72 Stunden Stille: Massive Kritik nach UKW-Ausfall am Berliner Schäferberg

Ein langanhaltender Stromausfall in Berlin hat in den vergangenen Tagen deutliche Schwachstellen in der dortigen Rundfunkinfrastruktur offenbart. Am Sendestandort Berlin-Schäferberg fielen gleich drei UKW-Frequenzen für mehr als 72 Stunden aus. Betroffen waren die Frequenzen 89,2 MHz von Radio Potsdam, 90,7 MHz von Ella Radio sowie die 94,8 MHz des BBC World Service. Während der Ausfall für den internationalen BBC World Service ärgerlich war, traf es den Lokalsender Radio Potsdam besonders hart. Dem Sender wurde durch die tagelange Stille sein Hauptverbreitungsweg genommen, was für einen privaten Lokalradiosender eine existenzielle Herausforderung darstellen kann. Neben den UKW-Frequenzen waren am Schäferberg auch weitere Übertragungswege betroffen, die zur Versorgung der Bevölkerung beitragen.

Die Hintergründe, warum die Abschaltung über einen derart langen Zeitraum andauerte, bleiben teilweise unklar. Der zuständige Sendernetzbetreiber Media Broadcast ließ einen Fragenkatalog der radioWOCHE zu den Vorkommnissen bislang unbeantwortet. Dies sorgt für Spekulationen innerhalb der Branche, insbesondere da der Eigentümer der Infrastruktur eine funktionierende Notstromversorgung bestätigte. Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) erklärte auf Anfrage der radioWOCHE, dass der Fernmeldeturm am Schäferberg aktuell mittels einer Netzersatzanlage mit Strom versorgt werde. Diese Versorgung stehe sowohl für UKW als auch für DAB und DVB-T2 zur Verfügung. Dass trotz dieser theoretisch vorhandenen Notstromversorgung die drei spezifischen UKW-Sender tagelang schwiegen, wirft Fragen zur technischen Redundanz und dem Krisenmanagement vor Ort auf.

Deutliche Kritik an den Zuständen übt Michael Radomski, CEO der UPLINK Gruppe. Er bezeichnete den dauerhaften Ausfall von terrestrischem Rundfunk als inakzeptabel, unabhängig von der Reichweite oder Wichtigkeit der einzelnen Programme. Radomski betonte die originäre Aufgabe des Rundfunks im Krisenfall, die Bevölkerung zu informieren und zu beruhigen. Nach den Standards seines Unternehmens sei eine Wiederherstellung des Sendebetriebs normalerweise innerhalb von vier bis acht Stunden gewährleistet. Ein Ausfall über mehrere Tage sei für ihn völlig undenkbar, es sei denn, ein solcher Zustand werde bewusst in Kauf genommen. Radomski bot zudem an, die Planungs-Ressourcen seines Unternehmens zur Bewältigung komplexer technischer Herausforderungen zur Verfügung zu stellen. Der Vorfall am Schäferberg dürfte die Diskussion über die Ausfallsicherheit kritischer Infrastruktur im Rundfunksektor erneut entfachen.

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