
Die ARD-Popwellen gehen bei ihren gemeinsamen Abend- und Nachtsendungen den nächsten Schritt in der technischen Automatisierung. Ab dem 3. März 2026 wird in den Formaten Pop – Die Abendshow und Popnacht ein regionalisierter Wetter- und Verkehrsservice eingeführt. Bisher war es aufgrund der zentralen Moderation für acht verschiedene Wellen nur möglich, bundesweite Informationen auszustrahlen. Durch ein neues, KI-gestütztes System erhalten die Hörer nun zur vollen und halben Stunde passgenaue Meldungen für ihr jeweiliges Sendegebiet, die im gewohnten Sounddesign der jeweiligen Station klingen.
Für Radiomacher ist dabei besonders der technische und redaktionelle Workflow interessant. Die Inhalte werden weiterhin von Redakteuren in den Wetter- und Verkehrsredaktionen geprüft, geschrieben und den Regionen zugeordnet. Die KI fungiert hierbei lediglich als Werkzeug für die Sprachausgabe und darf Texte weder eigenständig verändern noch generieren. Zum Einsatz kommen Stimmen, die auf den Originalen der Moderatoren basieren und exakt auf das Klangbild von Wellen wie hr3, NDR 2 oder SWR3 abgestimmt sind. Um der journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen, wird jede dieser Ausspielungen transparent als KI-Produkt gekennzeichnet.
Die Entwicklung des Systems erfolgte ARD-intern durch eine Kooperation von SWR und WDR. Damit behält der Senderverbund die volle Kontrolle über die Daten und die verwendete Technik. In kritischen Situationen, wie etwa bei Geisterfahrer-Meldungen, wird die Automatisierung jedoch umgangen. In solchen Fällen übernimmt weiterhin die Live-Moderation aus dem Studio in Baden-Baden das Mikrofon, um unmittelbar und menschlich reagieren zu können.
Seit Anfang 2025 produzieren die acht beteiligten Popwellen ihre Abend- und Nachtstrecken gemeinsam, um Ressourcen effizienter zu nutzen. Mit der Einführung der regionalisierten KI-Elemente soll nun das Problem gelöst werden, dass nationale Gemeinschaftsprogramme oft den Bezug zur lokalen Hörerbindung verlieren. Das Projekt zeigt, wie öffentlich-rechtliche Sender versuchen, den Spagat zwischen zentraler Produktion und regionalem Kernauftrag durch technologische Unterstützung zu bewältigen.