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Blockchain in der Musikindustrie: Hype oder Chance?

Die Blockchain ist vor allem durch den Handel mit den Kryptowährungen bekannt geworden. Anders, als es bei herkömmlichen Systemen funktioniert, sorgt die Blockchain dafür, dass die Kryptowährung direkt vom Absender beim Empfänger landet, und zwar ohne jeden sonst üblichen Umweg über eine Zwischeninstanz.

Foto: Marcela Laskoski

Das sorgt unter anderem auch für die Popularität der Kryptowährungen, da so das Kryptowährungen kaufen zu einer sicheren Angelegenheit wird. Die Besonderheit der Blockchain ist, dass es sich hier um ein dezentrales Netzwerk handelt, das Lösungen anbietet, die zentrale Netzwerke so nicht erreichen können.

Die Blockchain und was dahintersteckt

Um die Technologie hinter der Blockchain besser verstehen zu können, muss man sich die Funktionsweise einmal näher anschauen. Anhand eines Beispiels soll diese verdeutlicht werden. Häufig werden via WhatsApp Nachrichten versendet. Eigentlich geht man davon aus, dass diese Nachricht direkt dem Empfänger zugestellt wird.

Da es sich hier aber um ein zentrales Netzwerk handelt, funktioniert das eben nicht so. Hier gelangt die versendete Nachricht zunächst zum Anbieter, also zu WhatsApp, einen Teil der großen Facebook-Familie. Hier wird sie verarbeitet, gespeichert und erst dann wird sie zum Empfänger weitergeleitet.

Hier liegt das eigentliche Risiko, das alle zentralen Netzwerke in sich bergen. Da die Daten zunächst beim Betreiber landen, stehen diese Daten dem Betreiber nun rein theoretisch zu Verfügung. Auch Banken gehören zu den zentralen Netzwerken, nur deshalb es auch überhaupt möglich, dass diese Institutionen in der Lage sind, Überweisungen zu stoppen oder Konten zu sperren.

Schnell drängt sich an dieser Stelle die Frage bezüglich der Sicherheit zentraler Netzwerke auf. Ist es überhaupt möglich, hier einen Datenmissbrauch zu verhindern und die Datensicherheit zu garantieren? Nein, genau das ist nicht möglich.

Wer sich noch an die Affäre um Wikileaks erinnert, der wird noch wissen, dass die Banken kurzerhand einfach die Spendenkonten eingefroren haben. Bei einem dezentralen System wie der Blockchain ist so etwas vollkommen unmöglich. Das wusste auch Wikileaks und bat daher schon damals seine Unterstützer darum, künftige Spenden nur noch in Bitcoin zu tätigen.

Würde die WhatsApp Nachricht nun mit Hilfe der Blockchain Technologie versandt, sähe die Situation so aus: Die Nachricht landet nicht auf dem Server des Betreibers. Genau genommen landet die Nachricht hier direkt beim Empfänger. Damit sorgt ein dezentrales Netzwerk mit der dahinterstehenden Blockchain Technologie für das sicheres Versenden von Daten aller Art.

Die Blockchain ist für viele Bereiche geeignet

Aus gutem Grund ist die Blockchain Technologie auch für viele andere Bereiche neben den Kryptowährungen sehr interessant, da hier ganze Prozesse automatisiert werden. Die Gefahr einer Datenmanipulation besteht hier nicht.

Gerade für die Musikindustrie ist die Blockchain Technologie sehr interessant, denn hier handelt es sich um einen gigantischen Apparat. Zur Musikproduktion gehören der Vertrieb sowie die Rechteverwaltung, riesige Labels und stets geht es um das Verteilen von Geldern. Dieser ganze Apparat könnte durch die Blockchain ersetzt werden. Hier könnte das Prinzip vieles verkürzen und vor allem deutlich transparenter machen.

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Musikindustrie

Gerade in der Musikindustrie hat die fortschreitende Digitalisierung bereits für viele Veränderungen gesorgt. Denkt man hier nur einmal kurz an die die Einführung von MP3 oder Napster und die Möglichkeit des Streamings.

