Radio im Kanaltal

Seit November 2015 sendet der Regionalsender Radio Punto Zero Tre Venezie auf der UKW-Frequenz 90,1 MHz vom Standort Monte Lussari für den Bergsportort Tarvisio. Die Frequenz im Kanaltal, direkt an der Grenze zu Österreich und Slowenien, erreicht auch das österreichische Villach.

Radio Punto Zero wurde 1977 in Triest gegründet und sendet heute in der ganzen Provinz Friaul-Julisch-Venetien auf UKW und DAB+.

In den 1980er und 90er Jahren nutzten auch deutschsprachige Radioprogramme in großer Zahl Sendemasten auf den Bergen im Dreiländereck zwischen Italien, Österreich und Slowenien, um von dort aus nach Kärnten und in die Steiermark zu senden. Pionier war 1977 Radio Val Canale, das mit Pausen und Namenswechseln bis 1998 auf Sendung blieb.

1985 startet das lange Zeit äußerst populäre Radio Uno, das bis 2000 bestand. Radio Uno nutzte einen Sendemast direkt auf dem Monte Forno, wo die Grenzen der drei Nachbarstaaten aufeinander stoßen. 2001 verabschiedete sich Radio Bakkano, das als letztes lokaler Sender deutschsprachige Sendungen im Programm hatte. Österreich hielt sehr lange am Monopol des ORF fest und führte erst 1998 Privatrundfunk ein, von Italien aus konnte dieses Verbot erfolgreich umgangen werden. Dieser Umstand führte zu einer lebendigen Radioszene im Kanaltal, die sich im verlinkten Artikel genauer ergründen lässt.

Aktuell sendet noch das katholische Radio Maria Südtirol auf der UKW-Frequenz 99,1 MHz vom Monte Forno auf Deutsch. Radio Maria übernahm die Frequenz 2003 von RTL 102,5. Die grenznahen Senderstandorte Monte Lussari, Monte Forno und Monte Priessnig werden immer noch von der RAI für ihre Programme Radio 1, 2, 3 und das slowenischsprachige 4. Programm sowie von den Privatsendern RTL 102,5, Radio 24, Radio Deejay, Radio Maria Italia und Radio Radicale genutzt. RTL 102.5 erwarb 2000 den umfangreichen Frequenzbestand von Radio Uno.

Das Kanaltal gehörte bis 1759 zum fernen Hochstift Bamberg. Die Bischöfe verkauften es an die Habsburger, die es mit Kärnten verbanden. Nach dem ersten Weltkrieg wurde es Italien zugesprochen. 1939 beschlossen Hitler und Mussolini die Umsiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung nach Österreich. Das Kanaltal ist, wie die Radiolandschaft zeigt, heute italienischsprachig, mit kleinen deutsch- und slowenischsprachigen Minderheiten. Tarvisio hat vier Amtssprachen – Italienisch, Slowenisch, Deutsch und Friaulisch.

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