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Yvonne Malak: Die Top 3 Regeln für Team-Moderationen

und warum Klappe halten manchmal die beste Idee ist

Für einen klaren Rahmen, eine verlässliche Struktur und eine gute Orientierung für den Hörer (und damit mehr Identifikationspotential!), empfehle ich in Morgenshows und bei anderen Team-Moderationen diese drei einfachen Grundregeln:

Regel Nummer 1:
eine Person führt die Show und sorgt für die Orientierung. „Führen“ bedeutet dabei manchmal auch „nur den Rahmen setzen“.  Auch wenn die Redeanteile paritätisch aufgeteilt sind, ist es wichtig, der Show eine klare Struktur zu geben.

Regel Nummer 2:
Der Anchor repräsentiert die Werte des Senders. Deshalb sind grundlegende Markenkerne wie die Musik und deren „Verkaufe“ sowie das Durchführen einer Major Promotion also – in der Regel ­– „Anchor- Job“.

Regel Nummer 3:
Redeanteile sind nicht nach Prozenten aufgeteilt, sondern nach Logik – es muss immer selbsterklärend sein, wer was warum macht. Die Themenkompetenz für die einzelnen Punkte ergibt sich aus den Charaktermerkmalen der Protagonisten oder dem Verhältnis der Akteure untereinander (Beispiel: „Junger Hüpfer vs. erfahrene Frau“): So kann es mal passieren, dass in einer Show 80 Prozent der Redeanteile auf den Anchor entfallen, in der nächsten Sendung aber einer der Co-Stars den Großteil des Wortes in der Sendung bestreitet.

Morgenshows, in denen beide Moderatoren gleichberechtigt sind und es keinen klaren Anchor gibt, gibt es (meist) nur scheinbar. „Böttcher und Fischer“ gaben der Show (u.a. bis 2018 bei R.SA in Sachsen) zwar beide ihren Namen und Böttcher stand sogar an erster Stelle. Wer die Show kannte, weiß aber, dass Fischer der „Chef“ war  und Böttcher „der Gehilfe“. Beide waren gleich wichtig für das Gelingen der Show, aber beide hatten ganz unterschiedliche Rollen und Kompetenzen.

Auch in anderen Shows mit scheinbar gleichberechtigten Personalitys setzt meist einer die Leitplanken. (Wenige) Ausnahmen bestätigen die Regel.

Einer meiner am häufigsten gebrauchten Sätze im Morningshow Coaching lautet: „Co-Moderation ist nicht das abwechselnde Vorlesen von Sätzen“.

Es gibt kaum etwas alberneres als eine Moderation, in der z.B. der Anchor das Thema „Frühlings-Diät“ einfliegt, Co-Star Eins die Anzahl der Frauen nennt, die jedes Jahr mindestens eine Diät machen und Co-Star Zwei dann drüber spricht, welcher Promi welche Lieblingsdiät hat. Beim Design eines solchen Breaks sollte man sich zuerst fragen: „Wer kennt das Thema aus eigener Erfahrung?“. Derjenige präsentiert es – idealerweise über einen persönlichen Zugang. Wichtig ist auch, Charaktere nicht zu verwässern. Wer sich nicht für Promis interessiert und deshalb in der Show nicht für diesen Themenkomplex steht, kann nicht plötzlich über die „Diäten der Stars“ Bescheid wissen.

Es muss auch nicht immer jeder in jedem Break vorkommen. Gerade bei Dreier-Konstellationen ist die „Bauerntheater Gefahr“ groß, wenn die Breaks so aufgeteilt werden, dass möglichst jeder einmal etwas zu sagen hat. Nehmen wir folgende Konstellation: männlicher Anchor, verheiratet, Co-Star Eins ist weiblich in fester Beziehung, Co-Star Zwei ist Dauer-Single. Das Thema ist der Streit um die herumliegenden Socken. Sidekick zwei könnte vielleicht etwas dazu beitragen. Muss aber nicht.

Wer keinen neuen, anderen Aspekt beizutragen hat, der das Thema weiterbringt, wer dem Thema nicht nützt, der ist raus aus dem Break. Oder agiert maximal aus dem Hintergrund als „aktiver Zuhörer“ mit kleinen Kommentaren oder den Fragen, die der Hörer sich gerade stellt.

Shows, die Breaks auf eine logische Zuordnung der Redeanteile überprüfen und gleichzeitig kein Problem damit haben, wenn nicht jeder in jedem Break vorkommt, vermeiden den Sound einer Laienschauspielgruppe und klingen authentischer. Auch wenn Moderatoren sich eher zum Reden als zum Schweigen berufen fühlen, gilt hier: einfach mal die Klappe halten (P.S.: Die entsprechenden Hater-Kommentare zum Zitat „Klappe halten“ in den sozialen Medien bitte einfach weglassen. DAS ist jetzt echt ZU platt…).

Herzlichst,
Ihre
Yvonne Malak

Yvonne Malak
Die Morgenshow
256 Seiten, 17 Abb., Broschur
ISBN 978-3-86962-431-0
24,00 € Herbert von Halem Verlagsgesellschaft
https://www.halem-verlag.de/die-morgenshow/

www.my-radio.bizYvonne Malak ist Radioberaterin und berät eine Vielzahl von Radiostationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Yvonne Malak schreibt monatlich für die radioWOCHE. Die nächste Ausgabe erscheint am 01. März 2020.

Alle bisher veröffentlichten Publikationen von Yvonne Malak finden Sie auch unter www.my-radio.biz/category/publikationen/radiowoche/

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