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Schottisches Unabhängigkeitsreferendum: BBC, SBS oder beides

Schottland hat gewählt, die Wahlbeteiligung ist hoch – nach 47,9 % Wahlbeteiligung in Brandenburg am Sonntag, schwindelerregend hoch,  zwischen 80 und 90 Prozent der Schotten waren heute in den Wahllokalen. Das Ergebnis wird erst in den Morgenstunden erwartet. Doch was würde sich in Falle einer schottischen Unabhängigkeit im Radiobereich ändern?

Eigene Rundfunkanstalt für Schottland
Schottland soll nach dem Willen der Unabhängigkeitsbefürworter rund um die Regierungspartei SNP eine eigene öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt erhalten. Der Scottish Broadcasting Service (SBS) würde aus BBC Scotland, dem schottischen Arm der BBC, entstehen. SBS soll einen Fernsehkanal und ein Radioprogramm betreiben. Die neue Sendeanstalt, deren Start für 2017 geplant ist, würde auch die bisherigen schottischen BBC-Radioprogramme Radio Scotland und das gälische Radio nan Gàidheal übernehmen. Der TV-Kanal BBC Alba ist aktuell noch eine Kooperation zwischen BBC Scotland und der schottischen Regierung, er würde ebenfalls bei SBS angesiedelt.

Weiterhin BBC-Programme in Schottland?
Die schottische Regierung verspricht, dass die Schotten nicht auf die anderen BBC Radio- und Fernsehprogramme verzichten müssen. Das wäre aber Gegenstand von Verhandlungen. Und ob die von der SNP erhoffte Kooperation zwischen SBS und der BBC zustande kommen würde ist völlig offen. Denkbar ist, dass SBS Lizenzgebühren an die BBC für die Übernahme von Sendungen zahlen muss, das Nein-Lager der Unabhängigkeitsgegner hat schon mal das Schreckgespenst eines BBC Pay TV für Schottland an die Wand gemalt.
Als Finanzausstattung für die neue Rundfunkanstalt sieht die schottische Regierung 345 Millionen Pfund im Jahr vor. 320 Millionen Pfund würde der schottische Anteil an den Rundfunkgebühren beisteuern, 13 Millionen kämen aus dem schottischen Anteil an den Erträgen der kommerziellen BBC-Sparte und 12 Millionen Pfund von der Regierung in Edinburgh, diese Summe stellt sie bisher für gälische Sendungen zur Verfügung.  Auch wenn die SNP genüsslich vorrechnet, dass das Budget von BBC Scotland nach der nächsten Sparrunde 2016 auf nur noch 175 Millionen Pfund im Jahr fallen wird. Die schottischen Rundfunkgebühren würden der klammen BBC fehlen, mit der man ja weiterhin kooperieren will. Auch die Finanzbeziehungen wären also am Ende Gegenstand komplizierter Verhandlungen, Entflechtungen und Gegengeschäften.

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