radioWOCHE-Logo

Frequenzvergabe in Hof: Radio Euroherz und extra radio sollen künftig eigene Frequenzen erhalten

Es scheint eine endlose Geschichte zu sein: Das Frequenzsplitting zwischen Radio Euroherz und extra radio in Hof. Beide Sender teilen sich seit 1987 eine UKW-Frequenzkette für die Stadt und den Landkreis Hof, sowie den Landkreis Wunsiedel. Radio Euroherz sendet die meiste Zeit auf der UKW-Frequenz 88,0 MHz und zwei zusätzlichen Stützfrequenzen, lediglich von 12.00-18.00 Uhr, also für sechs Stunden täglich, ist hier extra radio zu hören.

Und genau das ist seit Jahren Streitthema der beiden Radioveranstalter. Denn beide möchten gerne 24 Stunden über UKW senden. Der Streit wurde in den letzten Jahren bei nahezu jeder Lizenzvergabe vor Gericht entschieden, nicht etwa bei der für Lizenzvergaben zuständigen Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

So wollte die BLM erstmals im Juni 1992, rund 5 Jahre nach dem Sendestart von Radio Euroherz und extra radio, beide Sender zwingen sich in einer Veranstaltergemeinschaft zusammen zu tun und nur noch ein gemeinsames Programm auszustrahlen. Extra radio sollte damals Minderheitsgesellschafter in der Anbietergemeinschaft werden. Gegen die “feindliche Übernahme” klagte extra radio jedoch erfolgreich vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, wogegen die BLM erfolgreich Verfassungsbeschwerde beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof einlegte. So sollte extra radio am 01. Mai 1994 erneut zur Abschaltung gezwungen werden. Der Streit ging bis zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe, wo zunächst einem Eilantrag stattgegeben wurde und später, im Jahr 1998 endgültig zugunsten von extra radio entschieden wurde. Es blieb bei dem Frequenzsplitting, allerdings ohne Lizenz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Das war ein Novum in der deutschen Radiolandschaft, erstmals sendete ein Radiosender mit richterlicher Genehmigung aber ohne Lizenz einer Landesmedienanstalt.

Funkhaus von extra radio 88.0 Foto: radioWOCHE

Funkhaus von extra radio 88.0
Foto: radioWOCHE

Im Jahr 2004 bekam extra radio dann, nach 10 Jahren Rechtsstreit, erneut eine Lizenz der BLM. Das damals genehmigt Frequenzsplitting hält bis heute an. Im Jahr 2012 kam allerdings erneut Bewegung in den Streit, so wollte die Bayerischen Landeszentrale für neue Medien das Frequenzsplitting durch eine Neuausschreibung des Sendegebietes aufheben. Wie es in den Ausschreibungsunterlagen heißt soll es künftig nur noch einen Anbieter auf der UKW-Frequenzkette der 88,0 MHz geben, einen zweiten könnte es auf der von Radio Galaxy genutzten Frequenzkette geben. In der Ausschreibung wurde sehr deutlich gemacht, dass sich beide Programme mit jeweils unterschiedlichen programmlichen Schwerpunkten voneinander zu unterscheiden haben. So konnte man davon ausgehen, dass damit nicht nur das Frequenzsplitting zwischen Radio Euroherz und extra radio aufgehoben werden soll, sondern dass auch nur noch einer der beiden eine Lizenz bekommen wird. Als Programm mit einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt galt Radio Galaxy als gesetzt.

Foto_Funkhaus_Radio_Euroherz

Funkhaus von Radio Euroherz Foto: radioWOCHE

Überraschenderweise gingen daher auf die Ausschreibung der BLM vier Bewerbungen ein. Radio Euroherz bemüht sich um die Frequenz 88,0 MHz und möchte sein Schwesterprogramm Radio Galaxy auch über die bisher genutzten Frequenzen ausstrahlen. Auch extra radio hat sich auf die UKW-Frequenz 88,0 MHz beworben und als Zweitprogramm einen Jugendsender unter dem Namen phatFM ins Rennen geschickt. Allerdings legte extra radio Wert darauf, den Jugendsender aus wirtschaftlichen Gründen nur zu starten, wenn Sie auch auf der Hauptfrequenz erfolgreich zum Zuge kommen würden.

Damit stand die BLM erneut vor dem gleichen Problem wie bei den vorherigen Ausschreibungen. Da aber ein Splitting laut dem Ausschreibungstext künftig nicht mehr möglich sein wird, muss die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) eine Entscheidung treffen.

Am Donnerstag in dieser Woche soll der Medienrat nun eine Entscheidung fällen. Nach radioWOCHE Informationen wird dem Medienrat vorgeschlagen, ab der Einführung von Digitalradio in Oberfranken auf das Frequenzsplitting zu verzichten. Demnach soll spätestens ab dem Jahr 2016 Radio Galaxy Hof auf den neuen Übertragungsstandard DAB+ wechseln. Im Gegenzug erhält extra radio die UKW-Frequenzen von Radio Galaxy für ein 24-Stunden-Programm und Radio Euroherz kann auf der angestammten UKW-Frequenz 88,0 MHz 24 Stunden täglich senden. Bis dahin soll alles beim Alten bleiben.

Sollte der Medienrat dem zustimmen, wird auch diese Lizenzvergabe ganz sicher für Zündstoff sorgen und vor Gericht enden. Schließlich gibt es dann zwei private Lokalradios mit ähnlicher Zielgruppe die gegeneinander antreten müssen. Radio Euroherz hätte hier die größeren Vorteile durch die bessere und zudem angestammte Frequenzkette. Extra radio müsste von vorne anfangen und auf die unattraktivere Frequenzkette ausweichen. Ganz zu schweigen von den Hörerprotesten die durch die Abschaltung von Radio Galaxy zu erwarten sind.

Zu wirtschaftlichem Erfolg konnte die zweite UKW-Frequenzkette bisher jedoch noch mit keinem 24 Stunden Privatradio geführt werden. So wurde beispielsweise HO*T FM aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt und auch Radio Galaxy kommt nur zeitweise aus Hof, das Mantelprogramm wird hier größtenteils aus Regensburg zugeliefert. Ob das vom Medienrat bei der Vergabe berücksichtigt wird bleibt abzuwarten.

Das könnte dir auch gefallen...