Inseltalkradio: Radiosender aus La Réunion fasziniert US-Medien

Radio Freedom von der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion im Indischen Ozean hat es in den vergangenen Wochen in die internationale Presse geschafft. Der Sender meldete als Erster, dass an der Küste des Eilands mutmaßliche Wrackteile der vermissten MH370-Maschine angespült wurden. Der Mann, der die Trümmerteile entdeckte, informierte sofort das Lokalradio über seinen Fund.

Das „Wall Street Journal“ hat sich Radio Freedom deshalb etwas genauer angeschaut und ist fasziniert von diesem rund-um-die Uhr Talkformat. Gegründet wurde das erste Privatradio der Insel 1981 von Camille Sudre. Das Konzept ist eigentlich ganz einfach, wie das „WSJ“ ausführt – die Hörer sind die Stars. Die Bewohner Réunions rufen kontinuierlich beim Sender an und reden über alles was ihnen in den Sinn kommt – entlaufene Haustiere, Öffnungszeiten von Geschäften, wichtigere oder unwichtigere Nachrichten, Notrufe, Beschwerden über Politiker, Nachrufe, Fundsachen, Warnungen vor Vulkanausbrüchen. Also einfach alles, was die rund 800.000 Einwohner umfassende Inselcommunity mitten im Indischen Ozean bewegt. Dazu gibt es eine äußerst erfolgreiche Datingsendung.

Keine Musik, wenig Jingles, kurze Nachrichten vom französischen Europe 1 und Werbung. Mehr eine Community, Gesprächsforum oder ein analoges Social Network, als ein reines Radio. Das ist seit über 30 Jahren das Erfolgsrezept von Radio Freedom. Der Sender wurde so zu einer Institution auf der Insel und ist mit über 30% Marktanteil seit Jahren unangefochtener Marktführer im durchaus umkämpften Radiomarkt, auf dem sich gleich mehrere Privatradios tummeln. Trotzdem liegt Radio Freedom auch deutlich vor seinem öffentlich-rechtlichen Mitbewerber Réunion 1ère. Durch seine enge Verbindung zur Hörerschaft hat es sich zur ersten Newsquelle in dem kleinen Gemeinwesen entwickelt.

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