksektor zu geben. Während Michl Ebner stets das Ziel verfolgte, die Mehrheit am Funkhaus zu übernehmen, wird seinem Sohn und designierten Nachfolger Georg Ebner ein konkretes Interesse an einem Ausstieg nachgesagt. Georg Ebner wird die Führung des Konzerns offiziell im Juli 2026 übernehmen, womit die aktuelle Weichenstellung eine seiner ersten großen strategischen Entscheidungen markiert.
Für die Radiomacher Heiner Feuer und Karl Kleinrubatscher bedeutet die aktuelle Hängepartie auch eine Vorbereitung auf neue Konstellationen. Sie signalisierten bereits, dass sie bereit wären, die Anteile der Athesia vollständig zu übernehmen und das Funkhaus allein weiterzuführen. Nach eigenen Angaben gäbe es zudem bereits Angebote von weiteren potenziellen Partnern, die an einer Beteiligung interessiert sind.
Ein kritischer Punkt in der aktuellen Diskussion ist zudem die Transparenz der Geschäftsführung. Die Funkhaus GmbH hat seit zwei Jahren keine Bilanzen mehr beim Handelsregister hinterlegt, was in der Südtiroler Wirtschaftswelt für Gesprächsstoff sorgt. Da sowohl das Funkhaus als auch die Muttergesellschaft Athesia öffentliche Fördergelder beziehen, wird die fehlende Offenlegung der Finanzdaten in Branchenkreisen kritisch hinterfragt. Die endgültige Entscheidung über den Fortbestand der bisherigen Partnerschaft wird nun für Ende März erwartet.