Radionachrichten aus Großbritannien, den Niederlanden und Flandern

Cheesy…
In Manchester ist über DAB ein Sender gestartet, der nur „cheesy“ Musik spielen will. Cheesy – darunter verstehen Engländer kitschige, (ungewollt) spaßige oder theatralische Musik, die aber trotzdem ins Ohr geht – schlecht, aber irgendwie deswegen schon wieder gut. Ein „guilty pleasure“.

Bild: BBC

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BBC-Reform: Trust wird durch neues Organ ersetzt – Ofcom als externe Regulierungsbehörde
Die konservative britische Regierung hat im Mai ein White Paper veröffentlicht, in dem sie darlegt, wie sie die BBC reformieren wird.
Der BBC Trust, das Aufsichtsgremium der BBC, soll abgeschafft und durch ein neues Board ersetzt werden. Die Mitglieder sollen wiederum teilweise von der Regierung und den Nations – Schottland, Wales, England und Nordirland – berufen werden. Kritiker sehen deswegen die Staatsferne und Unabhängigkeit der BBC in Gefahr. Der 2007 geschaffene BBC Trust war vergleichbar zu deutschen Rundfunkräten konstruiert. In ihm sitzen 12 Mitglieder, die u.a. verschiedene gesellschaftliche Gruppen repräsentieren sollen. Die britische Medienanstalt Ofcom wird nach den Regierungsplänen künftig neben den Privatradios auch die BBC als Regulierungsbehörde überwachen, damit gehen 94 Jahre Selbstregulierung bei der BBC zu Ende. Die Rundfunkgebühren bleiben unverändert, werden aber ab 2017/18 wieder an die Inflation angepasst. Die Lizenzperiode wird auf Wunsch der BBC auf elf Jahre verlängert, um sie vom Wahlzyklus mit seinen Wahlkämpfen zu entkoppeln. Die BBC muss weiterhin die Gebührenbefreiung für Senioren aus ihrem Budget schultern.
Ein vom Kultusministerium beauftragte Studie hatte im März angeregt, die BBC-Radioprogramme sollten sich weniger auf Pop und Sport konzentrieren. So könnte die private Konkurrenz gestärkt werden und Marktanteile hinzugewinnen. Die erfolgreiche Popwelle Radio 1 und Radio 2 könnten sich mehr auf musikalische Nischenangebote konzentrieren, 5Live weniger Sport und Talkformate senden, dafür mehr Nachrichten, so das Gedankenspiel.

Bewerber für UKW-Frequenz in Glasgow
RadioToday berichtet, dass sich auf die ausgeschriebene UKW-Frequenz 96,3 MHz in Glasgow vier Bewerber gefunden haben. Bauer plant einen Rock-Ableger seines Lokalradios Clyde, ehemalige Mitarbeiter von Rock Radio Scotland, das früher auf 96,3 MHz sendete, wollen ebenfalls ein Rockformat starten. Original FM aus Aberdeen würde gerne sein Format nach Glasgow bringen und GO Radio, das 2015 über DAB startete, will ebenfalls auf UKW starten.

Tom Sprenger

Bild: Tom Sprenger

Mittelwelle für alle
Die Niederlande öffnet die mittlerweile weitgehend ungenutzte Mittelwelle für Kleinstsender (Nachbarschaftsradios, Schulradios, Radioenthusiasten) zwischen 1 und 100 Watt Sendeleistung. Eine entsprechende Ausschreibung wurde im Mai gestartet. Eine der ersten Bewerbungen reichte der ehemaligen Piratensender Radio Atlantis in Friesland ein. Nach zwei Jahren soll das Pilotprojekt ausgewertet werden.

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Bild: Wikipedia

Flandern: Umstieg auf DAB+ 2022?
Die flämische Regierung plant die Umgestaltung der Privatradiolandschaft in der kommenden Lizenzperiode. Aktuell wird der flämische Radiomarkt von zwei Akteuren beherrscht – dem öffentlich-rechtlichen VRT und einem Joint-Venture der großen Medienhäuser Persgroep und Roularta, das zwei der drei landesweiten UKW-Privatradios (Joe FM, Q Music) betreibt. Die dritte Lizenz hält Nostalgie, hinter dem die Medienhäuser Concentra und Corelio stehen. Die drei Lizenzen, die Ende 2017 auslaufen, sollen bis 2022 verlängert werden, die Sender aber wie in den Niederlanden verpflichtet werden, parallel auch über DAB+ zu senden. 2022 stünde dann – nach den Vorstellungen des Medienministers – für den landesweiten Rundfunk der Umstieg von UKW auf DAB+ und die Abschaltung der landesweiten UKW-Netze an. Für die Übergangszeit wird aktuell geprüft, ob sich Frequenzen für eine weitere landesweite UKW-Lizenz finden lassen. Hintergrund: Die TV-Gruppe SBS  hat starkes Interesse in den Radiomarkt einzusteigen. Für 2018 sollen zudem mehrere UKW-Städteketten ausgeschrieben werden, möglicherweise mit Formatvorgaben für Spartenradios. Networklösungen wie bei Top Radio, Family Radio, Club FM oder Radio Maria, die zahlreiche Lokalradiolizenzen zusammengesammelt haben und so durch die Hintertür überregional senden, soll es ab dann nicht mehr geben. Die Sender könnten sich aber auf die neuen Multi-City Lizenzen bewerben. Auch die Lokalradiolizenzen werden 2017 neu ausgeschrieben.

 

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