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Wer macht was warum? Die Basis für Charaktere und Rollen in der Morgensendung

Die Charaktere einer Morgensendung sind einer der Hauptfaktoren für deren Erfolg. Damit ein Charakter in seiner Rolle stimmig ist, müssen alle Breaks und Inhalte „organisch“ entstehen.

Es muss also immer klar sein: wer macht was warum?

Diese Frage – wer macht was warum? – ist die Überschrift vieler erster Morgenshow-Coachings. Erst, wenn das geklärt ist, kann man an der Weiterentwicklung der Show arbeiten. Oft ist vielen Machern und Moderatoren aber gar nicht bewusst, wie wichtig Klarheit darüber ist…

…wie in diesem Beispiel aus einem breiten AC Format. Zielgruppe: 30 – 59.
Die Morgenshow besteht aus einem männlichen Anchor ca. Mitte 40 (nennen wir ihn Lukas) und einem weiblichen Sidekick ca. Mitte 20 (nennen wir sie Luise). In diesem Beispiel führt Anchor Lukas im Showopener um 6 Uhr die Personen ein und teast eine Comedy. Sidekick Luise teast im selben Opener zwei Hits – einen aus den 80ern, einen aus den 90ern. Eine Stunde später, im 7 Uhr Showopener führt der Anchor die Personen ein, der Sidekick teast ein Gewinnspiel, der Anchor die Musik. Um zehn nach sieben erklärt Lukas dann das Gewinnspiel. Danach verkauft Luise den nächsten Song.

Auf meine Frage, warum das hier so gemacht wurde, sagte der Anchor: „damit Luise auch mal zu Wort kommt“. (Super war auch die Antwort eines anderen Morgenshowanchors auf eine ähnliche Frage: „Der Chef hat gesagt, es sollen alle mal was sagen“)

Für mein Verständnis einer Personality- orientierten Morningshow mit unterschiedlichen Charakteren (Luise, weiblich, Mitte 20, Lukas, männlich, Mitte 40) müsste erstmal geklärt werden, wer was warum macht. Daraus ergeben sich dann (fast) alle weiteren Breaks organisch. Einige Grundregeln helfen dabei:

Wichtigste Grundregel:
eine Person führt die Show und sorgt für die Orientierung.

Zweitwichtigste Grundregel:
der Anchor repräsentiert die Werte des Senders.

Drittwichtigste Grundregel:
Redeanteile sind nicht nach Prozenten aufgeteilt, sondern nach Logik – es muss immer selbsterklärend sein, wer was warum macht.

Um einen Einwand gleich vorweg zu nehmen: Morningshows, in denen beide Moderatoren gleichberechtigt sind, gibt es (meist) nur scheinbar. „Böttcher und Fischer“ geben der Show zwar beide ihren Namen und Böttcher steht sogar an erster Stelle. Wer die Show kennt, weiß aber, dass Fischer der „Chef“ ist und Böttcher „der Gehilfe“. Beide sind gleich wichtig für das Gelingen der Show, aber beide haben ganz unterschiedliche Rollen und Kompetenzen. Auch in anderen Shows mit scheinbar gleichberechtigten Personalitys setzt meist einer die Leitplanken. (Wenige) Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wenn wir also davon ausgehen, dass es – gerade bei neuen Shows – Sinn macht, dass einer die Show führt und die Werte des Senders repräsentiert, ergeben sich viele Moderationen automatisch. Der Anchor teast z.B. die Major und verkauft die Musik.

„Dann sagt Luise aber manchmal gar nichts, außer vielleicht ‚Guten Morgen’“. Na und?

Seit wann wird eine Moderation besser und eine Show authentischer, weil einer etwas sagt, nur damit er auch mal was sagt… Irgendwann kommt der Tag, da sprechen wir über gefährliche Hobbys und Luise kann von ihrer Leidenschaft, dem Boxen, erzählen und den Wortanteil der Show klar dominieren.

Lukas ist mit der Musik der 80er und 90er Jahre aufgewachsen UND er ist der Anchor. Es ist also in dieser Konstellation doppelt unlogisch, dass Luise die Musik verkauft.

Jeder Moderator hat authentische Charaktermerkmale, die wiederum zu Themenkompetenzen führen. Wenn man Themen über diese natürlichen Charaktermerkmale „einfliegt“, entstehen Breaks organisch und klingen authentisch, für den Hörer wird geklärt, wer macht was warum, die Moderatoren bekommen ein Profil und sind auf dem besten Weg, das zu werden, was sie sich wünschen: authentische Persönlichkeiten.

In diesem Sinne: guten Start in’s neue Jahr!
Ihre
Yvonne Malak

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www.my-radio.bizYvonne Malak ist Radioberaterin und berät eine Vielzahl von Radiostationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Yvonne Malak schreibt monatlich für die radioWOCHE. Die nächste Ausgabe erscheint am 01. Februar 2017.

Alle bisher veröffentlichten Publikationen von Yvonne Malak finden Sie auch unter www.my-radio.biz/category/publikationen/radiowoche/

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