Das Start-Up „Peertracks“ des 30-jährigen Kanadiers Cobban setzt auf die Blockchain. Die Technologie ist hier die Gleiche, die auch hinter der Kryptowährung steht. Mit der Umsetzung seiner Idee möchte er so endlich das weltweite Chaos rund um die Lizenzen und Rechte beenden.

Allein die Rechte an einem Musikstück sind für gewöhnlich mit einer ganzen Reihe von Komplikationen verbunden. Hier teilen sich sehr viele Anteilseigner gemeinsam die Rechte.

Möchte man beispielsweise einen Klingelton oder das Original Musikstück erwerben, können hier schon deutliche Unterschiede bestehen, wer nun hier der Rechteinhaber ist.

In der Musikproduktion verhält es sich in der Regel so, dass die Musik fast nie nur einer Person gehört. Zwar kann der Startup Gründer an dieser Tatsache natürlich nichts ändern, aber er könnte mit der Umsetzung seiner Idee dafür sorgen, dass die Bezahlmodalitäten sowohl deutlich einfacher werden als auch sehr viel transparenter werden. Hier könnte leicht aufgeschlüsselt werden, wer welche Rechte innehat.

Das könnte sich ändern

Noch sind sowohl die Labels als auch die vielen Mittelsmänner als Rechteverwalter unverzichtbar. Ohne sie wäre es im Grunde nicht mehr möglich, zu ermitteln, wem welche Rechte gehören. Die Blockchain Technologie allerdings würde diesen komplexen Apparat auf einen Schlag vollkommen überflüssig machen.

Nicht nur das Außerkraftsetzen dieser undurchsichtigen Verwaltung von Rechten und der Vielzahl von Mittelsmännern wäre die Folge des Einsatzes der Blockchain. Darüber hinaus würde die Technologie auch endlich für die gewünschte Manipulationssicherheit sorgen.

Gemeinsam mit seinem Mitgründer Eddie Corrals plant Cobban, eine Online-Plattform für Musiker und Fans zu schaffen. Dabei soll es sich um eine Mischung aus Spotify, iTunes und Crowdfunding-Seite handeln.

Sicherheit und Transparenz

Die Blockchain Technologie ist vor allem durch die digitale Kryptowährung Bitcoin bekannt geworden. Stark vereinfacht formuliert handelt es sich hier um ein riesiges digitales Kontobuch, bei dem Manipulationen beinahe unmöglich sind. Die unterschiedlichsten Transaktionen sind in diesem Kontobuch festgehalten.

Da die Blockchain dezentral und transparent ist, können sämtliche Transaktionen nachvollzogen werden. So können auch Parteien, die sich nicht kennen, eine sichere Transaktion abschließen. Und so lässt sich das auch in der Musikindustrie umsetzen, so dass aufgrund der zuvor erfassten Rechte an einem Musikstück anschließend die Tantiemen nach einem festgelegten Schlüssel automatisch verteilt werden können.

Die Funktionsweise der Transaktionen

Bei dem überwiegenden Teil der heutigen Geldtransaktionen treten die Banken oder auch PayPal als zentraler Vermittler auf. Hier garantiert der Vermittler die Identität des Kontoinhabers und als Institution schafft der Vermittler gleichzeitig das Vertrauen zwischen den Parteien.

Zukünftig sollen genau diese Aufgaben von der Software übernommen werden, da die Blockchain-Architektur auch in anderen Bereichen und nicht nur bei der digitalen Währung ihren Einsatz finden kann. Dadurch würden die Abläufe nicht nur sehr viel schneller, sondern vor allem auch unkomplizierter und transparenter.

Langfristig kann die Blockchain Technologie viele alte Geschäftsmodelle überholen, oder diese zumindest stark herausfordern. Banken würden durch den Einsatz einer Blockchain überflüssig. Eine dritte Instanz gäbe es dann nicht mehr. Aus diesem Grund würden die Abläufe sowohl schneller als auch günstiger sein. Das Gleiche würde auch für die Musikindustrie gelten. Hier würden sowohl die Mittelsmänner als auch die Label überflüssig werden.

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