Radionachrichten aus Südost-, Ost- und Nordeuropa

Bulgarisch-türkisches Regionalradio geht trotz Protesten auf Sendung
eulogo_bnrAm 9. Mai, dem Europatag, startet der bulgarische Rundfunk offiziell sein neuntes Regionalprogramm. Radio Kardzhali wird die gleichnamige Provinz an der Grenze zu Griechenland versorgen. Zu Beginn soll es täglich drei Stunden Regionalprogramm in Bulgarisch geben. Zusätzlich werden zum Start drei Stunden türkisches Programm vom Auslandsdienst Radio Bulgarien übernommen. Die türkische Minderheit macht 66% der Bevölkerung in der Provinz aus. Rechte Parteien hatten wegen der türkischen Sendungen immer wieder versucht den ursprünglich schon für den Jahresanfang geplanten Sendestart mit Klagen zu stoppen. Bis 2019 sollen die regionalen Inhalte auf 18 Stunden anwachsen. Die 1994 wiederaufgenommen türkischen Programme von Radio Bulgarien sendeten früher über die Mittel- und Kurzwelle und im OIRT-Band. Ende 2014 stellte der Bulgarische Rundfunk die Mittelwellenverbreitung teilweise ein. Seitdem laufen die türkischen Programme nur noch auf der Mittelwelle 576kHz aus Vidin und in den Hauptsiedlungsgebieten als UKW-Sendefenster, u.a. auf einer UKW-Frequenz in Schumen als Fenster beim landesweiten Programm Horizont. Rund 30 Prozent der Bevölkerung in Schumen gehören zur türkischen Minderheit.

krimtatKrimtatarensender gestartet
Der Sendestart des staatlichen, Kreml-treuen Radioprogramms für die Minderheit der Krimtataren ist am 21. April erfolgt. Der Tag wird seit der russischen Annexion als Gedenktag für die während der Stalinzeit deportierten Minderheiten auf der Krim begangen und inszeniert. Das oberste Gericht der Krim hat unterdessen die Selbstverwaltung der Krimtataren, Mejlis, wegen „Extremismus“ verboten. Die Selbstverwaltung hatte sich im Konflikt 2014 auf die ukrainische Seite gestellt. 2015 hatte Russland der Sendergruppe der Krimtataren die Sendelizenz entzogen und ersetzt sie nun durch das staatliche Programm.

Polen: Namensänderung bei Regionalradio in Stettin
Das Zweitprogramm des Polskie Radio-Regionalsenders aus Stettin hat seinen Namen geändert. Aus Radio 94!4fm wurde Mitte April Radio Szczecin Extra. Der Schritt war erwartbar, sendet das Programm doch schon seit Herbst 2014 nicht mehr auf der namensgebenden UKW-Frequenz 94,4 MHz, sondern ausschließlich via DAB+ und Internet. Im Sommer 2015 hatte die Medienanstalt bereits grünes Licht für eine Namensänderung gegeben.

Polen: UKW-Frequenzen in Ausschreibung
Aktuell befinden sich zwei UKW-Frequenzen in Swinemünde/Świnoujscie auf Usedom (89,2 und 99,5 Mhz) in Ausschreibung. Auch in Myślibórz/Soldin (97,4), nahe der brandenburgischen Grenze, ist eine Frequenz verfügbar. Weitere Frequenzen sind in Danzig (87,8 MHz – für ein Programm für Hörer 50+), Koszalin/Köslin (94,7 MHz), Częstochowa/Tschenstochau, Włocławek, Płock, Lubaczów, Ostrzeszów, Braniewo/Braunsberg, Kutno, Kielce und Mielec in Ausschreibung.

Tschechische Radiogruppe expandiert
Die tschechische Radiogruppe Media Bohemia (Hitradio, Fajn Radio, Rock Radio, Radio Blanik u.a.) will 33% am nordböhmischen Rocksender Gama Radio übernehmen. Ein entsprechender Antrag liegt der Medienanstalt vor. Media Bohemia betreibt mit Rock Radio bereits ein Rockformat. Ob hinter dem Einstieg weitere Pläne stehen könnten, bleibt aktuell unklar.

Ungarn: Zwei neue Sender für Budapest
Auf 105,9 MHz in Budapest ist mittlerweile Karc FM gestartet – ein konservatives, regierungsnahes Talkradio. Der Sender kooperiert mit der konservativen Tageszeitung „Magyar Idők“, sein Slogan laut übersetzt in etwa der Sender, „der ein Zeichen setzt“. Auf der Budapester 95,8 MHz kann künftig Rádió Rock senden, der Start ist im Laufe des 1. Halbjahrs geplant. Noch in Ausschreibung sind die 88,8 MHz und 96,4 MHz. Mária Radio und DJ FM (18-35, Musikformat) sind die verbliebenen Bewerber.

