
Im Februar 2026 jährt sich ein entscheidendes Datum der deutschen Rundfunkgeschichte zum 80. Mal. Am 7. Februar 1946 nahm der RIAS seinen Betrieb auf, zunächst unter dem Namen DIAS als Drahtfunk im amerikanischen Sektor. Was als technisches Provisorium in der Trümmerlandschaft des Nachkriegsberlins begann, entwickelte sich schnell zu einer der einflussreichsten Radiostationen des 20. Jahrhunderts und prägte das Verständnis von modernem, journalistischem Hörfunk in Deutschland nachhaltig.
Die Gründung war eine direkte Reaktion auf die mediale Vorherrschaft der sowjetischen Besatzungsmacht, die den Berliner Rundfunk kontrollierte. Die US-Amerikaner setzten mit dem RIAS ein publizistisches Gegengewicht, das sich durch eine Mischung aus schneller Information, politischer Schlagkraft und hochklassiger Unterhaltung auszeichnete. Für viele Menschen in der DDR wurde der Sender über Jahrzehnte hinweg zur wichtigsten Brücke in den Westen und zur verlässlichen Informationsquelle jenseits der staatlichen Zensur.
Radiomacher schätzen den RIAS bis heute für seine Innovationskraft. Formate wie das Funkkabarett Die Insulaner oder das Klingende Sonntagsrätsel mit Hans Rosenthal setzten Maßstäbe in der Hörerbindung. Auch journalistisch ging der Sender neue Wege, etwa durch die Etablierung moderner Magazinsendungen und eine für damalige Verhältnisse ungewohnt lockere Moderation. Mit dem Slogan Eine freie Stimme der freien Welt wurde das Programm zu einem Symbol des Kalten Krieges, aber auch zu einem Laboratorium für das Radio der Zukunft.
Nach dem Mauerfall und der deutschen Einheit endete die Ära des RIAS als eigenständiger Sender. Am 31. Dezember 1993 wurde der Betrieb eingestellt, und die Station ging im neu gegründeten Deutschlandradio auf. Das markante Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz in Berlin-Schöneberg dient seitdem als Sitz von Deutschlandfunk Kultur. Auch wenn die Frequenzen längst neu belegt sind, bleibt der Geist des RIAS in der deutschen Radiolandschaft lebendig, nicht zuletzt durch die Fortführung einiger Traditionsformate und die fortbestehende RIAS Berlin Kommission, die den transatlantischen Austausch von Journalisten fördert.
Das 80. Jubiläum bietet der Branche nun Anlass, auf die Bedeutung von Staatsferne und journalistischer Unabhängigkeit im Rundfunk zu blicken. In einer Zeit des medialen Umbruchs erinnert die Geschichte des RIAS daran, welche Kraft das Radio entfalten kann, wenn es sich als glaubwürdige Stimme in gesellschaftlich bewegten Zeiten positioniert.