
Während das Haus von Deutschlandradio in Berlin den Termin eher stillschweigend verstreichen ließ, wurde in Oberfranken die Geschichte eines der prägendsten Sender der deutschen Nachkriegszeit gefeiert. In Hof versammelten sich über 120 ehemalige Hörer und Wegbegleiter, um das 80. Gründungsjubiläum von RIAS Berlin zu begehen. Die Veranstaltung, organisiert vom Bund der Berliner und Freunde Berlins, verdeutlichte die tiefe emotionale Bindung, die der Sender insbesondere in den Grenzregionen hinterlassen hat.
Enge Verbindung zwischen Sender und Standort
Für die Stadt Hof spielte der RIAS eine besondere Rolle, da er über Jahrzehnte als mediales Schaufenster fungierte. Der Vereinsvorsitzende Jürgen Stader erinnerte während der Feier an die zahlreichen Live-Übertragungen, die direkt aus der Region kamen. Formate wie die „Europarade“ vom Theresienstein, Jugendpartys mit Live-Bands aus dem Festsaal oder die Magazinsendung „Rias aktuell – Rundschau am Morgen“ prägten das lokale Bewusstsein. Die tägliche Nennung der Hofer Frequenz im Programm wurde rückblickend als wertvolle Standortwerbung gewürdigt, die weit über die reine Informationsvermittlung hinausging.
Hörerbindung als Erfolgsrezept
Ein besonderer Gast der Feierlichkeiten war der langjährige Moderator Horst Wendt. Er betonte in seiner Ansprache, dass das Markenzeichen des Senders stets die intensive Nähe zum Publikum gewesen sei. Der Mensch habe im Mittelpunkt des Programms gestanden, was die bis heute anhaltende Identifikation der ehemaligen Hörer erkläre. Diese Verbundenheit zeigte sich auch darin, dass Gäste weite Anfahrten aus Städten wie Fürth oder Klingenthal auf sich nahmen, um gemeinsam in Erinnerungen an die Zeit vor der Einstellung des Sendebetriebs Ende 1993 zu schwelgen.
Ein singuläres Ereignis in der Radiolandschaft
Interessanterweise blieb die Feier in Hof die einzige ihrer Art zum 80. Jubiläum. Trotz der historischen Bedeutung des Senders für den demokratischen Rundfunk im Kalten Krieg gab es an den offiziellen Nachfolge-Standorten keine vergleichbaren Gedenkveranstaltungen. Lediglich eine bundesweit ausgestrahlte Reportage der Korrespondentin Susanne Lettenbauer griff das Ereignis auf und schlug so die Brücke von der oberfränkischen Provinz zurück in die nationale Radiolandschaft.