Literaturradio in Moskau gestartet
In Moskau ist am 24. März das 2015 lizenzierte Literaturradio „Radio Kniga“ auf der neuen UKW-Frequenz 105,0 MHz gestartet. Der Sender, der schon länger in Wolgograd sendet, hat sein Format erneuert. Im Programm wird es u.a. Lesungen von Passagen aus Werken der Literaturgeschichte, aber auch Musik geben. In Moskau konkurrieren um die 50 UKW-Radiostationen miteinander. Wie die Neustarts und Relaunches von Radiosendern in den letzten beiden Jahren zeigen, tun sich neue Programme äußerst schwer in Moskau Fuß zu fassen.

Georgien: Orthodoxer Sender künftig landesweit auf UKW
Radio Iveria, der Sender der orthodoxen Kirche in Georgien, hat Anfang des Jahres eine neue UKW-Lizenz erhalten. Radio Iveria sendet bereits in Tiflis, Gori, Poti und Zugdidi, die neue Lizenz umfasst nun 13 weitere Frequenzen in Georgien (Batumi u.a.). Iveria ist der griechisch-römische Name eines antiken Königsreichs im heutigen Georgien.
In der Hauptstadt Tiflis wurde die Frequenz 92,3 MHz von der Medienanstalt an einen neuen Sender vergeben.

Minderheitenprogramme in Georgien

In Georgien leben armenische, aserbaidschanische und abchasische Minderheiten. Der „ADDX RadioKurier“ meldet in seiner aktuellen Ausgabe, dass auf UKW-Frequenzen in Zugdidi (96,3 Mhz) an der Grenze zum abtrünnigen Abchasien und in Achalkalaki (106,2 MHz) an der türkischen Grenze Programme in Abchasisch bzw. Armenisch geplant sind. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es täglich einige Minuten Sendungen in Armenisch, Aserbaidschanisch, Abchasisch und Ossetisch. In der mehrheitlich von Armeniern bewohnten Region Samtskhe–Javakheti, im Südwesten Georgiens, besteht seit wenigen Jahren mit Radio Nor (100,1 MHz) im entlegenen Bergdorf Ninotsminda ein Lokalsender für die armenische Bevölkerung. Die Frequenz wird auch von anderen Programmen wie Aliq Media genutzt, die dort Sendezeit belegen können.  Radio Nor entstand mit Hilfe von einem amerikanischen NGO und wurde durch Fördermittel von EU und Großbritannien unterstützt. In Marneuli/Bolnisi in der Region Kvemo Kartli im südlichen Georgien (101,5 MHz) und Rustavi (100,6 MHz) wurde 2015 mit AGFM im Rahmen des gleichen Projekts ein Programm für die aserbaidschanische Minderheit eingerichtet. Bis zur Erteilung der UKW-Lizenzen waren die beiden Programme zunächst einige Stunden in der Woche über öffentliche Lautsprecher in den jeweiligen Stadtzentren zu hören. Die Voice of Abkhazia sendet in Georgisch und Russisch für die Region Abchasien im Nordwesten, die sich von Georgien losgelöst und unter russischer Patronage für unabhängig erklärt hat. Das Privatradio entstand 2007, um die georgische Sicht in der abtrünnigen Provinz zu Gehör zu bringen. Dazu nutzt man Frequenzen in Zugdidi (107,2 MHz) und Kutaisi (98,9 MHz) nahe der Grenze. Zu Beginn sendete man ausschließlich auf Russisch, der Hauptverkehrssprache in Abchasien. Seit 2009 ist man auch in Tiflis (98,9 MHz), Batumi (105,0 MHz) und Gori (98,9 MHz) zu hören und nahm deshalb auch georgische und zweisprachige Sendungen ins Programm.

Änderungen bei Lokalradios in Dänemark
In Dänemark geht schon länger der Trend dahin, dass Lokalradios in größeren Ketten aufgehen. Einige wenige gibt es noch, die meisten gehören zu lokalen Zeitungshäusern.
eusmall_nordjyskeAnfang Januar wurde aus Radio Aura in Nordjütland Radio Nordjyske. Die gleichnamige Tageszeitungsgruppe NORDJYSKE Media aus Aalborg betreibt in ihrem Verbreitungsgebiet zwei Lokalsender – das schon 1983 gestartete ANR und Radio Nordjyske. Das neue Programm ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger Radio Aura moderiert und richtet sich an ältere Hörer.

Die 70.000 Einwohner-Stadt Esbjerg im Südwesten Jütlands hat seit letztem Jahr hingegen gegen den Trend wieder einen eigenen Lokalsender. Radio Victoria ging bereits im eusmall_radiovictoriaApril 2015 auf der UKW-Frequenz 106,3 MHz auf Sendung und bringt seitdem „Energi Til Esbjerg“. Bis 2005 gab es in Esbjerg einen Sender unter dem Namen Radio Victor, der im Skala FM-Verbund aufgegangen ist. Im Januar 2016 konnte das Sendegebiet um eine Frequenz in Roust erweitert werden. Hinter dem Sender steht Radio Globus, das mit seinen zwei Programmen in den ehemaligen Ämtern Sønderjylland, Vejle und Ribe sendet. Radio Victoria wird zusammen mit 20 weiteren Lokalradios von der Dansk Radioreklame vermarktet.

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